Blankenburg l Ausgerechnet in ihrem sportlich erfolgreichsten Jahr musste sich die Bohle-Keglerin vom SV Lok Blankenburg einer Konkurrentin geschlagen geben.

Lindner blickt auf tolles Jahr zurück

Von Neid ist aber keine Spur. „Ich war mehrfach Sportlerin des Jahres, habe erlebt, wie toll so eine Ehrung ist. Das gönne ich auch jeder anderen Sportlerin, die solche Erfolge vorweisen kann“, erzählt Lucy Lindner, die am morgigen Mittwoch ihren 17. Geburtstag feiert. Die Erfolgsbilanz im Jahr 2019 ist wahrlich kaum zu toppen: Die Zahl ihrer Deutschen Meistertitel schraubte sie mit Erfolgen im Dreibahnenspiel (Einzel und weibliches Doppel) und im Bohle-Kegeln (Einzel) auf zwölf, zum fünften Mal in Folge stand sie in der Nationalmannschaft, die sie mit Tagesbestwert zum Sieg gegen Dänemark führte. Bei den Aufstiegsturnieren zur 1. und 2. Bundesliga der Damen und Herren in Lüneburg düpierte Lucy als Jüngste mit 15 Jahren alle 84 Starter der Damen- und Herrenkonkurrenzen. Zum Aschluss des Jahres gewann sie mit der Sachsen-Anhalt-Auswahl den begehrten Deutschlandpokal.

Das Kegeln bekam Lucy in die Wiege gelegt, nach Opa Klaus und Vater Mario gingen auch Lucy und ihr Zwillingsbruder früh auf die Jagd auf „Alle Neune“. Mit drei Jahren schob sie ihre ersten Kugeln, mit sieben trat sie als aktive Keglern im SV Lok Blankenburg ein. Parallel probierte sich die sportbegeisterte Blankenburgerin auch im Reiten, Schwimmen, Handball und Tischtennis, „aber das Kegeln stand immer an erster Stelle“.

Ein Grund hierfür ist die tolle Gemeinschaft unter den Kegelsportlern. „Bei höherklassigen Wettkämpfen wie Landesmeisterschaften oder Deutschen Meisterschaften entwickeln sich viele Freundschaften, das ist über die Jahre wie eine Familie geworden“, erzählt Lucy Lindner. Über ihre sportlichen Erfolge war sie selbst manchmal überrascht. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mit elf Jahren in die Nationalmannschaft berufen werde. In diesen jungen Jahren die Erfahrung zu machen, das hat einem für die weitere sportliche Entwicklung viel gebracht“, so die Nationalspielerin, „wobei ich im Heimatverein von meinen Trainern Lothar Richter seit meinem Vereins­eintritt und Rolf Leonhardt seit ich Nationalspielerin bin toll unterstützt werde.“

Zwei- bis dreimal die Woche trainiert Lucy Linde, manchmal auch an den Wochenenden vor Wettkämpfen anderer Teams. In der Corona-Zeit durfte kurzfristig trainiert werden, mit dem zweiten Lockdown war es dann wieder vorbei. „Das fehlende Training merkt man schon, über Workouts versuche ich mich fitzuhalten“, erzählt Lucy. Besonders fehlen ihr die Wettkämpfe, von den Deutschen Meisterschaften bis zum Länderspiel fiel nahezu alles aus. „Da sich das zu Beginn des neuen Jahres auch nicht ändern wird, sieht man viele Freunde fast zwei Jahre nicht“, bedauert die Schülersprecherin vom Gymnasium „Am Thie“.

Über Ziele im bevorstehenden Junioren- und Erwachsenenbereich äußert sich Lucy Lindner erst einmal zurückhaltend, „da gibt es in Deutschland und auch auf Landesebene eine so große Leistungsdichte.“ Das große Talent der Blankenburgerin ist der Konkurrenz nicht verborgen geblieben. „Über eine Freundin gab es sogar schon ein Angebot eines Bundesligisten aus Norddeutschland“, sagt die Harzerin. In welche Richtung es sportlich geht, entscheidet auch der berufliche Weg. „Hier würde ich gern etwas im Sozialen machen, oder vielleicht Mathematik, das mag ich auch sehr“, erzählt Lucy, die in ihrer Freizeit gern malt, Bücher über Medizin liest und sich mit Freunden trifft.