Die deutschen Athleten feiern auch im Sportjahr 2010 große Erfolge, bejubeln dutzende Medaillen – und ganz Deutschland freut sich mit dem jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte. In der Wüste von Abu Dhabi bleibt Sebastian Vettel beim heißen Finale eiskalt und macht die Sensation perfekt: Zweiter deutscher Champion in der Königsklasse nach Michael Schumacher – aber mit 23 Jahren und 134 Tagen der jüngste. Die Wintersportasse schlagen sich in Vancouver und Whistler mit Bravour. 30 Olympia-Medaillen, goldene Zeiten: Gleich zehnmal erklingt die deutsche Hymne.

Berlin (dpa). Deutschlands beste Fußballer spielen sich bei der WM in Südafrika in einen wahren Rausch – und in die Herzen aller Fans. Und das auch ohne ihren verletzten "Capitano" Michael Ballack. Doch für Antreiber Bastian Schweinsteiger, Kapitän Philipp Lahm, Senkrechtstarter Thomas Müller und Co. platzt der Traum vom vierten Titel im Halbfinale: Nach dem 0:1 gegen den späteren Weltmeister Spanien in Durban mobilisiert die Boy-Group von Bundestrainer Joachim Löw noch einmal alle Kräfte. Der 3:2-Sieg im "kleinen Finale" gegen Uruguay krönt den tollen Auftritt des jüngsten deutschen WM-Teams.

Platz drei – wie beim Sommermärchen 2006 in der Heimat – ist aller Ehren wert. Das 4:1 gegen England und 4:0 gegen Argentinien sind Sternstunden für die DFB-Auswahl – und es "müllert" wieder einmal mächtig: Thomas Müller wird zum besten Jungprofi gekürt und auch Torschützenkönig der WM-Endrunde. Mit fünf Treffern und drei Vorlagen folgt der 20-Jährige den Spuren seines berühmten Namensvetters Gerd. "Es war wichtig für uns, für das Land und den Gesamteindruck, dass wir heute gewonnen haben", meint Müller nach seiner WM-Premiere.

Spaniens Ballzauberer verzücken die Fans mit traumhaften Kombinationen und tollen Toren – der Europameister holt sich zu Recht seinen ersten WM-Titel. Das 1:0 gegen hart einsteigende Niederländer ist auch verdient, Andres Iniesta entscheidet das Finale in der 116. Minute für die Auswahl von Trainer Vicente del Bosque.

Sonntag, 14. November. Abu Dhabi, Yas Marina Circuit. Um 15.43 Uhr läuft in Deutschland die Eilmeldung über die Ticker: Vettel Weltmeister! Im 19. und letzten Rennen holt der Heppenheimer Red-Bull-Pilot 15 Punkte Rückstand auf Ferrari-Star Fernando Alonso auf. Im Ziel hat der junge Deutsche vier Punkte Vorsprung auf den Spanier. "Ich kann noch nicht glauben, dass dies passiert ist", meint Vettel. WM-Dritter wird Vettels australischer Teamkollege Mark Webber. Rekord-Weltmeister Michael Schumacher beendet seine Comeback-Saison im Mercedes als Neunter – zwei Ränge und 70 Punkte hinter seinem jüngeren deutschen Kollegen Nico Rosberg.

Nicht nur auf Asphalt, auch auf Eis und Schnee glänzen deutsche Asse. Der Schlager "Es war Winter in Kanada" wird für viele zum Olympia-Hit. "Hut ab, Chapeau! Es ist ein fantastisches Ergebnis gegen eine viel stärkere Konkurrenz", bilanziert Chef de Mission Bernhard Schwank nach den XXI. Winterspielen. Vor allem die Frauen trumpfen auf: 19 der 30 deutschen Medaillen gehen auf ihr Konto, und zudem gewinnen sie acht der zehn Goldstücke. Deutschland (10 Gold/13 Silber/7 Bronze) erobert Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Gastgeber Kanada (26-14/7/5).

Die mit zweimal Gold dekorierte Biathletin Magdalena Neuner darf bei der Schlussfeier die deutsche Fahne tragen. Mit Slalom- und Kombinations-Gold wird auch Maria Riesch als strahlende Doppelsiegerin gefeiert. Trotz eines spektakulären Sturzes im Halbfinale der Teamverfolgung gewinnt Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma ihre fünfte Olympia-Medaille. Für Bob-Pilot André Lange erfüllt sich bei seiner letzten Dienstfahrt die Hoffnung auf das fünfte Gold nicht. Der Oberhofer muss den Olympiasieg im Viererbob dem US-Amerikaner Steven Holcomb überlassen.

Madrid, Bernabeu-Stadion: Der Traum vom Triple platzt für den FC Bayern am 22. Mai um 22.36 Uhr. Diego Milito zerstört beim 2:0 für Inter Mailand mit seinen zwei Treffern im Finale der Champions League die Hoffnungen auf den dritten Titel. Eine Woche zuvor hatten die Münchner das achte Double ihrer Vereinsgeschichte perfektgemacht. Mit 4:0 wird Werder Bremen im Pokalfinale abgefertigt. Atlético Madrid krönt eine historische Saison und gewinnt die erste Auflage der neuen Europa League (Nachfolger des UEFA-Cups). Diego Forlan ist der gefeierte Matchwinner beim 2:1 gegen den FC Fulham.

Ende Juli stürmen die deutschen Leichtathletik-Asse den Montjuic von Barcelona. Am Schlusstag der EM glückt Christian Reif der Gold-Sprung, Diskus-Weltmeister Robert Harting und die Frauen-Staffel über 4x400 m erobern Silber, Hochspringerin Ariane Friedrich holt Bronze vom Abendhimmel. Der Deutsche Leichtathletik-Verband feiert die Traumbilanz von 16 Medaillen (4 Gold/6 Silber/6 Bronze). Mehr Edelmetall (19) gab es für den DLV letztmals bei der Heim-EM 2002 in München.

Mit fünfmal Gold retten die "tollkühnen Springer" das deutsche Ergebnis bei der Schwimm-EM in Budapest. Patrick Hausding und Sascha Klein holten jeweils Doppel-Gold, Hausding als erster überhaupt fünf Medaillen in einem Wettkampf. Etwas hinter den Erwartungen zurück bleiben die Schwimmer: Gold im 50-Meter-Becken gewinnen nur Paul Biedermann (200 Meter Freistil) und die Freistilstaffel der Frauen. Insgesamt holt das DSV-Team 20 Medaillen (8-9-3) – und bleibt damit nur eine Plakette unter dem Soll.

Zu früh gejubelt? Radprofi Alberto Contador gewinnt Ende Juli zum dritten Mal nach 2007 und 2009 die Tour de France. Doch wenige Wochen später wird der Spanier positiv getestet: Clenbuterol. Contador weist alle Doping-Vorwürfe zurück. Das auch in der Kälbermast eingesetzte Mittel sei durch verunreinigtes Rindfleisch in seinen Körper gelangt. Der Niedergang des deutschen Profi-Radsports setzt sich derweil fort: Nach dem Aus des Milram-Teams rollt im kommenden Jahr kein deutscher Rennstall der höchsten Kategorie im bunten Peleton mehr mit.

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