Magdeburg l Paul Zander wird damals das Klassenzimmer im Schönebecker Gymnasium betreten und sofort seine Entscheidung getroffen haben. Der Landestrainer warf bei der Schülersichtung für den Rudersport nur einen kurzen Blick in die Reihe, in der ein schwarzhaariger Junge alle überragte. „Ich habe ihm gesagt: Du bist es. Du hast sehr gute Voraussetzungen“, erinnert sich Zander an diese erste Begegnung vor vier Jahren mit Nick Welzenbach, damals 13 Jahre jung.

U-19-WM in Japan

Es war der Beginn einer gemeinsamen Zusammenarbeit beim SC Magdeburg, die nun in der Mannschaftsbildung für die U-19-Weltmeisterschaft in Tokio (Japan/7. bis 11. August) mündet. An diesem Sonnabend geht es für Welzenbach an die Regattastrecke nach Berlin-Grünau zum Lehrgang.

Wie sehr der 29-jährige Zander von seinem neuen Schützling tatsächlich überzeugt war, erklärt sich in seinen stetigen Bemühungen. Welzenbach kam tatsächlich zum Probetraining, Welzenbach beeindruckte, aber Welzenbach blieb danach auch fern. Ein Virus hatte sich in seinen Körper eingeschlichen, das Pfeiffersche Drüsenfieber plagte ihn. Eigentlich, sagt Zander, konnte er erst ab 2016 trainieren, zunächst unter Gabriela Wölfer. Doch dann kam er langsam, aber sicher in Form. Und steht nun vor seinem ersten großen Erfolg: dem Start im Vierer ohne Steuermann oder im Achter auf der olympischen Regattastrecke 2020.

Ruderer war vorher Fußballer

Dass er es mal im Rudern nach Tokio schaffen würde, hätte der 17-Jährige selbst nicht gedacht. Er hatte ja immer Fußball gespielt, aufgrund seiner Größe im Tor gestanden. Zehn Jahre lang. Bei einem Verein in der Nähe von Würzburg im Kreis Main-Spessart. Ehe seine Mutter ihn an die Hand nahm und mit ihm nach Biere zog. Dort spielte er allenfalls Videospiele, „was ich aber inzwischen auch abgelegt habe“, sagt der 2,02-Meter-Hüne lächelnd. Wenn neben dem Rudern und der Schule überhaupt Zeit bleibt, dann trifft sich der Magdeburger Sportgymnasiast vor allem mit Freunden. „Ich bin kein Stubenhocker“, sagt er.

Freunde sind auch Welzenbach und das Riemenrudern geworden. In diesem Jahr sogar sehr dicke. Er hat mal auf der rechten Seite angefangen, war dann zur linken gewechselt, ist zwischenzeitlich zum Skull und in den Doppelzweier gewechselt. Doch in diesem Jahr machte ein besonderer Umstand seinen Start im Riemenbereich wieder möglich. Weil sich Niklas Baier am Rücken verletzte, setzte sich Welzenbach in den Zweier ohne Steuermann zu Erik Kohlbach aus Halle. Und sie belegten sogleich Rang fünf beim U-19-Vergleich des Deutschen Ruderverbandes in Hamburg Anfang Juni. „Bis dahin hatten wir eine Woche jeden Tag trainiert“, erklärt Welzenbach zur Vorbereitung. Mit ihrem Ergebnis waren sie drin im engeren Kreis der WM-Kandidaten. „Das war der richtige Schritt.“

Dann kam die deutsche Meisterschaft auf dem Beetzsee in Brandenburg. Und sie gingen weitere Schritte. Erst im Vierer ohne Steuermann, in dem sie Silber gewannen – und sich darüber ärgerten. „Wir waren im Lauf zuvor eine Länge besser als das Siegerboot im Finale, das hat uns schon geärgert“, sagt Welzenbach. „Aber im Achter haben wir alles reingelegt, wollten unbedingt gewinnen. Wir sind echt mit Herzblut gefahren.“ Und sein Boot hat gewonnen. „Da hat man gemerkt, wie sich bei uns allen die Emotionen freigesetzt haben.“

Achter – das wäre auch das Boot, in dem Welzenbach gerne bei der WM sitzen würde. „Die Kiste ist einfach mega schnell, und es ist ein tolles Gefühl, wenn acht Mann an einem Strang ziehen.“

Bei der Selektion in Berlin wird er zunächst auf Herz und Nieren überprüft. Beim Stufentest. Am Ergometer. An diesem Gerät lässt sich seine Entwicklung am besten ablesen. „Ich bin einige Zeit nicht unter 6:10 Minuten über die 2000 Meter gekommen, aber in diesem Jahr bin ich der Zweitbeste hinter Paul Krüger mit 6:05,2 Minuten.“ Krüger vom SCM startet ebenfalls bei der WM – allerdings im Doppelzweier.

Doch seine Bestzeit spielt in Berlin allenfalls eine untergeordnete Rolle. Trainer Zander sagt: „Was bislang war, zählt dort nicht mehr. Er muss sich aufs Neue beweisen.“ Und erst dann wird entschieden, ob Nick Welzenbach im Vierer, im Achter oder als Ersatzmann nach Japan fährt.

Zanders Schützling will natürlich aktiv dabei sein. Und er sagt: „Die Krönung wäre natürlich ein Podestplatz.“ Wie sich das anfühlt, weiß er seit seiner ersten Medaille bei den jüngsten nationalen Titelkämpfen. Welzenbach: „Es ist wirklich schön, vorne mitzufahren.“