Zerbst l Der 16-Jährige kam 2016 mit seiner Familie nach Deutschland. Zuerst war Zerbst ihre neue Heimat, jetzt wohnt die Familie im beschaulichen Nedlitz. Von dort fährt Szymon zur Schule in die Nuthestadt, zum wöchentlichen Training in die Sporthalle an der Zerbs- ter Fuhrstraße und nach Lindau. Ein großer Aufwand für den Schüler der Zerbster Sekundarschule.

Boom dieser Sportart in Polen

Im polnischen Sulechòw bei Zielona Gora geboren, hat Szymon bereits als Vierjähriger intensiv Sport getrieben. Er kam im Verein schon sehr früh mit dem Volleyball in Berührung, erlernte nach polnischer Volleyball-Schule das technische Grundgerüst. Das heißt, viele Wiederholungen in spielerischer Form. „Seit meinem vierten Lebensjahr ist Volleyball mein Wunschsport“, äußerte sich der Neuntklässler auf Nachfrage.

Natürlich beeinflusst vom Boom dieser Sportart in ganz Polen. Im Nachbarland sind bei Ligaspielen die Hallen voll (teilweise 10 000 Zuschauer und mehr). Im TV wird stundenlang übertragen, werden Vorbilder gemacht. Bekanntlich waren die polnischen Männer 2018 Weltmeister, sind für die kommenden Olympischen Spiele qualifiziert. Das beeindruckte auch Szymon, ließ bei ihm den Wunsch entstehen „Profi-Volleyballer“ zu werden.

Sein Herz schlägt für „die italienische Liga“. Regelmäßig verfolgt er die Liga, kennt dort Teams und einige Spieler. Bis man dort spielen kann, dass weiß der jetzige Nedlitzer, ist es, wenn überhaupt, noch ein ganz weiter Weg. Aber Jugendlichen sollte man Wünsche lassen und Träume gestatten.

Szymon hätte bereits im Trainingszentrum des PSV Dessau mittrainieren können. Doch die Fahrten in die Muldestadt und einige Startschwierigkeiten in der Schule sprachen und sprechen erst einmal dagegen.

Seit September ist Szymon Mitglied der SG 1990 Lindau. Er spielt parallel zum Jugendsechser bei den Lindauer Männern, mit denen er in diesem Jahr den Aufstieg in die Landesoberliga erkämpft hat. Dafür hat Szymon ein Sonderspielrecht mit Zustimmung der Eltern und ein ärztliches Attest.

TSV-Jugendtrainer Wolfgang Mamsch achtet darauf, dass das Nachwuchstalent nicht überfordert wird, dosiert in Absprache das Pensum für Szymon, gibt ihm die freie Entscheidung für die Teilnahme an den Übungsabenden am Donnerstag und Freitag.

Mit Lindauer Männern in die Landesoberliga

Am Montag trainiert Szymon aber gemeinsam mit seinem Jugendsechser, was ihm nach eigener Aussage viel Spaß macht.

„Szymon ist schon ein Talent. Er hat in Polen eine sehr gute Grundausbildung erhalten, das sieht man. Ihm fehlt natürlich noch die spielerische Erfahrung, vor allem im Männerbereich. Das ist doch noch eine andere Hausnummer“, meint Lindaus Abteilungsleiter Guido Müller.

Mehr Spielanteile in kommender Saison

In der kommenden Saison soll Szymon bei den Lindauern noch mehr Spielanteile erhalten. Darüber haben sich alle Verantwortlichen bereits Gedanken gemacht. „Nur durch viele Spielanteile und spielerische Verantwortung kann er sich weiter entwickeln“, so Müller.

In Zerbst und Lindau glaubt man an Szymon, sieht aber immer die sportliche und schulische Entwicklung als Einheit. Denn fest steht: Nur die wenigsten Volleyballer auf der Welt können von ihrem Sport lange und gut leben.