Zerbst l  Doch es gibt Sportler, die trainieren nicht allein, sondern mit Tieren. Diese können nicht in die Ecke gestellt werden. So auch beim RFV St. Laurentius Zerbst. Die Trainerinnen Annekathrin Ganzer, Maureen Hannemann und Johanna Warthmann nutzen die Zeit, um junge Pferde auszubilden und ihre Muskeln zu stärken Gähnende Leere, wie auf den sonstigen Sportanlagen, herrschte auf der Reitanlage der Familie Ganzer (noch) nicht. „Das Training mit den Kindern haben wir abgesagt, aber unsere Pferde müssen ja trotzdem bewegt werden“, erklärte Anne Ganzer. Sie und zwei ihrer Trainerkolleginnen nutzen die Zeit nun, um die jungen Pferde an das Voltigieren heranzuführen und auch, um die anderen Pferde in Gang zu halten.

„Wächst mit Herausforderungen“

So hatten Jungpferd Navajo und Oldie Darwin Ausgang. Das Wetter war ideal, fast schon zu warm und Youngster Navajo ließ sich von den Rapskäfern sehr ablenken. „Navajo ist erst sechs Jahre alt und noch ziemlich verspielt“, lächelte Anne Ganzer und gab gleich die nächsten Tipps an Johanna Warthmann, die ihn longierte. „Es ist immer etwas Neues und man wächst mit seinen Herausforderungen“, meinte sie und nahm dann selbst die Longierleine in die Hand. Denn das Training ist anstrengend und nicht nur für die Pferde eine sportliche Herausforderung. Am Ende der Trainingseinheit waren auch die Trainerinnen durchgeschwitzt.

Der RFV hat sich den Hannoveraner Navajo erst kürzlich zugelegt. Die beiden Oldies Darwin und Paul brauchten Verstärkung und Verjüngung und es dauert nach Aussage von Anne Ganzer auch eine gewisse Zeit, so ein Pferd auf das Voltigieren einzustellen, es zu trainieren. Überhaupt dürfen Pferde erst ab dem Alter von sieben Jahren auf Voltigier-Turnieren starten.

Intensiv gesucht

Dabei hat die Zerbsterin lange Zeit, im letzten halben Jahr sehr intensiv, nach einem geeigneten Pferd gesucht. Es gab dazu einige Auswahlkriterien. „Es sollte ein Wallach sein, der die entsprechende Größe und Statur, ähnlich wie Darwin, hat und das richtige Alter“, erklärte die Erzieherin. Außerdem achtete sie auf „eine gute Galloppade – raumgreifend und mit Schwung – und dass er vom Kopf her klar ist“, also brav, vor allem in der Arbeit mit Kindern. Nach langem Suchen fand sich Navajo ganz in der Nähe in der Region Dessau.

Nun hat der Sechsjährige viele Aufgaben zu erlernen. „Er muss lernen, an der Longe zu laufen, Schritt und Trab auf Kommando zu machen sowie die Balance und das Gleichgewicht zu halten“, sagte Anne Ganzer, die sich freute, da „das pferdegerechte Training im offiziellen Trainingsbetrieb immer etwas zu kurz kommt“. So hatte die Voltigiererin alle Hände voll zu tun, um den beiden Longenführerinnen Korrektur-Hinweise zu geben.

Beide haben auch schon Erfahrungen gesammelt. So ist Mauren Hannemann, gemeinsam mit Finn Kegel, Trainerin der Galopp-Schritt-Gruppe des RFV. Und Johanna Warthmann trainiert, gemeinsam mit Bianka Wendt, die E- und Spielgruppe.

Mauren Hannemann hatte beim Training den erfahrenen Darwin an der Longe. Darwin ist schon 18 Jahre alt und steht seit über zehn Jahren an der Seite der Voltigierer. Da ist es klar, dass er zur Familie gehört. „Er ist mein Herzblut“, sagte Anne Ganzer und gab ihm gleich ein paar Streicheleinheiten.

Die Voltigier-Trainerinnen des RFV und alle ihre Kinder und Jugendlichen hoffen nun, dass die Coronakrise sich bald legt, so dass sie wieder gemeinsam trainieren und zu den Wettkämpfen fahren können. „Wir sind in der Verantwortung, dass das Virus nicht so doll weiter getragen und so schnell verbreitet wird. Und da sind die Entscheidungen nachvollziehbar“, meinte Anne Ganzer dazu.

Doch auch die Pferde freuen sich sicher wieder auf ihre menschlichen Partner, denn sie werden die lachenden, um sie herumwuselnden Kinder sicher auch vermissen.