Magdeburg l Franziska Hentke hat in den vergangenen Tagen ihr Bauchgefühl sprechen lassen. Und mit diesem Gefühl einher geht die Vermutung: „Ich denke, die Sommerspiele 2021 werden im Mai oder im Juni stattfinden.“

Der „Schmetterling“ vom SC Magdeburg weiß nicht zuletzt aus ihrer Trainingswoche in Tokio im November 2018, dass es im Winter zu kalt ist für Olympia am Fuße des Fujiyamas ist. Und vielleicht denken das Internationale Olympische Komitee und die Regierung Japans tatsächlich darüber nach, das Ringe-Spektakel in den Mai zu legen, wenn ein angenehmer lauer Wind bei 24 Grad Celsius um die Nasen der 11 000 Athleten weht. Hentkes Bauchgefühl hat deshalb ganz sicher auch im Sinne aller Sportler, Trainer, Zuschauer gesprochen.

Hentke von Diskussion genervt

Aber Hentke selbst weiß das natürlich nicht. Auch nicht, ob die Corona-Krise die Welt bis dahin noch in Atem hält. Hentke mag nicht darüber spekulieren. Sie hatte sich schon über die Verlegung der Sommerspiele, ihren zweiten, die eigentlich zwischen dem 24. Juli und dem 9. August abgehalten werden sollten, wenn die Temperaturen in Japan weit über die 30 Grad ansteigen, keine Gedanken gemacht. Die Diskussion, die der Verlegung vorausgegangen war, hat sie ziemlich genervt. „Ich habe es mir abgewöhnt, darüber nachzudenken, was in der Vergangenheit gewesen ist und was ich in der Zukunft selbst nicht entscheiden kann“, betont sie.

Eine Entscheidung kann sie aber treffen: Und diese befasst sich allein mit Franziska Hentke, ob sie zum Beispiel weiterschwimmen würde nach der Verlegung. Sie hat dazu nicht den Familienrat einbezogen. „Ich habe alle Entscheidungen selbst getroffen, wenn es ums Schwimmen ging“, betont die 30-Jährige. „Aber ich denke, meine Familie wäre überrascht, wenn ich nun nicht weitermachen würde.“

Nach dem Interview mit ihrem Bauchgefühl kämpft und „schmettert“ sie nach Tokio 2021. Denn Hentke will dorthin. „Unbedingt!“ Sie bleibt also im Fokus. Aber nach den Sommerspielen soll ihre Karriere wirklich enden.

Norm über Paradedistanz fehlt

Es wäre etwas anderes gewesen, Tokio hätte erst 2022 eingeladen. „Dann ginge meine Tendenz klar zum Nein“, erklärt Hentke, die deshalb selbst aufatmet, dass es anders gekommen ist. Und die nun weiter an ihrer Form basteln, vielmehr diese kompensieren muss, um im nächsten Jahr dabei zu sein. Die Norm über ihre Paradedistanz muss sie nämlich noch abliefern. Darauf hatte sie zuletzt schon äußerst produktiv hingearbeitet.

Bis Mitte März besuchte der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn das Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien), wo sie erhebliche Fortschritte in ihrer Technik festgestellt hatte. „Ich bin auch gesund durchgekommen, das ganze Training läuft überhaupt sehr gut.“ Also auch jenes in der heimischen Elbehalle. Aber natürlich ist die tägliche Qual in zwei Einheiten schwerer gefallen als sonst: „Es wäre etwas anderes gewesen, wenn ich zum Beispiel für den Qualifikationswettkampf im Stockholm trainiert hätte“, sagt sie.

Der sollte nämlich über die 200 Meter Schmetterling am ersten Aprilmontag über die Bühne gehen, 2:08,43 Minuten wurden und werden wohl von ihr als Olympia-Norm verlangt. Aber Stockholm ist ebenso abgesagt wie so ziemlich alles abgesagt ist. Bis auf die Europameisterschaft in Budapest, die vorerst von Mai in den August gelegt wurde, zu der aber weniger die Olympiakader, sondern eher die Perspektivkader des Deutschen Schwimmverbandes geschickt werden sollten. Kommt das jetzt anders?

Hentke weiß es nicht, Berkhahn, zugleich der Bundestrainer, ebenso wenig. „Um in die weitere Planung einsteigen zu können, müssen wir noch auf den genauen Termin für 2021 warten – und auch auf die Vorgaben unseres Weltverbandes“, hat der 49-Jährige erklärt.

Die Fina muss sich wie alle Weltverbände noch ein wenig schütteln und dann neu sortieren. Und versuchen, was Hentke versucht: „Ich mache das Beste aus der Situation.“ Was bedeutet: Hentke will eines Tages in Tokio auf dem Startblock mit einem Lächeln im Land des Lächelns stehen. Zum Finale.