Magdeburg l Der ältere Herr am Telefon kann sich nicht recht entscheiden. Befragt nach den Höhepunkten seiner Trainerkarriere, begibt sich Norbert Warnatzsch zunächst auf einen weiten Weg in die Erinnerung, man kann ihn quasi graben hören am anderen Ende der Leitung, ehe er seine Aufzählung mit dem ersten Olympiasieg beginnt.

Jenen nämlich von Jörg Woithe in Moskau 1980 über 100 Meter Freistil. Und er endet mit jenen von Britta Steffen in Peking 2008 über 50 und 100 Meter Freistil. „Das waren Momente, die mich bewegt haben“, erklärt Warnatzsch. Ebenso wie die Leistungen einer Franziska van Almsick, die das deutsche Schwimmen auch ohne Olympiagold so sehr geprägt hat. Aber irgendwann sagt er: „Ich möchte die anderen auch nicht vergessen.“ Die anderen wie Benjamin Starke, Torsten Spanneberg oder Tim Wallburger, Männer, die Staffelmedaillen bei internationalen Höhepunkten sammelten. Warnatzsch sind eben alle wichtig, die unter ihm erfolgreich geschwommen sind.

Prädikat "Legende"

Es gibt wahrlich nicht viele Trainer, die sich als „Legenden“ in der Historie ihres Sports verewigen können. Warnatzsch hat sich diesen Status in den vergangenen 40 Jahren allerdings redlich verdient. Der Mann ist inzwischen 71 Jahre alt. Aber er ist längst nicht müde, jeden Morgen nach dem ersten Espresso pünktlich am Beckenrand zu stehen und Athleten zum Erfolg anzuweisen.

Ab Januar werden die Athleten des SC Magdeburg von seiner Erfahrung profitieren. Denn Warnatzsch wird der Assistenztrainer von Bernd Berkhahn. Er hat einen Zwei-Jahres-Kontrakt beim Landessportbund bis Ende 2020 unterschrieben. „Auf der einen Seite ist es natürlich meine Verbundenheit zum Schwimmen“, begründet er seine Entscheidung, „auf der anderen ist es die Herausforderung. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass großes Potenzial in Magdeburg schlummert.“

Von der Ostsee zur Elbe

Dafür geht er wieder in die Teilzeit-Ehe. Mit seiner Frau wohnt Warnatzsch im Ostseebad Kühlungsborn. Natürlich am Wasser. Und seine Frau sagte zum Angebot: „Ich werde dich nicht aufhalten“, berichtet er. Traurig ist sie trotzdem ein bisschen. Ihr Gatte wird ein Apartment in Magdeburg beziehen. „Wenn ich einen Job mache, dann richtig“, sagt Warnatzsch. Das weiß auch Berkhahn zu schätzen: „Ich wollte einen erfahrenen Mann als Assistenten haben. Einen, dem ich vertrauen kann. Und keinen, dem ich erst alles erklären muss. Denn dafür haben wir keine Zeit.“

Berkhahn selbst ist auch ein Grund für die Entscheidung des erfahrenen Coaches, der von 2002 bis 2012 zum Trainerstamm des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) gehörte. „Er ist zielstrebig, offen und ehrlich“, preist Warnatzsch den jüngeren Kollegen an. „Ich bin mit Bernd freundschaftlich verbunden, wir kennen uns schon ewig.“ Schon seit der Zeit nämlich, als der 47-Jährige noch in Elmshorn arbeitete und Heiko Hell über 400 Meter Freistil zu den Spielen 2004 nach Athen führte. „Bernd Berkhahn hat hervorragend fortgeführt, was Bernd Henneberg in Magdeburg aufgebaut hat. Er hat zudem Veränderungen angeschoben, die ich klasse finde. Und auch in der Trainingsmethode sind wir auf einer Wellenlänge“, sagt Warnatzsch. „Ich freue mich auf diese Aufgabe.“

Der Zuruf reicht

Wie sie die Aufgaben im Detail verteilen, das haben Warnatzsch und Berkhahn noch nicht besprochen. Aber womöglich reicht zwischen beiden der einfache Zuruf. Fest steht: „Bernd ist der Boss, ich bin sein Assistent. Und ich werde ihm mit all meiner Erfahrung beratend zur Seite stehen und ihn unterstützen“, betont Warnatzsch.

Es gibt ja auch einiges zu tun, Leistungen zu steigern, auch Hoffnungen am Leben zu halten. Immerhin wurden sechs Schwimmer des SCM in das Tokio-Team Sachsen-Anhalt berufen, unter anderem mit Florian Wellbrock ein aktueller Europameister und mit Franziska Hentke eine aktuelle Vize-Weltmeisterin.

Warnatzsch ist sich jedenfalls sicher: „Jeder, der in diesem Team ist, hat auch eine Chance auf Olympia.“