Standpunkte der Vereinsvertreter zur Thematik Fortsetzung und Abbruch der Saison (Auszug)

„Wir als FC Einheit Wernigerode tendieren in der Harzoberliga zum Saisonabbruch und würden das Aufstiegsrecht im Fall der Ablehnung anderer Vereine dann wahr nehmen.“

Marco Marcinkowski, Abteilungsleitung FC Einheit Wernigerode

„Die sportliche Leitung unseres Männerbereiches vertritt folgende Meinung: Die Saison abbrechen und annullieren. Alle anderen Varianten machen aus unserer Sicht keinen Sinn.“

Jürgen Schröder, Vorstand FSV Grün-Weiß Ilsenburg

„Nach unserer Meinung sollte die Saison ohne Absteiger abgebrochen werden. Die Reduzierung der Harzoberliga von 16 auf 14 Mannschaften sollten wir verschieben. Im Moment steht Rieder mit 17 Spielen und 36 Punkten an erster Stelle, nur Ilsenburg II hätte bei 14 Spielen und 27 Punkten, wenn man drei Siege in den Spielen zu Grunde legt, dann bei 17 Spielen ebenfalls 36 Punkte. Da könnte man ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg ausspielen. Ansonsten ist Rieder halt Erster und damit Aufsteiger, wenn sie wollen. Im Pokal könnte man beide Halbfinals an einem Wochenende spielen und dann das Finale, notfalls auch im September oder kurz vor Saisonstart 2020/21. Eine Verlängerung kommt glaube ich nicht in Frage, weil alle in den Ferien in den ausgefallenen Urlaub wollen, einschließlich der Schiedsrichter. Die Fortsetzung der Saison mit mehreren Spielen in der Woche scheitert an den Arbeitszeiten der Spieler und Schiedsrichter. Also wäre ein Abbruch die beste Option. Recht machen kann man es allen sowieso nicht. Mal sehen was die übergeordneten Verbände dann hoffentlich zeitnah entscheiden.“

Uwe Matz, Abteilungsleiter Blau-Weiß Schwanebeck

„Müssten oder könnten wir die Entscheidung treffen, würden wir die Saison sofort abbrechen. Dies würde dann alle Meisterschafts-, Pokal- und auch alle anderen Spiele wie Freundschaftsspiele bis 31. August betreffen. Alles andere macht keinen Sinn in unseren Augen. Letzlich entscheiden ja auch die Städte und Gemeiden, ob sie die Plätze freigeben oder nicht. Unsere Stadt fährt hier zum Beispiel eine sehr strenge Linie. Zudem wird das Kontaktverbot in den nächsten Monaten nicht soweit gelockert, dass an Fußball zu denken wäre. Gerade im Amateurbereich haben die betreffenden Spieler und Trainer aktuell viele andere Probleme. Wir denken da an Kündigungen und Kurzarbeit, aber auch an Mehrarbeit für einige. Ab Mitte Juni/Anfang Juli bekommt man keine Teams mehr zusammen und in der Woche sind Spiele auch nur sehr selten abzusichern, ob mit Kindern, Jugendlichen oder Herren. Bei der eventuellen Wertung gibt es sicher keinen Weg, der alle zufrieden stellt. Der meiste Zuspruch wäre wohl beim Modell zu erwarten, dass die bisherigen Ergebnisse zählen und es danach auch Aufsteiger gibt, aber keine Absteiger. Da es vermutlich in vielen Ligen eine unterschiedliche Anzahl an Spielen bei den Teams gibt, wäre die Wertung nach der Hinserie wohl die beste Lösung.“

Marcel Bornemann, Sportlicher Leiter Concordia Harzgerode

„Mit dieser Saison sollte es am besten gar nicht mehr losgehen. Es ist viel wichtiger für uns alle, erst einmal in das öffentliche Leben zurückzukehren. Was wir am meisten benötigen ohne in Hektik verfallen zu müssen ist Zeit. Daher wäre ich dafür, die Saison abzubrechen. Punkt, Ende, Aus. Damit wissen wir alle woran wir sind. Es wird sicher schwierig mit der Wertung. Ich denke, dass wir die Saison mit dem jetzigen Tabellenstand einfrieren und weitere Entscheidungen auf dieser Basis treffen können. Meiner Ansicht sollte es keine Absteiger geben, Aufsteiger ja. Die Harzoberliga könnte wieder auf 16 Teams aufgestockt werden, das eine Mannschaft immer spielfrei ist, finde ich suboptimal. Zurück zum 16-er Starterfeld. Lass uns die neue Saison im März 2021 beginnen und im November 2021 beenden. Das wäre auch für die Zukunft ein Modell.“

Stefan Burdack, Sportlicher Leiter Grün-Weiß Hasselfelde

„Nach den ganzen Einschränkungen, die einhergehen mit dieser Viruserkrankung, ist es mit sehr großer Sicherheit nicht jedem möglich, einfach so zur Normalität überzugehen, Und das betrifft nun einmal auch den Fußball, der ja nur ein Hobby darstellt. Dieses Hobby wird aber zur absoluten Nebensache bei solch einer Pandemie. Und genau aus diesen Gründen kann es aus meiner ganz persönlichen Sicht als Vorsitzender des Vereins, natürlich in Absprache mit den Funktionsträgern, nur einen Abbruch der Saison geben. Dieser sollte dann einhergehen mit einer Annullierung der Saison. Viele haben nicht mal alle Spiele der Hinrunde gespielt und somit nicht die Hälfte aller Spiele gemacht, wie soll es dann Aufsteiger und Absteiger geben. Dies ist die einzig logische Konsequenz und Loyalität den Vereinen gegenüber. Eine Verlängerung der Saison kommt nicht infrage, Grund ist die Verschiebung aller Maßnahmen wie Ferien, Urlaub und so einiges mehr. Es ist nur ein Hobby, andere Dinge stehen nach der Krise erst einmal im absoluten Vordergrund. Dies alles sollte bei allen Überlegungen, egal in welche Richtung, gut durchdacht werden.“

Marc Bendler, Vorstandsvorsitzender Blau-Weiß Hausneindorf

„Wir sind der Meinung, dass die laufende Saison unter den gegebenen Umständen abzubrechen ist. Nach unserer Auffassung ist eine Annullierung der Saison ohne Auf- und Absteiger die korrekte Vorgehensweise. In vielen Fällen ist eine normale Fortführung des Spielbetriebes ohne vorheriges Training nicht durchführbar. Des weiteren ist auch eine Verdichtung der Spiele (Turnierform) oder Verlängerung der Saison nicht sinnvoll. Ein Neubeginn mit der Saison 2020/21 in der selben Konstellation wie 2019/20 ist für uns das korrekte Mittel.“

Ricky Greiner, Vorstand SV Einheit Stapelburg

„Aufgrund von Corona und der weiteren Aussetzung des Spielbetriebs durch den FSA, sind wir von der SG Pansfelde auch für einen Abbruch der laufenden Saison. Da niemand weiß, wie es weitergeht beziehungsweise weitergehen kann, und es terminbedingt auch immer schwieriger wird, die laufende Saison vernünftig zu Ende zu bringen, wird auch ein Abbruch unumgänglich sein. Wir hoffen alle nur das Beste, dass es vielleicht im Sommer mit der neuen Spielzeit weitergehen kann.“

Thomas Kunze, Abteilungsleiter SG Pansfelde

Halberstadt l Angefangen von den Bundesligen, die ihre Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen zu Ende bringen wollen, bis hinab zu den untersten Ligen, in denen in absehbarer Zeit kein Ball mehr rollen wird.

Kritik an Fortsetzung wird lauter

Von Einigkeit kann in diesem Punkt in Fußball-Deutschland keine Rede sein, die Meinungen gehen in den einzelnen Landesverbänden auseinander. Eine Entscheidung hat bisher nur der Bayerische Fußball-Verband getroffen, der seine ausgesetzte Saison im Amateurbereich fortsetzen will, wenn dann wieder Fußball gespielt werden kann. Diesen Plan verfolgten auch die Fußballverbände aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, stießen dabei aber auf Kritik bei den Vereinen (siehe nebenstehende Meldung) beziehungsweise intern im Vorstand.

Während sich in Niedersachsen ein Großteil der Kreisverbände für einen Abbruch und gegen eine Fortsetzung der Saison entschieden hat, trägt der Fußballverband Sachsen-Anhalt die Umfrage ab dieser Woche über die Kreisfachverbände in die Vereine. Ziel ist es nach der nächsten Videokonferenz des FSA-Vorstandes am 7. Mai, nachdem auch die politischen Entscheidungsträger im Verlauf dieser Woche ihre weitere Vorgehensweise zur Eindämmung der Corona-Pandemie bekanntgeben, eine klare Richtung vorzugeben.

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Vereine im Harzkreis für einen Abbruch

Der Kreisfachverband Fußball Harz hat sich schon im Vorfeld ein erstes Meinungsbild der Verein eingeholt. „Wir wollten mit der Umfrage schonmal ein Gefühl bekommen, wie die Vereine darüber denken. Wir können uns nur bei allen bedanken, die sich daran beteiligt haben“, erzählt Detlef Rutzen, Präsident des Kreisfachverbandes Fußball Harz. In der Harzoberliga befragte Staffelleiter Steffen Bieder die Vereine, Jugendwart Thomas Haase machte sich in den Nachwuchsabteilungen ein Bild für das Für und Wider eines Abbruchs beziehungsweise einer Fortsetzung der Saison. Die Tendenz geht dabei ganz klar in Richtung Saisonabbruch.

Schon im Vorfeld der letzten Sitzung des FSA-Vorstandes hatte Detlef Rutzen seine Bedenken über eine Fortsetzung der Saison nach dem Sommer geäußert, immer vorausgesetzt, ein geregelter Spielbetrieb ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon möglich. „Mit der Fortsetzung der Saison wird ein fairer Abschluss angestrebt. Allerdings ist zu erwarten, dass nach dem Sommer deutlich veränderte Mannschaften auf dem Platz stehen werden, gleiches gilt für die Trainerbänke“, argumentiert der KFV-Chef. Als bestes Beispiel dürfte die Landesklasse-Staffel 3 dienen, in der schon drei Vereine (Germania Wulferstedt, Oscherslebener SC, Olympia Schlanstedt) zum 30. Juni einen Trainerabgang bzw. -wechsel verkündet haben.

Die Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen

„Bei Spielern könnte zwar eine Änderung der Wechselfrist beschlossen werden, doch was passiert mit denjenigen, die durch Studium, Arbeit oder aus privaten Gründen ihren Wohnort wechseln oder älteren Fußballern, die im Sommer ihre aktive Karriere beenden wollen. Auch das führt dazu, dass die Mannschaften bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit deutlich veränderten Kadern spielen würden, was im Widerspruch zu der geforderten fairen Lösung stände. Außerdem ist bei solch einer Maßnahme aus meiner Sicht eine deutlich größere Klagewelle zu erwarten, wie es im Fall eines Saisonabbruchs wäre“, äußert KFV-Präsident Detlef Rutzen seine Bedenken.

Entscheidungen in der Politik sind maßgebend

Für Rutzen gibt es im Grunde nur eine Variante: „Ein Verbandstag ist das einzige Mittel, um mit einem Mehrheitsbeschluss klare Verhältnisse zu schaffen und für einen sauberen Abschluss zu sorgen. Bis Juni bliebe dafür genug Zeit, deshalb haben wir am 7. Mai eine weitere Videokonferenz angesetzt. Bis dahin liegt das Votum der Vereine vor, nach dem die Entscheidung getroffen werden sollte. Aktuell warten jetzt alle darauf, wie sich die Politiker am Donnerstag äußern. Danach müssen wir die Entscheidungen zur 3. Liga und vom Nordostdeutschen Fußballverband abwarten, denn auch die Schnittstellen müssen beachtet werden“, blickt Rutzen gespannt auf die Entscheidungen, die Ende dieser oder Anfang nächster Woche erwartet werden.

„Aus meiner Sicht gibt es dabei keine andere Option, als die Saison abzubrechen, wenn wir sie im Juni oder bis spätestens 15. Juli nicht zu Ende spielen können. In vielen Kreisfachverbänden in Sachsen-Anhalt ist die Tendenz ähnlich. Letztlich machen wir den Spielbetrieb für die Vereine“, führt Detlef Rutzen noch einmal an, dass der Kreisfachverband lediglich Dienstleister der Vereine sei. „Wie die Saison dann gewertet wird, ob wir einen Meister ehren, können wir in Abstimmung mit den Vereinen immer noch entscheiden.

 Von mir aus auch nur Aufsteiger und keine Absteiger, ich sehe keine Problem darin, in der Harzoberliga wieder zu einer Saison mit 16 Mannschaften zurückzukehren. Die Staffelstärke könnte im Jahr darauf wieder reduziert werden“, zeigt sich Detlef Rutzen für alle Varianten offen. Allerdings müssten dann wieder die Schnittstellen zum FSA beachtet werden, damit der Harzmeister sein Aufstiegsrecht in die Landesklasse wahrnehmen kann.