Gwangju/Magdeburg l Sie ist durch das Becken gepeitscht, sie kannte kein Halten mehr. Kraftvoll „schmetterte“ sich Franziska Hentke auf der letzten Bahn Rang für Rang in Richtung Spitze. Das muss sich für sie selbst so schnell angefühlt haben. Und doch war es ingesamt so langsam. Viel langsamer, als sie erhofft hatte. Denn eines wollte Hentke ganz sicher nicht im gestrigen Finale bei der WM in Gwangju (Südkorea): Sie wollte diese 200 Meter nicht in 2:07 Minuten absolvieren.

Doch es kam anders. Und in ihrer ersten Reaktion nach ihrem undankbaren vierten Platz, dem zweiten nach der WM 2015 in Kasan, suchte sie den Fehler bei sich selbst: „Ich bin selber schuld“, sagte die 30-Jährige vom SC Magdeburg vor laufender ZDF-Kamera, „ich konnte meine schnellen Trainingszeiten nicht im Wettkampf umsetzen.“

50 Prozent reichen nicht

Schon vor der WM berichtete sie über starke Werte in den Einheiten, wie gut diese gelaufen waren, wie sie viele Spitzen gesetzt hatten. Sie und ihr Trainer Bernd Berkhahn. Und dann startete sie „mit einer optimalen ersten Bahn“, beendete das Rennen „auf einer sehr starken letzten Bahn“. Nur die dritten und die vierten 50 Meter „waren zu langsam, und 50 Prozent vom Rennen reichen dann eben nicht aus“, resümierte Hentke gegenüber der Volksstimme.

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Dabei war sie so zuversichtlich und in gefühlter Bestform nach Gwangju gereist. „Ich möchte im Bereich meines deutschen Rekordes schwimmen“, hatte sie sich zum Ziel gesetzt. Wie 2017 bei der WM in Budapest, als sie in 2:05,37 Minuten Vizeweltmeisterin geworden und dabei nur 13 Hundertstelsekunden über ihrer nationalen Bestmarke geblieben war.

Langsamer war es zuletzt 2003

Dorthin sollte die Reise auch im Nambu Municipal Aquatics Center gehen. Die Reise dauerte letztlich aber lange 2:07,30 Minuten. In dem langsamsten Endlauf seit den Titelkämpfen 2003 in Barcelona, wo sich die Polin Otylia Jędrzejczak (2:07,56) Gold gesichert hatte. Diesmal gewann die Europameisterin Boglarka Kapas aus Ungarn in 2:06,78 Minuten vor Hali Flickinger (2:06,95) und Katie Drabot (2:07,04/beide USA). Hentke fehlten nur 26 Hundertstelsekunden zum Podest.

„Die Zeit ist enttäuschend“, erklärte sie. „Und dass Gold mit einer 2:06,8 weggegangen ist, ist noch viel bitterer.“ Trotzdem hatte Hentke zwischen ihren Tränen zumindest ein Lächeln übrig, wenngleich ein sehr kurzes – für Siegerin Kapas, die sie herzlich umarmte.

Heintz findet zum "alten Philip"

Ein größeres Lächeln konnte indes Philip Heintz seinem Ergebnis abgewinnen. Als Zweitschnellster war der 28-Jährige ins Finale über 200 Meter Lagen gegangen, als Vierter beendete er den Endlauf. Mit 1:56,86 Minuten und acht Hundertstelsekunden Rückstand auf das Podest beim Sieg von Daiya Seto aus Japan (1:56,14).

„Ich ärgere mich über den vierten Platz, keine Frage“, sagte ein entspannter Heintz, der sich allerdings in der Vorbereitung eine dreimonatige Pause gegönnt hatte, ehe er in diesem Jahr wieder ins Training eingestiegen war. Das Ergebnis ist letztlich „der Pause geschuldet“, so Heintz, der nun optimistisch in Richtung Olympische Spiele 2020 blickt: „Ich bin wieder der alte Philip. Und der sagt, dass ich im nächsten Jahr das Ding gewinnen werde.“

Achtes DSV-Ticket für Tokio

Heintz verschenkte sogleich einen Teil seines Optimismus ans gesamte Team des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). „Wir haben uns deutlich gesteigert“, führte er im ZDF aus. Das merke man auch in der Mannschaft, „weil jeder Bock hat“. Und weil für jeden Olympia das wichtigste Ziel sei. In 364 Tagen werden die Sommerspiele in Tokio eröffnet.

Das Ziel hat die 4 x 200-Freistilstaffel der Frauen gestern erreicht. Als Fünfte nach dem Vorlauf. Beim Weltrekordsieg Australiens (7:41,50) schlugen Reva Foos, Isabel Gose, Marie Pietruschka und Annika Bruhn als Siebte an (7:55,63). Inklusive der Freiwasser-Athleten hat der DSV damit bereits acht Startplätze für Tokio gesichert.