Lübs l Dabei konnten die Gehrdener einen 2:4-Rückstand noch aufholen. Was für ein Spiel, das zumindest in den Schlussminuten an Dramatik und Spannung seinesgleichen sucht.

Die Gehrdener begannen trotz einiger Umstellungen und Ausfällen gut, hatten aber bereits nach zwei Minuten den ersten Schock zu überstehen, als Nico Kuske umknickte. Er spielte weiter, doch „die Verletzung war ihm anzumerken“, sagte VfL-Trainer Andreas Schunke.

Baumgart erzielt Führung

Nach 15 Minuten ging der VfL durch Florian Baumgart in Führung. Diese konnte Benjamin Loof aber zehn Minuten später egalisieren. Dann verletzte sich Torhüter Dennis Böttge, der vorerst weitermachte. Erneut war es Baumgart, der seine Farben kurz vor der Pause 2:1 in Front schoss (44.).

„Die Jungs haben gut gespielt. Hätten wir unsere Chancen besser ausgespielt, wäre eine 3:1-Führung durchaus drin gewesen“, haderte Schunke mit der Chancenverwertung. Die Gäste machten es in Hälfte zwei besser. „Sie haben effizient gespielt und aus drei Chancen drei Tore gemacht“, so der 52-Jährige.

Böttge verletzt sich

Zuvor musste der VfL jedoch erneut einen Rückschlag einstecken, denn Keeper Böttge konnte nicht weiterspielen. Für ihn kam Felix Schunke und der zweifache Torjäger Baumgart musste ins Gehäuse. Er fehlte dann aber in der Offensive. „Die Jungs waren kopfmäßig nicht auf der Höhe. Sie waren ziemlich deprimiert“, beurteilte der Coach die Lage und meinte: „Die Umstellungen waren der Knackpunkt der Partie“.

So sah es auch aus, denn zwischen der 48. und 66. Minute erzielten die MTV-Spieler Christian Steinke, Patrick Busse und nochmals Steinke drei Treffer und zogen auf 4:2 davon.

Turbulente Schlussphase

Dann folgte eine sehr turbulente Phase, wobei die Gäste eine harte Gangart anschlugen, was für Unterbrechungen und Rudelbildung sorgte. „Da bin ich auch emotional etwas übergekocht, was mich ärgert“, räumte Schunke ein, was aber auch verständlich war. Zwei MTV-Spieler traten die Gehrdener von hinten in die Wade bzw. sprangen in den Rücken. Da hätte sich nicht nur der VfL-Trainer eine schnellere Reaktion von Schiedsrichter Czeslaw Przygocki (Germania Güsen) gewünscht, der sonst „eine gute Leistung gezeigt hatte“. „Allgemein nehmen die schweren Verletzungen immer mehr zu. Jede Mannschaft kämpft ums Überleben. Zweikämpfe gehören dazu, auch mal ein Foul, aber übertriebene Härte muss geahndet werden“, sagte Schunke mit aller Deutlichkeit.

Die Gehrdener gaben dann lieber auf dem Feld die richtige Antwort. Nun kam die Zeit des eigentlich verletzten Felix Schunke, der aus Mangel an Spielern dennoch aushalf. Zuerst wurde er gefoult und Przygocki zeigte auf den Punkt. Den Strafstoß versenkte Tommy Gerber zum 3:4 (82.).

Remis fühlt sich wie ein Sieg an

Den 4:4-Ausgleich besorgte Schunke dann in der dritten Minute der Nachspielzeit noch selber. Nach einer super Flanke von Eric Schmidt setzte er seinen Kopfball über Torhüter Max Bellach ins lange Eck und sorgte so für riesen Jubel, natürlich auch bei seinem Vater: „Ich habe mich riesig gefreut für die Jungs. Zum Schluss hätten wir das eine oder andere Tor noch machen können. Moralisch war es ein tolles Ding, denn wir haben nie aufgegeben und uns nie hängen lassen. Das Remis fühlte sich dann wie ein Sieg an und wir hatten in der Kabine noch viel Spaß“, freute sich der Banker.

Am Samstag muss der VfL sehen, wie er seine Elf aufstellt. Da wird es beim Tabellenzwölften SG Traktor Schermen auch kein Zuckerschlecken und erst recht kein Selbstläufer werden.

Statistik

VfL Gehrden: Böttge (46. Schunke – 90. Lindau) – Kuske, E. Schmidt, Tob. Fricke, Gerber, Schnelle, Konstabel, Tor. Fricke, M. Schmidt, Steinert, Baumgart; SR: Przygocki (SV Germania Güsen); ZS: 35.