Magdeburg l Das hat Rob Muffels nun davon: Er ist in den letzten Tagen über die sozialen Netzwerke öfter aufgefordert worden, "mal den Harting zu machen". Den Robert Harting hatte er bereits nach seinem Silbergewinn über die fünf Kilometer am vergangenen Sonnabend gegeben, als er sich - verteufelt ähnlich dem 2,01 Meter großen Diskus-Hünen bei dessen Olympiasieg 2012 - den Schwimm-Anzug vom Leibe riss.

Aber am Donnerstag fehlte dem Athleten vom SC Magdeburg für "den Harting" das Textil - oder vielleicht auch der Mut. "Ich bin ja diesmal nur in einer Badehose geschwommen", sagte Muffels der Volksstimme nach dem Teamrennen über fünf Kilometer mit einem Lachen.

Muffels reift zum Elite-Schwimmer

Der Mut war allerdings groß genug, um erst den Wettbewerb mit Isabelle Härle (Essen) und Christian Reichert (Wiesbaden) in 55:14,4 Minuten und mit 16,8 Sekunden Vorsprung auf die beiden zeitgleichen Teams aus Brasilien und den Niederlanden zu gewinnen und dann die Hymne zu singen auf dem obersten Podest vor der blauen WM-Wand in Kasan (Russland). Kein Problem für Muffels: "Ich hatte den Text noch aus Jugendzeiten im Hinterkopf."

Muffels ist im September 2012 nach Magdeburg gekommen, im Schlepptau von Trainer Bernd Berkhahn, der ihn bis dahin bereits zu vier Titeln bei Junioren-Europameisterschaften geführt hatte. Innerhalb der fünf Tage von Kasan ist er endgültig zum Elite-Schwimmer gereift. Am Ende störte es auch nicht, dass die ihm oft nachgesagte Konzentrationsschwäche wohl den Einzeltitel über fünf Kilometer kostete, weil er erst auf der letzten Bahn die Orientierung etwas verloren und dann den Anschlag etwas versemmelt hatte.

Silber, sein erstes bei seiner zweiten WM nach Barcelona 2013, war trotzdem ein großartiger Erfolg, dem er nun sein erstes Gold folgen ließ. Und das mit 20 Jahren. Das hat selbst der im Mai zurückgetretene Rekordweltmeister Thomas Lurz (zwölf Titel) nicht geschafft. Lurz war 24 Jahre, als er 2004 bei der WM in Dubai seinen ersten Titel gewann.

Muffels, der WM-Riese

Muffels freute sich jedenfalls über seine Bilanz: "Beide Medaillen sind super, die WM hätte nicht besser laufen können." Auch nicht für den Deutschen Schwimmverband (DSV), der im Freiwasser mit Gold, Silber und Bronze (durch Finnia Wunram vom SCM über fünf Kilometer) sein Ziel mehr als erfüllte - dank der Magdeburger und noch vor dem 25-Kilometer-Rennen, das morgen den Abschluss im Wolga-Nebenfluss Kasanka bildet.

Reichert, Härle und Muffels waren als zehntes der 22 Teams gestartet. Im 30-Sekunden-Abstand hatten sich die Nationen in die Fluten der Kasanka gestürzt. Das DSV-Trio schwamm die schnellste erste Runde, hatte einen Vorsprung von 30 Sekunden auf die Konkurrenz. "Christian hat das Tempo sehr gut gemacht, ich habe mit \\\'Isi\\\' sehr gut harmoniert", so Muffels, der Härle mitzog. Auf der zweiten Runde verlor das Team nur knapp die Hälfte der Zeit auf Brasilien. Reichert und Härle haben damit ihren Titel aus Barcelona verteidigt. "Die Drei haben einen Riesenjob gemacht", lobte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz.

Und deshalb "werden wir in einem kleinen Rahmen feiern mit einem Glas Champagner", blickte Muffels auf den Abend voraus. Und wenn er zurück ist von der WM, "werden die Medaillen einen Ehrenplatz bekommen", versprach der gebürtige Elmshorner, der im Porträt auf der DSV-Homepage mit 1,87 Metern Körpergröße angegeben wird. Bei der WM allerdings war er ein Riese. Und zumindest in den Tagen von Kasan größer als "der Harting".