Schwimmen

German Open: Olympia-Generalprobe für Franziska Hentke vom SCM

Franziska Hentke ist für die Sommerspiele in Tokio gesetzt. Die Schwimmerin vom SC Magdeburg fühlt sich auch auf dem Weg zur Form ihres Lebens. Nur die Ergebnisse stimmen nicht. Ihr Trainer bittet sie um Geduld.

Von Daniel Hübner

Magdeburg. Franziska Hentke hat zuletzt in Spanien reichlich Erfahrung mit dem Corona-Test gesammelt. Jeden vierten Tag wurde die Schwimmerin vom SC Magdeburg im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien) auf das Virus geprüft. Stäbchen in die Nase, Stäbchen in den Rachen. Hoffnung auf ein negatives Ergebnis. Und nach diesem hat sie weiter und weiter ihren zweiten Olympischen Spielen entgegentrainiert, denn für das Ringespektakel in Tokio (23. Juli bis 8. August) ist der „Schmetterling“ der Grün-Roten bereits gesetzt. Sie sagt: „Keinen Druck zu haben, eine Norm schwimmen zu müssen, hat natürlich einiges einfacher gemacht und mehr Ruhe in die Vorbereitung gebracht.“ Trotzdem will Hentke natürlich schnell sein in einem Wettkampf, so schnell wie im Training. Oder noch schneller. Darauf hat sie in den vergangenen Monaten hingearbeitet. Sehr gut sogar, sagt sie, sagt ihr Trainer Bernd Berkhahn.

Nur werden manchmal die eigenen Erwartungen enttäuscht. Wie zuletzt beim Go-thaer & Friends-Pokal in der heimischen Elbehalle. Dort hatte sie die 200 Meter Schmetterling im Vorlauf in 2:10,38 und im Endlauf in 2:09,95 Minuten absolviert. Mit Ansage ihres Trainers übrigens. Um schneller zu sein, hätte Berkhahn seinen Schützling in der Vorbereitung auf den Wettbewerb früher aus den Intensitäten nehmen müssen. „Davon habe ich aber zu viel reingebracht. Ich muss mehr Regeneration bei ihr zulassen, das habe ich gelernt“, so der Coach. „,Franzi’ ist eben auch ein bisschen älter geworden.“

Letztlich fehlte ihr also die Geschwindigkeit beim Heimrennen, obwohl sich dieses „so gut angefühlt hat“, sagt sie. Und natürlich möchte sie ihrem eigenen deutschen Rekord (2:05,26) wieder näherkommen. Gedankenversunken saß sie deshalb nach ihrem Start auf der Tribüne und grübelte über den Training-Wettkampf-Unterschied. Für die 31-Jährige war 2020 mit Corona-Pandemie und Verschiebung der Sommerspiele „auf keinen Fall ein verlorenes Jahr“, betont sie. „Wir haben die Grundlagen verbessert, auch die Technik ist wieder stabiler geworden.“ Im Grunde genommen „schmettert“ Hentke gerade zur Form ihres Lebens, nur bleibt die Ergebnistafel nach dem Anschlag noch den Beweis schuldig. Oder wie Hentke sagt: „Davon ist gerade nicht viel zu sehen, und das ist frustrierend.“

Wir haben die Grundlagen verbessert, auch die Technik ist wieder stabiler geworden.

Franziska Hentke

Berkhahn bittet seinen Schützling, den er von 2012 an in die Weltspitze führte, um Geduld: „Sie hat noch einen großen Trainingsabschnitt in Vorbereitung auf Tokio“, erklärt er zum einen. Zum anderen zeigt er Verständnis für die aufkommende Enttäuschung. Jedoch verweist er dann auf die vergangenen Monate: „Sie ist in den Einheiten stark geschwommen, hat ihre Ausdauer verbessert, hat auch im Höhentrainingslager nicht einen Einbruch gehabt.“ Mit anderen Worten: Hentke hat ihre Hausaufgaben gemacht. Hentke ist im Soll. Hentke „muss sich auch keinen Druck machen“, betont der Coach.

Ein wenig Anspannung wird an diesem Sonnabend trotzdem kommen. Bei den German Open im Berliner Europa-Sportpark möchte sie „einfach schnell schwimmen“. Es ist einer der sehr wenigen Wettkämpfe seit Anfang 2020. Wettkämpfe, die ihr fehlen. Dabei „findet ,Franzi’ zu ihrer Sicherheit über den Saisonverlauf“, sagt Berkhahn. Training, Rennen, Lernen, Verbessern. „Jetzt muss sie eben liefern.“

Die German Open bedeuten zugleich das letzte Rennen vor den Sommerspielen. Als Bundestrainer verzichtet Berkhahn nämlich darauf, den Olympia-Kader der Beckenschwimmer bei den Europameisterschaften im Mai in Budapest an den Start zu schicken, während die Magdeburger Freiwasser-Athleten mit Finnia Wunram, Rob Muffels und Florian Wellbrock dort ihre Generalprobe geben. Das Risiko einer Corona-Infektion ist dem Coach ob der vielen Nationen auf engstem Raum zu groß.

Und so steht Franziska Hentke nach diesem Sonnabend in Berlin erst wieder in Japan auf dem Startblock. Bis dahin will sie alle Themen wie Karriereende und berufliche Zukunft ausblenden. Bis dahin will sie sich ganz auf ihr gutes Gefühl konzentrieren. Und auch dieses verbessern.