Kanu

Olympia-Qualifikation: Michael Müller vom SCM fährt aufs Podest

Der Canadier-Fahrer des SC Magdeburg, Michael Müller, fährt in Szeged um seinen Start bei den Olympischen Spielen.

Von Daniel Hübner

Duisburg/Magdeburg. Beim SC Magdeburg ist die Elternzeit eingeläutet worden. Schon im Februar, als in der Abteilung Diskuswurf Anna und Martin Wierig ihren Anton im Leben begrüßten. Nun auch im Hause Felix Gebhardt, der mit seiner Lena am vergangenen Freitag den kleinen Albert herzlich willkommen hieß. „Mutter und Sohn drücken mir jetzt zu Hause die Daumen“, sagte der 24-jährige Kanute vor der zweiten Olympia-Qualifikation des deutschen Verbandes (DKV).

Das Daumendrücken hat sich gelohnt: Der Canadier-Fahrer erreichte in Duisburg einen siebten Platz über 1000 Meter und einen fünfen Rang über die 500 Meter. Damit hat er sich für die Weltmeisterschaft in Kopenhagen im September ins Gespräch gebracht. Ein anderer Saisonhöhepunkt hatte sich bereits vor der zweiten Rangliste für ihn erledigt. Gebhardt hatte keine Chance mehr, um das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) zu kämpfen. „Der Olympia-Traum ist geplatzt“, hatte er erklärt. Zumindest in diesem Jahr.

Weil sein C2-Partner Tomasz Wylenzek bei der ersten Rangliste vor zwei Wochen ein Einer-Finale verpasst und weil sich dann kein neuer Paddler an Gebhardts Seite gefunden hatte, konzentrierte sich Gebhardt allein auf einen WM-Start. Yul Oeltze, der ebenfalls keine Chance mehr auf Tokio hatte, trat in Duisburg nicht mehr an, seine Karriere möchte er aber fortsetzen. Also wurden gestern die Daumen für den dritten im SCM-Bunde gedrückt: für Michael Müller.

Es wird spannend in Szeged

Aus der ursprünglichen Dreier-Konstellation im nationalen Ausscheid war allerdings schon vor dem Start des ersten der beiden Rennen ein Kampf mit lediglich zwei Booten geworden: mit dem 28-jährigen Müller und Conrad Scheibner, mit Sebastian Brendel und Tim Hecker. Peter Kretschmer, der ursprüngliche Oeltze-Partner, und Nico Pickert hatten abgemeldet. Damit stand schon vor dem ersten Schlag fest: Müller/Scheibner und Brendel/Hecker werden beim letzten Qualifikationsrennen beim Weltcup in Szeged (Ungarn) vom 14. bis 16. Mai den Platz bei den Sommerspielen unter sich ausmachen.

Und das wird äußerst spannend. Denn den sportlichen Wettstreit in Duisburg entschieden Müller/Scheibner im ersten Lauf mit 3:55,606 Minuten und 0,268 Sekunden Vorsprung für sich. Im zweiten Rennen drehten Brendel/Hecker den Spieß um, setzten sich in 3:49,118 Minuten und mit 0,701 Sekunden auf die Konkurrenten durch. „Sie sind nicht bis aufs Messer gefahren, auch sie wollten Energie für die Einer-Rennen sparen“, sagte SCM-Trainer Detlef Hummelt. Was sich für Müller ausgezahlt hat. Nach Rang vier über 1000 Meter fuhr er am Sonnabend mit dem dritten Rang über die halbe Distanz seinen ersten Podestplatz ein.

Entschieden wurde auch, wer nun im europäischen Olympia-Ausscheid – ebenfalls im Mai in Szeged – um das Ticket im Kajak-Zweier über 500 Meter fahren wird. Das hat Julia Hergert vom SCM bereits am Donnerstag mit der Leipzigerin Melanie Gebhardt zunächst geschafft. In nur einem Endlauf fuhr das Duo in 1:48,612 Minuten und satten 1,644 Sekunden vor Katharina Köther/Sarah Brüßler zum Sieg. Dennoch mussten Hergert und ihre Partnerin auch in den Einer-Rennen über 200 und 500 Meter jeweils den Endlauf erreichen, um den Start in Szeged endgültig zu sichern.

Das haben beiden über die längere Distanz geschafft, Hergert belegte dort den neunten Rang. Allerdings scheiterten beide über 200 Meter, weshalb der DKV über die Zweier-Besetzung für Szeged wohl noch einmal nachdenken wird. Hergerts Clubgefährtinnen Jasmin Fritz und Nina Krankemann blieben in der Rangliste hinter der Top-Sechs, in die sie für einen Olympia-Start hätten fahren müssen.