Zerbst l So richtig lief es beim TSV Rot-Weiß Zerbst nicht in der Landesklasse 4. Nach personellen Weggängen von Florian Böning (Nedlitz), Tobias Frens und Frank Moller (Garitz) zog die Vereinsführung nun die Notbremse und Trainer Jens Borchers muss gehen. Zuvor und zwar am Samstag teilte Co-Trainer David Ritze mit, dass er zum SC Vorfläming Nedlitz wechselt. Das brachte das Fass zum sprichwörtlichen Überlaufen.

„Ich wurde am Samstag von David informiert, dass er sich abmeldet und nach Nedlitz geht, was sich in vorherigen Gesprächen nicht angedeutet hatte“, sagte Abteilungsleiter Florian Sens. „Für mich ist das eine menschliche Enttäuschung, da wir uns schon so lange kennen. Über die Gründe möchte ich hier nicht spekulieren“, war er ziemlich sauer.

Mit Fingerspitzengefühl

Dies, der Saisonverlauf und auch die Stimmung in der Mannschaft, die Florian Sens als Spieler bei zehn Einsätzen miterlebt hat, gaben den Ausschlag „die Saison neu zu analysieren“ und sich von Jens Borchers zu trennen. „Wir hatten im März schon mit den Trainern und Spielern Gespräche geführt, dann kam die Coronapause dazwischen“, so der 36-Jährige, für den es „mehrere Puzzleteile sind, die den Cut nötig machen“.

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Dabei hat er auch die letzte Serie im Blick, denn „es hätte ohne Corona noch richtig eng werden können mit dem Klassenerhalt“.

Trennung hat sich angebahnt

Nun „passte die Chemie nicht mehr wirklich und es lag schon einiges im Argen“. Deshalb will die Vereinsführung „mit Fingerspitzengefühl“ an die Aufgabe herangehen und Florian Sens hofft, dass es „der richtige Schritt ist, der nun frischen Wind bringt“.

Er selbst will gemeinsam mit Keven Sens (37), Spielertrainer der zweiten Mannschaft des TSV, die Geschicke der Landesklasse-Mannschaft leiten und lenken und sie als „eingeschworene Truppe“ wieder in das richtige Fahrwasser chauffieren. Eventuell kommt noch ein Trainer hinzu, so dass ein Trainer-Trio den Kopf der Mannschaft bilden wird. Die Personalie stand noch nicht fest, wird dann kurzfristig bekannt gegeben. Heiko Nebelung wird das Trio und die Mannschaft weiterhin als Torwarttrainer unterstützen.

Teamgeist stärken

„Hauptziel ist es dabei, keinen speziellen Tabellenplatz zu belegen, sondern eine eingeschworene Mannschaft zu entwickeln, die jedes Spiel erfolgreich gestalten und gewinnen will“, so Florian Sens, der auch meint, dass die Rot-Weißen „in der Landesklasse mit der richtigen Einstellung die Möglichkeit haben, jede Mannschaft zu schlagen und jeder Mannschaft weh zu tun“.

Die letzten Tage waren auf jeden Fall „stürmisch“ für Florian Sens, denn er hatte „alle Meinungen eingeholt“, bevor er diese Entscheidung getroffen hat. Am Dienstagabend traf er sich persönlich mit Jens Borchers und verkündete ihm die Entscheidung der Abteilungsleitung. „Es tut mir leid für Jens, denn er war super engagiert und hat gute Arbeit geleitet. Aber der Zustand der Mannschaft war nicht mehr gegeben und auch die Ergebnisse und der Erfolg blieben aus“, findet der Walternienburger.

Nun will er die Mannschaft wieder aufbauen und „die Möglichkeiten, die da sind“, nutzen. Das heißt, das auch die A-Jugendspieler und die aus der Zweiten mit bedacht werden. „Wir haben eine sehr gute A-Jugend, die in der Verbandsliga starten wird und wir möchten die jungen Spieler peu a peu mit einbauen. Außerdem bin ich der Meinung, wenn alle Spieler aus dem Kader der Ersten zur Stange halten, sind wir eine gute Mannschaft“, so Florian Sens, der selbst weiterhin als Spielertrainer fungieren wird und „wenn Not am Mann ist, aushelfen möchte“.

Florian Sens sieht aber nicht nur seinen Verein, er sieht auch den Fußball in der Region und das Problem, dass es immer weniger Mannschaften gibt. „Es wäre schön, wenn jeder Dorfverein weiterhin seine Mannschaft hat. Deshalb dürfen wir uns nicht gegenseitig die Spieler abziehen. Es wäre wünschenswert, wenn die Vereine untereinander nach dieser Maßgabe agieren und sich jeder Spieler mit Herz in den Dienst seines Vereines stellt.“