Von Daniel Hübner

Magdeburg. Eine Mannschaft, die auch ohne Kufen, Skiern, Stöcken und Gewehr in einem Land des Wintersports unter die besten fünf Teams des Sportjahres 2010 gewählt wird, muss Herausragendes geleistet haben. In Österreich haben sie zu ihren Handballern eine feine, positiv realistische Einstellung gefunden: Kein Titel war für diese Wahl nötig, Platz neun bei der heimischen EM im vergangenen Januar hat allemal gereicht, um Sportgeschichte zu schreiben. Die Geschichte fand mit der Qualifikation zur WM 2011 in Schweden, der ersten seit 18 Jahren, ihre Fortsetzung. Erheblichen Anteil an diesen Erfolg hatte Dagur Sigurdsson, der Coach, der nun den deutschen Bundesligisten Füchse Berlin trainiert. Sigurdsson führte die Generation Robert Weber zu neuen Erfolgen – und ein ganzes Land in einen großen Handball-Boom.

Für Weber bricht heute eine neue Herausforderung an. Der Rechtsaußen vom SC Magdeburg tritt mit seinem Nationalteam in Göppingen gegen Deutschland an (18.15 Uhr/Sport1). Es ist der Auftakt zur EM-Quali für Serbien 2012. Und es ist die Herausforderung, die Leistungen der jüngsten Vergangenheit zu bestätigen. "Das wird für uns eine sehr schwere Woche", weiß der 24-Jährige – erst in Deutschland, am Samstag gegen Island. Der dritte Gruppengegner heißt Lettland.

Weber versucht, den realistischen Blick zu wahren. Er denkt, dass die Erwartungen in der Alpenrepublik gar nicht zu hoch sein werden. Auf der Internetseite des österreichischen Verbandes haben sie den folgenden Duellen Titel gegeben: Ein "Nichts ist unmöglich" gegen Deutschland und "Ein beinhartes Duell" gegen Island. Da geht Weber mit. "Wir können überraschen", sagt der mit 60 Toren derzeit beste Magdeburger Schütze.

Die Voraussetzungen sind zum einen schwierig, denn der neue Trainer Magnus Andersson hat am Sonntag beim Kurzlehrgang des Teams die erste Trainingseinheit überhaupt geleitet. "Wir werden taktisch gar nichts verändern, denn wir haben auch nicht viel Zeit für Veränderungen", weiß Weber. Die Voraussetzungen sind zum anderen gut, weil sich der Kader nach den erfolgreichen Monaten nicht verändert hat, die Akteure sind Mitte 20, ihre Erfahrung ist groß, ihr Zusammenspiel routiniert.

Wenn einige wie Weber ihre Euphorie aus dem Vereins-Alltag in die Partien der Nationalmannschaft mitnehmen können, muss sich der Schwede Andersson eigentlich keine Sorgen machen. "Ich habe so viel Lust auf Handball wie schon lange nicht mehr, es ist Motivation pur", erklärt Weber seinen emotionalen Zustand nach den ersten acht Spielen in der Bundesliga. Platz sieben belegt der SCM derzeit. Und Weber ist längst Nutznießer und Torgarant in einer Person im kompakten und stabilen System von Trainer Frank Carstens. "Wenn es im Verein so gut läuft", sagt er, "hofft man das Gleiche für die Nationalmannschaft."