Hamburg (dpa). Beinahe hätte es das Dach der O2-Arena abgehoben. In einem Urschrei unbändiger Freude entluden sich die Gefühle der Hamburger Anhänger nach dem beinahe historischen Sieg über Handball-Meister THW Kiel. 26:25 prangte auf dem Anzeige-Würfel, aber so recht glauben wollten es die 13 296 Zuschauer nach Minuten der Besinnung noch immer nicht. "Das war wie eine innere Explosion", beschrieb HSV-Rechtsaußen Stefan Schröder die Sekunden der Ekstase. Es wurde gesungen, getanzt und gestampft, dass die Halle bebte. Die höchsten Sprünge machte Hamburgs Trainer Martin Schwalb.

Siebeneinhalb Jahre hatten die Fans des HSV Hamburg gedarbt, um diesen Augenblick genießen zu können. Zu übermächtig, zu routiniert, selbstbewusst und nervenstark war Rekordmeister THW Kiel bislang in der Höhle des Löwen gewesen. Diesmal erwies sich der HSV als ebenbürtig, nachdem er bei einem Rückstand von vier Toren schon geschlagen schien. "Ich will nicht von Trauma sprechen, aber es war zumindest ein Befreiungsschlag", so Schröder.

Von Wachablösung trauten sich die Hanseaten jedoch nicht zu sprechen. Kiel hat bereits 16 Meistertitel, Hamburg noch keinen. "Das war eine Etappe, aber wir müssen noch nach Kiel", mahnte Schwalb, der zuvor Torwart Johannes Bitter zum "kleinen Helden" geschlagen hatte. Zwar steht der HSV auf Rang eins, der Vorsprung auf Kiel beträgt zwei Punkte, stolpern können die Liga-Giganten aber auch völlig überraschend bei einem Kleinen.

Bei den Kielern regierte zwar Enttäuschung, aber keineswegs Entmutigung. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft", erklärte THW-Coach Alfred Gislason. Immerhin fehlten die Top-Spieler Kim Andersson, Daniel Narcisse und vor allem der Linkshänder Christian Zeitz. "In dieser Konstellation haben wir unglaublich guten Handball geboten", befand Rückraum-Kanonier Filip Jicha. "Mit unserem Linkshänder wäre das ein anderes Spiel geworden. Wenn wir so weiterspielen, müssen wir uns keine Gedanken machen." Dann richtete er einen Gruß an die Hamburger: "Abgerechnet wird zum Schluss."