Magdeburg l Wenn Heinz Baltus über den ersten Renntag im Herrenkrug am Freitag spricht, dann herrscht da immer noch für einen kurzen Moment Fassungslosigkeit. „Das klingt eigentlich wie ein Witz“, sagt der Präsident des Renn-Vereins Magdeburg. Denn die neue Saison hätte ja mit dem Aufgalopp am 25. April beginnen sollen. Jetzt fällt der Startschuss also im Juli. Und das ist nicht nur eine Folge der Corona-Pandemie. Auch der Rennkalender wurde mehrmals modifiziert – etwas, das Baltus „außerordentlich geärgert“ hat.

„Unsere Termine wurden kommentarlos gestrichen“, erzählt er und hat dabei die ins Wasser gefallenen Renntage im Mai und Juni im Blick. Da der Rennsport von den Umsätzen lebt und in Corona-Zeiten die Außenwetten – also jene, die nicht auf dem Renngelände selbst getätigt werden –, eine noch wichtigere Rolle einnehmen, beschloss der Verband, dass nur eine Veranstaltung pro Tag stattfinden soll.

Ärger über Rennkalender

„Die großen Vereine veranstalten jetzt am Samstag und Sonntag. Den kleinen bleibt nur der Freitag – oder die Option, gar nicht zu veranstalten“, beklagt er. Da sei die Lust manchmal gar nicht mehr groß gewesen, diesen Job zu machen. Ganz vergangen ist sie ihm aber nicht. Dafür gibt er sein Herzblut schon zu lange für den Verein hin. Dementsprechend stolz ist er auch, wenn er über den bevorstehenden Renntag spricht, den er und seine Mitstreiter organisiert haben.

„Unser Gelände ist in einem tollen Zustand, gut gepflegt“, zählt Baltus die positiven Nachrichten auf, „von unseren Sponsoren ist nicht einer abgesprungen und es dürfen aufgrund der Lockerungen 1000 Zuschauer dabei sein.“

Bisher 500 Eintrittskarten verkauft

Neben den Gästen im VIP-Zelt sind also zirka 700 Besucher an der Bahn zugelassen. Jeder Gast musste sich im Vorfeld schriftlich registrieren lassen. Damit im Eingangsbereich kein Gedränge entsteht, wurden die Eintrittskarten postalisch auf den Weg gebracht. „Um die 500 Tickets haben wir bislang verkauft“, informiert der Marketingverantwortliche Jens Hitzeroth. Kurzentschlossene, die am Freitagnachmittag (Einlass 14 Uhr, Rennbeginn 15.30 Uhr) noch schnell im Herrenkrug vorbeischauen wollen, sollten davon absehen. „Offiziell gibt es keine Kasse“, sagt Hitzeroth.

Sprich: Am Mittwoch oder Donnerstag sollten die Karten-Bestellungen spätestens auf den Weg gebracht werden.

Rekord-Renntag mit zehn Rennen

Dann allerdings steht den Zuschauern ein relativ normaler Renntag – es wird auf dem Gelände größtenteils keine Maskenpflicht geben, auch Catering-Angebote sind vorgesehen – mit mehreren Premieren bevor. Eine davon ist der schiere Umfang. Zehn Rennen mit 120 Pferden gehen über die Bühne. „Rekord“, wie es vom Renn-Verein heißt.

Diesen macht auch die Startmaschine, die endlich eingeweiht wird, möglich. So können jetzt nämlich bis zu 15 Pferde anstatt zwölf ins Rennen gehen. „Die Maschine hat 100 000 Euro gekostet“, erzählt Baltus, eine Prüfungskommission habe sie vor wenigen Tagen abgenommen. Und sie bringt einige Vorteile mit: „Von der Polsterung her ist sie tierfreundlicher, sie hat eine Servolenkung“, zählt Hitzeroth beispielhaft auf. „Das macht für die Start-Mannschaft sowie für Pferd und Reiter vieles einfacher.“

Saison-Ende schon im September

Wer in diesem Jahr einen Renntag miterleben will, hat übrigens nur noch eine weitere Chance. Sofern eine zweite Corona-Welle ausbleibt, wird der Renn-Verein nämlich nur am 12. September noch einmal zum Renntag laden. Das war es dann aber auch. „Wir werden nicht im Herbst und Winter veranstalten, wenn die anderen keine Lust mehr haben“, betont Baltus.