Zerbst l Sport sorgt in verschiedenen Situationen für vielfältige Emotionen. Jeder Sportler ärgert sich über ein verlorenes Spiel oder einen verpatzten Lauf. Mit Stolz wird der Sieg über den aktuellen Tabellenführer der Kreisliga nach dem Abpfiff  mit Bier und Bratwurst gefeiert. Jeder, der über viele Jahre Sport treibt und als Zuschauer verfolgt, hat unzählige Siege und Niederlagen erlebt. Geschichten über diese Ereignisse können ganze Abende füllen. Denn jeder weiß etwas über sein schönstes oder traurigstes Spiel zu erzählen. Manchmal spielt dabei auch gar nicht einmal das Ergebnis eine Rolle. Mancher Sportler schaffte es nah an die Profikarriere heran, anderen gelang es als ambitionierte Freizeitkicker den FCM zu schlagen. Die Volksstimme hat mit Sportlern aus dem Bördekreis über ihr schönstes beziehungsweise emotionalstes Spiel, dass sie als Aktiver absolviert haben, gesprochen und wollte außerdem etwas zu ihrem Sport-Highlight in der Rolle des Zuschauers wissen.

Schönstes Erlebnis als Sportler

Ich bin für den TTC „Anhalt“ Zerbst im Tischtennis-Sport sehr aktiv. Neben meinen Einsätzen als Oberschiedsrichter von der Oberliga bis zur 2. Bundesliga in Berlin und Sachsen-Anhalt und anderen Funktionen deutschlandweit bleiben vor allem als Erinnerungen die Starts bei sechs Tischtennis-Senioren-Weltmeisterschaften in vier Erdteilen.

2008 war in Rio de Janeiro die erste Weltmeisterschaft für mich. Neben den zahlreichen touristischen Erinnerungen bleibt auch eine sportliche Rarität in Erinnerung. In der Vorrundengruppe ausgeschieden trat ich bei der Consolation (Trostrunde) an und gewann in der ersten Runde gegen den brasilianischen Rollstuhlfahrer Ecildo Oliveira mit 3:0 Sätzen.

Zwei Jahre später richtete China die Tischtennis-Senioren-WM aus. In der 1,5 Millionstadt Hohhot als Hauptstadt der Inneren Mongolei zwischen Peking und Ulan Bator waren die Asiaten klar in der Überzahl. Ich musste in meiner Vorrundengruppe gegen drei Gegner aus dem Reich der Mitte antreten und war dort der Exot.

2012 ging es nach Stockholm mit dem riesigen Globen als eine der schönsten Hallen der Welt. Dort Tischtennis gespielt zu haben, war toll. In Runde zwei der Consolation musste ich gegen meinen Doppelpartner Job Schulte aus Hamm (NRW) antreten und verlor knapp. Wir beiden Deutschen hatten bei unseren Matches in der schwedischen Hauptstadt einen indischen Schiedsrichter.

Die weiteste Reise führte mich 2014 nach Auckland, der größten Stadt Neuseelands. Insgesamt fünf Wochen Urlaub mit Vorreise in Singapur, Nord- und Südinsel Neuseeland sowie Nachreise im Osten und der Mitte Australiens bleiben mir in Erinnerung. In Auckland hatte ich in meiner Einzelgruppe den Neuseeländer John Lea als Gegner und gewann ganz klar. Mister Lea war einer der Cheforganisatoren dieser Tischtennis-Senioren-WM und schlug meist erfolglos die Rückhand beidarmig, was beim Tischtennis unüblich ist.

Weite Reisen zur WM

2016 war die spanische Mittelmeerstadt Alicante Austragungsort der Tischtennis-Senioren-WM. Mit über 4.500 Startern aus 80 Ländern aller fünf Erdteile war es eines der größten Indoor-Turniere. Dort hatte ich in meiner Gruppe Russel Stein als Gegner und unterlag klar mit 0:3 Sätzen. Der Australier trat dort und auch bei der nächsten WM ständig mit der Kippa auf dem Kopf, dem Zeichen jüdischen Glaubens, an.

Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada als Welthauptstadt des Entertainments war Gastgeber der bisher letzten WM. Die Amis wollten den Teilnehmerrekord steigern und hatten mit der Nordhalle des riesigen Convention Centers sehr viel Platz für fast 300 Tischtennis-Tische. Jedoch nur weniger als 4.000 Tischtennis-Senioren aus aller Welt reisten 2018 in die USA an. Bei der Consolation war Aleksandr Chaplin der Gegner für mich. Er gewann mit 3:1 Sätzen. Auf Nachfrage des Schiedsrichters Roland Koch aus Gommern bestätigte der Amerikaner, dass sein Großvater aus dem Familienclan vom berühmten Schauspieler aus dem letzten Jahrhundert stammt.

2020 wollte Bordeaux im Westen Frankreichs Gastgeber der Tischtennis-Senioren-WM sein, jedoch die Corona-Krise verhinderte dies. Diese Weltmeisterschaften wurden auf Ende April/Anfang Mai 2021 verschoben. Ob sie dann stattfinden, ist offen.

2022 will Muskat in Oman auf der Arabischen Halbinsel der nächste Ausrichter sein. Dies wäre ein schöner Abschluss der Tischtennis-Senioren-WM für mich.