Olympische Spiele in Paris Schöner springen mit Moritz Wesemann vom SV Halle
Wasserspringen: Der Hallenser erreicht das Finale vom 3-Meter-Brett.

Paris - Moritz Wesemann geht nach Los Angeles. Direkt nach Paris. „Das ist nicht nur ein Zufall“, sagte er in dem Wissen, dass in der US-Metropole in vier Jahren die Sommerspiele ausgetragen werden. Der 22-Jährige hat sich vielmehr mit Bedacht den US-Bundesstaat Kalifornien ausgesucht, um dort seinen Master im Studiengang Informatik zu absolvieren. „Dort befindet sich die größte Techbubble“, begründete der Wasserspringer vom SV Halle die Wahl der Universität, in der er zwei Jahre lang praxisbezogen studieren, aber auch seinem Sport nachgehen wird. „Ich werde dort in einem Freibad trainieren und kann mich gleich an die Gegebenheiten gewöhnen“, blickte Wesemann mit einem Lächeln in die Zukunft.
Ich weiß, welches Potenzial ich habe.
Moritz Wesemann vom SV Halle
Grund zum Lächeln hat er auch in der Gegenwart, und die wird auch am Donnerstag in Paris verortet. Wesemann ist im Aquatics Center ins Finale vom 3-Meter-Brett gesprungen (15 Uhr) – mit vier sehr guten und zwei weniger guten Sprüngen. Nach dem Semifinale schätzte er ein: „Ich habe nicht die schönsten Sprünge gezeigt, die ich zeigen könnte, aber ich habe mir auch keine großen Fehler erlaubt.“
Als Achter der besten zwölf im Feld der 18 Springer erreichte er den Endkampf, in dem die Chinesen Zongyuan Wang und Siyi Xie sowie die Brite Jack Laugter (allesamt Olympiasieger) die haushohen Favoriten sind. Wesemann blickte voraus: „Ich kann befreit in das Finale gehen und werde versuchen, meine besten Sprünge zu zeigen.“ Denn vom größten Druck hat er sich bereits in der Vorschlussrunde befreit. Von dem Druck, „komplett zu versagen“.
Platz sieben bei den Weltmeisterschaften 2023 und 2024
„Ich habe inzwischen gezeigt, dass ich vorne mitspringen kann“, blickte er zum Beispiel auf den jeweils siebten Rang bei den Weltmeisterschaften in Doha im jüngsten Februar oder in Fukuoka im vergangenen Jahr zurück. „Ich weiß, welches Potenzial ich habe“, sagte Wesemann. Und mit diesem Wissen wollte er ein vorzeitiges Aus unbedingt vermeiden.
Das ist ihm mehrfach gelungen, nur im vierten Versuch, beim Rückwärtssalto in dreieinhalbfacher Ausführung, da passten der Ablauf und das Eintauchen nicht. „Aber auch das war kein kompletter Fehlschuss, der mich rausgehauen hat“, resümierte Wesemann.
Ich möchte noch 20, 30 oder 40 Punkte draufpacken.
Moritz Wesemann vom SV Halle
Wesemann sieht sich näher an der Weltspitze als manch anderer deutscher Athlet. „Ich denke, ich kann auf dem gleichen Niveau wie die Chinesen springen, was mir noch fehlt, ist die Konstanz und die Stabilität in den Feinheiten.“ Was sich in der Note für die Ausführung widerspiegelt. Während die Chinesen grundsätzlich eine 8,0 als Wertungszahl stehen hatten, landete Wesemann im Halbfinale zwischen 5,0 und 7,0 bei identischem Schwierigkeitsgrad seiner Sprünge.
Nach dem Halbfinale wollte er sich ausruhen, regenerieren, mit der Familie treffen – und vor allem mehr essen. Das hatte der Schützling von Trainer Philipp Becker-Heiden vor dem Vorkampf vergessen oder vielmehr: „Ich war so in Gedanken, dass ich einfach weniger gegessen habe. Aber es ist wichtig, viele Kohlenhydrate auf gesunder Basis zu sich zu nehmen.“ Für das gute Körpergefühl nämlich.
Und was kann mit diesem noch gehen im Finale? „Ich möchte noch 20, 30 oder 40 Punkte draufpacken“, zog er den Vergleich zur Vorschlussrunde, die er mit 433,00 Zählern abgeschlossen hat. Das würde, sollte sich vor allem Jack Laugher nicht steigern, sogar zu Bronze reichen. Aber so weit denkt er natürlich nicht, sein Ziel hat er schon jetzt erreicht. Moritz Wesemann: „Ich bin im Finale der Olympischen Spiele, dem größten Wettkampf der Welt, ich bin komplett zufrieden.“