Gehört Ihr Auftritt am Mittwoch in Magdeburg zur Verarbeitung der Vorgänge von damals?

Robert Hoyzer: Gute Frage. Nein, ich denke, ich bin aus dem Prozess der Aufarbeitung heraus. Es hat lange gebraucht, aber ich glaube, ich habe damit abgeschlossen.

Warum dann Magdeburg?

Ich habe im Jahr immer noch etwa 50 Medien-Anfragen, die reichen von der Teilnahme am Dschungelcamp bis hin zur Fankultur in Magdeburg. In der Regel fahre ich sehr gut damit, solche Anfragen vollständig abzulehnen und meinem gewöhnlichen Lebensweg treu zu bleiben. Hier in Magdeburg haben mir die Gespräche im Vorfeld sehr gut gefallen, die Verantwortlichen im Fanprojekt wirken sehr engagiert.

Wie werden Sie sich mit dem Abstand von mehr als zehn Jahren präsentieren: Opfer oder Täter, Verführter oder Krimineller?

Beides trifft nicht zu. Es gehören wie so oft immer zwei Seiten dazu. Und das war hier meiner Meinung nach genauso, deshalb war es sicher nicht allein Verführung. Ich war damals 23 Jahre, habe vieles sicherlich unterschätzt und mich überschätzt, was ich heute mit 37 nicht mehr machen würde. Aber am Ende des Tages ist man immer für sich selbst verantwortlich und muss dafür geradestehen, was man tut. Diese Verantwortung kann ich nicht wegschieben. Kriminell hat für mich eher etwas langfristiges oder regelmäßiges. Oder eine Tat, die sich wiederholt. Das war es auch nicht.

Obwohl Sie vom Fußball geächtet und ausgeschlossen wurden, arbeiten Sie längst wieder im Fußball. War die Rückkehr zwangsläufig?

Die schlimmste Zeit für mich war die ganz ohne Fußball, weil alles so unwiederbringlich wirkte. Es war aber auch nie mein Plan, hauptberuflich in den Fußball zurückzukehren. Ich war zehn Jahre im Vertrieb einer Software-Firma unterwegs, habe parallel mein Fernstudium beendet und war erfüllt – auch ohne den „ganz großen“ Fußball. Selbst gespielt hatte ich ja auch nochmal – zweieinhalb Jahre in der Berliner Landesliga. Das hat mir auch sehr geholfen, eine gewisse Normalität in mein Leben zu bekommen. Dass Fußball mal mein Job werden sollte, war nicht abzusehen. Ich hätte mir sicher auch einen leichteren Weg suchen können.

Wann gibt es das Buch „Robert Hoyzer – meine Geschichte“?

Gar nicht. Es wird von mir keine Überraschungen und Fortsetzungen geben. Ich habe null Ambitionen, mich mit dem Thema zu profilieren oder irgendwas zurechtzubiegen. Ich muss mich für den Vortrag in Magdeburg auch tatsächlich erst wieder in die Vorgänge reindenken.

Hat sich Ihre Perspektive auf die Schiedsrichter verändert?

Ja, komplett. Heute gucke ich ausschließlich Fußball aus der Perspektive von Viktoria. Das war früher schon anders. Ich habe zu den Schiedsrichtern ein sehr neutrales Verhältnis gewonnen.

Hat sich Ihre Perspektive auf die Schiedsrichter verändert?

Nein.

 

Die Veranstaltung im Fanprojekt (Klaus-Miesner-Platz 4) beginnt um 19 Uhr. Eintritt ist frei.