Magdeburg l Am gestrigen Sonntag sind sie mit dem Flugzeug in Leipzig gelandet. Nach trainingsintensiven Wochen mit dem Diskus in Nikosia (Zypern) und Belek (Türkei) begann für Anna Rüh, Martin Wierig und David Wrobel vom SC Magdeburg die Regenerationsphase. Sie haben am kommenden Freitag ihren scharfen Start in die Saison – beim 14. Solecup in Schönebeck.

Für die Magdeburger war das immer ein gutes Pflaster. Aber sind sie auch diesmal bereit für den ersten weiten Wurf?

Martin Wierig

Ein sozial engagierter Mann wie Martin Wierig vergisst auch zum Saisonstart nicht den guten Zweck seiner Mission. Der 31-Jährige hat sich deshalb für den Solecup etwas Besonderes überlegt. „Ich spende zehn Cent pro Besucher an die Mitteldeutsche Krebsstiftung“, sagt Wierig.

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Damit sich das Engagement doppelt lohnt, möchte er zugleich im Diskus-Ring den Zuschauern etwas bieten. „Mein Ziel ist es, in Schönebeck bereits die Norm für die Weltmeisterschaft zu übertreffen.“ 65 Meter also. Aber es soll im Verlauf der Saison natürlich noch weiter gehen, denn Wierig will seinen Platz in der Top Ten der Welt finden, „und dafür muss ich zirka 67 Meter werfen“. Und noch schöner wäre es, wenn er seine persönliche Bestleistung von 68,33 Metern aus dem Jahr 2012 wieder angreifen könnte.

Allerdings: „Das Weitenziel spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Ich will mich für die WM qualifizieren und dort erfolgreich abschneiden.“ Die Weltmeisterschaft wird vom 28. September bis 6. Oktober in Doha (Katar) ausgetragen.

Die Voraussetzungen hat er jedenfalls geschaffen. „Ich bin gesund durch die Vorbereitung gekommen und konnte mit wenigen Einschränkungen die Trainingslager bestreiten.“ In den vergangenen Monaten waren die Schützlinge von Trainer Armin Lemme erst in Nikosia und dann in Belek. Und in den letzten Tagen in der Türkei ging es für den Hünen darum, die Technik zu festigen. Wierig: „Ich bin mit meinen Trainingswerten zufrieden, die Grundlage für weite Würfe ist gelegt. In den Tagen vor Schönebeck steht aber die Regeneration im Vordergrund. Mit frischeren Beinen lassen sich auch technische Defizite verringern.“

Das klingt alles nach Zuversicht. Auch für den Solecup. Wierig bestätigt: „Ich freue mich wahnsinnig auf den Wettkampf und bin optimistisch, dass mir ein guter Saisoneinstieg gelingen wird.“

Anna Rüh

Belek ist ja ihr Lieblingstrainingslager. In Belek wird opulent aufgetischt zu den Mahlzeiten. „Das Essen ist super“, berichtet Anna Rüh. „Wir haben täglich eine riesige Auswahl an verschiedenen Gerichten, hochwertig und frisch vor meiner Nase zubereitet“, ergänzt sie lächelnd. Das ist gut so: Denn Anna Rüh fehlten im Frühjahr auch einige Kilo Gewicht für den weiten Wurf. Stand heute? „Ich konnte sowohl Kraftwerte als auch Gewicht etwas steigern.“

Ob dieses Etwas schon für Schönebeck gut genug ist, möchte die 25-Jährige nicht prognostizieren. Zumal sie selbst etwas mehr Gewicht auch in ihre Würfe einbringen muss. In Belek „haben mich meine Trainingswerte leider nicht so optimistisch gestimmt, wie ich es mir vorgestellt habe“, erklärt Rüh. „Aber ich denke, ich brauche noch ein wenig Zeit, um mich von dem sehr intensiven Trainingsblock zu erholen. Technisch muss ich noch an meinem Umschwung arbeiten. Aber irgendwie ist mir in den letzten Wochen ein wenig das Gefühl verloren gegangen.“

Dennoch: Die WM-Norm mit 61,20 Metern sollte auch eine Anna Rüh mit weniger gutem Gefühl nicht erschüttern. „Das Feuer brennt definitiv“, erklärt Rüh. „Ich bin gespannt, wohin die Reise in dieser Saison für mich geht.“ Und eine erste Standortbestimmung erhält sie dazu beim Solecup. Denn die Starterinnen dort gehören zu den schärfsten Konkurrentinnen im Kampf ums Doha-Ticket: Nadine Müller, Shanice Craft und Claudine Vita.

Anna Rüh kann sich also vor allem selbst überraschen, denn auf eine Weite mag sie sich im Vorfeld des Saisonauftaktes nicht festlegen. Ihr persönlicher Rekord mit der Ein-Kilo-Scheibe steht immerhin bei 66,14 Metern aus dem Mai 2015. Aber das Ziel, sagt sie, „ist ganz klar, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft“.

David Wrobel

Er hat durchaus wahrgenommen, dass Christoph Harting bei der Diamoand League in Doha vor zwei Wochen seinen Saisoneinstand mit 64,49 Metern gegeben hat. Aber hat das David Wrobel interessiert? „Ich schaue nicht gerne auf andere, denn am Ende zählt nur die Leistung, die man selbst bringt“, betont der 28-Jährige. Und umgekehrt: „Ich weiß, dass ich was drauf habe, aber wissen es die anderen auch?“

Das kann er in Schönebeck Harting höchstpersönlich fragen, der Olympiasieger ist dann sein Konkurrent. Wie auch der Bronze-Gewinner von Rio 2016: Daniel Jasinski.

Wrobel hat sich seit 2014, seit seinem Wechsel nach Magdeburg, Jahr für Jahr gesteigert. Für eine Bestleistung war auch der Solecup 2018 der perfekte Wettbewerb: Auf 65,98 Meter brachte er die Zwei-Kilo-Scheibe, rannte danach eine Jubelrunde. Entzückte damit die Zuschauer, die Konkurrenz und sich selbst. Dieses Gefühl will Wrobel bei der 14. Auflage wieder spüren.

„Die Trainingslager sind nach meinen Erwartungen abgelaufen“, erklärt Wrobel. „Ich bin heiß auf den Saisonstart.“ Wie Martin Wierig hat er seine Kraftwerte gehalten oder gesteigert, um „noch mehr aus dem Diskus zu kitzeln“.

Wie Wierig ist er gesund durch die Vorbereitung gekommen – ganz ohne die alljährlichen Wehwehchen. Aber wie Wierig möchte er sich nicht auf ein Weitenziel festlegen. „Ich will einfach wieder weiter werfen als im letzten Jahr“, sagt Wrobel. „Aber ich mache mir keinen Druck. Wenn es in Schönebeck mit der WM-Norm noch nicht klappt, dann eben woanders.“