Kein Sieg, keine Tore, keine Stimmung – und dennoch schwärmte Joachim Löw in den höchsten Tönen. Kein kritisches Wort kam dem Bundestrainer nach der tristen Nullnummer in Schweden über die Lippen, die allenfalls den vier Länderspiel-Neulingen als ein Höhepunkt ihrer Karriere im Gedächtnis haften bleiben wird. Für Löw zählte nach dem frostigen Jahresausklang in Göteborg allein der Gesamteindruck 2010 – und dafür vergab er eine Eins mit Sternchen.

Göteborg (dpa). Zwölf Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen, WM-Dritter und souveräner Tabellenführer in der Qualifikation für die EM 2012 – es stimmt in Löws Fußball-Reich.

"Wir haben mit dieser jungen Mannschaft sehr, sehr gute Perspektiven", betonte der Bundestrainer, bevor er sich gestern in Frankfurt am Main in eine 84 Tage lange Winterpause bis zum Auftaktspiel 2011 am 9. Februar in Dortmund gegen Italien verabschieden durfte. "Uns braucht um die Zukunft nicht bange zu sein", ergänzte Sami Khedira, der als einziger Akteur in 16 der insgesamt 17 Partien dabei war.

Der Gähn-Kick bei Minusgraden im mit 21 959 Zuschauern nur spärlich besetzten Ullevi-Stadion hatte für Löw den Zweck erfüllt. Das Ergebnis war für ihn "zweitrangig" gewesen, "mit dem Engagement, der Einstellung und den jungen Spielern war ich absolut zufrieden".

Auch die Schweden wollten ohne ihren geschonten Top-Star Zlatan Ibrahimovic vor allem nicht gegen "die drittbeste Mannschaft der Welt" verlieren, wie Trainer Erik Hamrén einräumte. "Es war ein bisschen wie Handball oder Eishockey", stöhnte der einmal mehr im Nationalteam glücklose Angreifer Mario Gomez. Der katastrophale Platz ließ gepflegte Flachpasskombinationen zudem kaum zu. "Mir war nach einigen Minuten klar, dass in diesem Spiel nicht viele Tore fallen werden", bemerkte Löw. Khedira forderte mildernde Umstände: "Zum Jahresabschluss muss man sich auch mal damit zufriedengeben."

2011 wollen einige "Alte" nach Verletzungen neu angreifen - wie WM-Stammkraft Arne Friedrich oder die Leverkusener Simon Rolfes und Veteran Michael Ballack. Löw hat seinen 34 Jahre alten Kapitän nicht abgeschrieben im Hinblick auf die EM 2012. "Michael Ballack traue ich schon zu, dass er zurückkommt", sagte Löw zur brisanten Personalie: "Ich weiß, dass er unheimlich ehrgeizig ist und vehement auf sein Comeback drängt. Er ist in der Lage, das zu schaffen."

Aber Hierarchie, Spielweise und Marschrichtung haben sich verändert. Philipp Lahm hat sich erst einmal die Kapitänsbinde geschnappt, Schweinsteiger und Khedira besetzen Ballacks Reich im zentralen defensiven Mittelfeld. "Sie haben das glänzend gemacht bei der WM und auch danach", bekräftigte der Bundestrainer in Göteborg.

Schweden: Isaksson (Eindhoven/29 Jahre/80 Länderspiele) – Lustig (Trondheim/23/12 – 69. Safari/Basel/25/20), Granqvist (Groningen/25/9), Majstorovic (Celtic Glasgow/33/39), Wendt (FC Kopenhagen/25/12) – Svensson (Boras/34/111), Källström (Lyon/30/78 – 88. Gerndt/Helsingborg/24/1) – Larsson (Birmingham/25/27), Wernbloom (Alkmaar/24/12 – 76. Elm/Alkmaar/22/13), Wilhelmsson (Riad /30/64) – Toivonen (Eindhoven/24/12 – 69. Berg/Eindhoven/24/18)

Deutschland: Adler (Leverkusen/25/10) – Boateng (Manchester City/22/12 – 46. Beck/Hoffenheim/23/9), Westermann (HSV/27/24), Hummels (Dortmund/21/2), Schmelzer (Dortmund/22/1) – Khedira (Real Madrid/23/17 – 60. Kroos/Bayern/20/13), Schweinsteiger (Bayern/26/84 – 60. Cacau/Stuttgart/29/17) – Großkreutz (Dortmund/22/2 – 78. Götze/Dortmund/18/1), Holtby (Mainz/20/1 – 78. Schürrle/Mainz /20/1), Marin (Bremen/21/16 – 60. Träsch/Stuttgart/23/5) – Gomez (Bayern/25/41).

Schiedsrichter: Velasco (Spanien). Zuschauer: 21 959