Marktheidenfeld (dpa). Sieben Jahre konnte Roland Matthes über die Rückenstrecken keiner das Wasser reichen – von 1967 bis 1974 schlug er immer als Erster an und erzielte 21 Weltrekorde. Heute, da er seinen 60. Geburtstag feiert, hat der einstige Schwimm-Ästhet mit seinem Sport abgeschlossen. "Ich halte mich mit Joggen und dem Mountainbike fit", sagt Matthes. Im thüringischen Pößneck geboren, arbeitet er heute als Orthopäde im unterfränkischen Marktheidenfeld.

Die Sport-Karriere des viermaligen Olympiasiegers und dreimaligen Weltmeisters begann eher unfreiwillig. Als der kleine Roland einmal in einen Teich sprang und nicht schwimmen konnte, wurde er von seinem Bruder und Freunden wieder herausgeholt. Trotzdem kam er zum Schwimmen, "weil es da immer eine warme Dusche gab", berichtet er von damals ärmlichen Verhältnissen.

"Ich wurde als hoffnungsloser Fall betrachtet", erinnert sich Matthes. Seine langjährige Trainerin Marlies Grohe sprach jedoch ein Machtwort und erkannte: "Das ungehobelte Stück Holz muss geschnitzt werden." Es war der Beginn einer großen Karriere, in der Matthes mit Attributen wie "Tragflächenboot" und "Rolls Royce im Wasser" verglichen wurde. "Vielleicht lag es auch an meinen großen Ohren", kommentiert er lachend.

Für Aufsehen sorgte 1978 die Heirat mit Kornelia Ender, dem zweiten großen DDR-Aushängeschild der damaligen Zeit. Als die Ehe vier Jahre später geschieden wurde, fiel er bei den sportlichen und politischen Granden in Ungnade. Kurz nach dem Mauerfall ging er in den Westen. Über Kaiserslautern kam er nach Tauberbischofsheim zur Fechttrainer-Legende Emil Beck, kümmerte sich um physiologische Trainingssteuerung.

1998 kehrte er für drei Jahre als TV-Experte beim ZDF an den Beckenrand zurück und hielt auch hier mit seiner Meinung nicht hinter den Berg. Eines hat er aber nie gemacht: mit der DDR und deren System abgerechnet. "Nicht alles ist mit Doping zustande gekommen. Außerdem wurde vermutlich auch im Westen gedopt", sagte Matthes 2008 in einem Interview.

Er selbst habe mit Doping nichts zu tun gehabt: "Ich hatte das Glück, in einem kleinen Zivilclub bei Erfurt zu sein und nicht in einem der Polizei- oder Militärvereine, wo man mit Doping in Berührung kam." Nach Platz drei bei Olympia 1976 über 100 Meter Rücken stieg Matthes 26-jährig als "Schwimm-Methusalem" aus dem Becken.