Zerbst/Nedlitz l Dass die Partie, die am Sonnabend um 14 Uhr im Jahnstadion in Zerbst angepfiffen wird, kein alltägliches Spiel ist, ist klar. Hinzu kommt, dass es in Zeiten der Corona-Pandemie stattfindet.

Es ist ein Derby, das es lange nicht mehr gegeben hat. Beide Teams standen sich im Finale am 14. Juni 2014 gegenüber. Damals gewannen die Nedlitzer mit 4:3 nach Verlängerung. Die Revanche folgte nur ein Jahr später, am 20. Juni 2015. Zerbst siegte 4:0. Aber das ist lange her.

Unter neuen Vorzeichen hat das morgige Spiel als Belohnung neben dem Finaleinzug auch noch ein besonderes Bonbon zu bieten: der Sieger steht im Landespokal-Wettbewerb.

Bilder

Morgen treffen erneut Spieler, die sich lange kennen, sogar Freunde sind, in zwei verschiedenen Teams aufein-ander. Es ist eigentlich das vorgezogene Finale, das nach mehreren Verschiebungen aufgrund der Corona-Krise nun aus der vergangenen Serie nachgeholt wird. Dies bedeutet, dass sich mittlerweile das Gesicht der Mannschaften etwas verändert hat.

Für die Zerbster gleich doppelt, denn sie mussten einige Abgänge hinnehmen. Einen Spieler und den Co-Trainer zog es nach Nedlitz. Dazu haben sie mit Florian und Keven Sens, Holger Rommel und Heiko Nebelung ein neues Trainer-Quartett an der Seite. Neben dem Platz hatte der TSV als Ausrichter des Wettbewerbes alle Hände voll zu tun, um alles zu organisieren und zu managen, so dass die geforderten Vorschriften eingehalten werden können.

Dies wurde alles gemeistert und nun sollte einem regelkonformen Spiel nichts im Wege stehen (Bitte lesen Sie zu den Hygieneregeln die Seite 12).

TSV-Trainer und Abteilungsleiter Florian Sens konnte nun etwas durchschnaufen und sich ganz auf das bevorstehende Spiel fokussieren: „Die Ausgangssituation ist für beide Mannschaften ähnlich“, findet er, „da beide ihr Auftaktspiel verloren haben“. Den kleinen Vorteil, dass sein Team zu Hause spielen kann, sieht er auch: „Es ist ein kleiner Vorteil und den wollen wir auch nutzen.“

Nach der „Fehleranalyse beim Dienstagtraining, wo auf die Probleme der Niederlage in Möhlau hingewiesen wurde“, will er die Aufgabe „offensiv angehen“ und hat das Ziel klar formuliert: „Wir wollen gewinnen und ins Finale einziehen. An dieses Ziel wollen wir auch keine Luft ranlassen.“

Personell kann er „weitestgehend aus dem Vollen schöpfen“. „Ich denke, es wird die Tagesform entscheidend sein und auch der Wille, unbedingt gewinnen zu wollen“, blickte der 36-Jährige voraus. Er, wie auch seine Männer, kennen die Nedlitzer gut. „Sie haben gute Fußballer in ihren Reihen. Beide Seiten werden sich mit Respekt begegnen. Dennoch kann die Besonderheit des Spiels kein Grund für Ausreden sein.“

Spiel auf Augenhöhe

Für sein Gegenüber, Dirk Bizuga aus Nedlitz, hat das Spiel ebenfalls Besonderheiten. Es ist sein erstes Derby gegen Zerbst und seine Mannschaft kommt als Pokalverteidiger an die Nuthe. „In meiner Amtszeit habe ich das noch nicht erlebt“, sagte er. Er erinnerte sich aber, dass er in den 90er Jahren, als er selbst noch beim Schönebecker SC gespielt hatte, einmal in Zerbst beim Pokalspiel dabei war. Und er gab auch zu: „Bei mir kribbelt es.“

Auch in Nedlitz wurde die Auftaktschlappe ausgewertet. „Die Spieler haben gleich im Training gezeigt, dass es gefruchtet hat. Sie haben richtig Dampf gemacht“, so Bizuga.

Diesen „Dampf und einen anderen Auftritt als in der Vorwoche mit Willen und Laufbereitschaft“ will er auch morgen auf dem Platz sehen. „Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe und ein enges Match, das vom Kampf geprägt sein wird. Zerbst hat gute Spieler, die als Einheit dastehen“, sagte er und fügte an, dass seine Mannschaft „neue Leute dabei hat, die noch integriert werden müssen“. Einen Favoriten konnte der 48-Jährige „nicht ausmachen“, sieht aber bei den Zerbstern „aufgrund des Heimvorteils ein kleines Plus“.

„Die Spieler kennen sich, sind teilweise befreundet. Aber über 90 bzw. 120 Minuten oder gar im Elfmeterschießen gibt es keine Freundschaft. Da müssen wir uns auf unser Spiel fokussieren und zusehen, wie wir Zerbst knacken können. Wir müssen Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren.Denn ich denke, die hoffentlich große Zuschauer-Kulisse wird ihr Übriges tun.“

Auch die Grün-Weißen haben ein klares Ziel: „Wir wollen als Pokalverteidiger ins Finale kommen. Das war und ist unser Ziel, zumal es auch um den Einzug in den Landespokal-Wettbewerb geht.“

Zur Aufstellung ließ sich auch Dirk Bizuga nicht viel entlocken. „Nur Torhüter Marcus Hoffmann ist gesetzt“, scherzte er, verriet dennoch, dass er „einen 18-Mann-Kader zur Verfügung hat und über die Taktik und Aufstellung noch einmal schlafen muss“.

Das Kreispokal-Halbfinale ist eben etwas Besonderes, besonders in vielerlei Hinsicht.

SR: Uwe Steiner - SG Abus Dessau.