Kanu

Auch die letzte Hoffnung der SCM-Paddler verpasst Olympia

Für Michael Müller vom SC Magdeburg kommt beim Weltcup in Szeged das Tokio-Aus. Damit verpassen erneut alle Paddler der Grün-Roten die Olympischen Spiele.

Von Daniel Hübner
Conrad Scheibner und Michael Müller (r.) registrieren ihr Olympia-Aus beim Weltcup in Szeged.
Conrad Scheibner und Michael Müller (r.) registrieren ihr Olympia-Aus beim Weltcup in Szeged. Foto: imago images

Szeged/Magdeburg. Für einen Moment senkte Michael Müller seinen Oberkörper enttäuscht zum Wasser, das Paddel hielt er noch fest in beiden Händen, das Herz pumpte kräftig, der Körper zitterte vor Schmerz, der Kopf stellte die Gedanken auf leer. Ganz nüchtern betrachtet ereilte den Kanuten vom SC Magdeburg beim Weltcup in Szeged (Ungarn) das Olympia-Aus. Ganz emotional betrachtet fasste sein Heimtrainer Detlef Hummelt diese Tatsache so zusammen: „Das ist unfassbar.“

Der 65-Jährige zog damit nicht das Fazit einer äußerst bedenklichen Gesamtkonstellation bei diesem Wettbewerb, sondern ausschließlich zur Leistung im Halbfinale am Sonnabend. Sein Schützling und der Berliner Conrad Scheibner kämpften im Zweier-Canadier über 1000 Meter bis zum letzten Viertel der Distanz aussichtsreich um den Einzug in den Endlauf. „Aber wie sie sich dann haben abfangen lassen, ohne Gegenwehr – das war einfach nur eine enttäuschende Leistung“, resümierte Hummelt. Im Finale wären Müller/Scheibner auf Sebastian Brendel/Tim Hecker (Potsdam/Berlin) getroffen, und beide Boote des Deutschen Kanuverbandes (DKV) hätten ihren internen Sieger im Kampf um den Start bei den Olympischen Spielen in Tokio ermittelt.

Scheibner im Einer stark

Letztlich aber gewannen Müller/Scheibner am Sonntag nur das B-Finale in starken 3:40,12 Minuten, Brendel/Hecker setzten sich kurz darauf im Endlauf durch – und waren dabei acht Sekunden langsamer als die deutschen Konkurrenten. Für den 28-jährigen Müller fiel das nicht mehr ins Gewicht. Er sagte schon nach dem Halbfinale: „Der Traum von Olympia war da, wir hatten die Chance, die Spiele zu erreichen. Aber letztlich waren die anderen besser.“ Waren sie das?

Nach diesem Weltcup wird das keiner mit absoluter Sicherheit mehr sagen können. Fakt ist: Während Brendel/Hecker nur zwei Rennen bestritten, waren es allein für Scheibner fünf Läufe. Der Berliner war vom DKV zusätzlich im Einer-Canadier über die olympischen 1000 Meter eingesetzt worden. Er hatte sich ins Finale gekämpft, war dort am Sonnabend in ganz großer Manier zum Weltcup-Sieg gefahren – 3:45 Stunden vor dem Halbfinale im C2. Dass selbst ein 25-Jähriger wie der großartige Scheibner kaum Kraft für zwei derart wichtige Rennen in kurzer Zeit haben könnte, dürfte auch jedem DKV-Trainer bewusst gewesen sein.

Fazit: Szeged bot Müller eigentlich keine faire Chance auf den Olympia-Start. Wenngleich Müller mit diesem Gedanken diplomatischer umgeht: „Was heißt keine faire Chance ...“, sinnierte er. „Wir hatten die Chance, uns zu zeigen, aber es hat leider nicht gereicht.“ So konnte auch der letzte Grün-Rote mit der Chance auf Tokio das Ticket nicht lösen. Wie schon 2016 fährt kein SCM-Paddler zu den Sommerspielen. „Das ist traurig für die Magdeburger“, betonte Hummelt, der seinem Schützling bereits am Sonnabend schrieb: „Das Leben geht weiter.“ Das sportliche im September in Kopenhagen bei der Weltmeisterschaft.