Olympische Spiele

Zuschauerausschluss überrascht Magdeburger Olympia-Starter nicht

Magdeburger Olympia-Starter haben ihr Verständnis für den Ausschluss bei den Sommerspielen in Tokio geäußert. Sie sind froh, dass das Ringespektakel überhaupt stattfindet.

Von Daniel Hübner
Getrübte Stimmung in Tokio: Zur Enthüllungszeremonie der olympischen Fackel blieben die Plätze leer.
Getrübte Stimmung in Tokio: Zur Enthüllungszeremonie der olympischen Fackel blieben die Plätze leer. dpa

Magdeburg - David Wrobel stand gerade beim Einchecken in den Flieger nach Schweden, als ihn am Freitag der Anruf der Volksstimme erreichte. In Bottnayrd wird er heute einen weiteren Wettkampf zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) bestreiten. Bottnayrd liegt zirka 25 Kilometer westlich von Jönköping. Hier hat der Diskusstar der Schweden, Daniel Stahl, im Juni vor zwei Jahren mit 71,86 Metern den Landesrekord erzielt. Ob Zuschauer in Bottnayrd auf Wrobel warten, kann der 30-Jährige vom SC Magdeburg auch nicht mit Bestimmtheit sagen. Was er seit diesem Donnerstag allerdings weiß: In Tokio wird er die Zwei-Kilo-Scheibe durch ein leeres Stadion werfen.

„Das ist schade und traurig“, sagt Wrobel. „Wenigstens die 10 000 heimischen Zuschauer, die noch vor einigen Wochen angekündigt waren, hätte man reinlassen können.“ 10 000 von 68 000 Besuchern, die im Olympiastadion der japanischen Hauptstadt einen Platz finden würden. Und nicht nur bei seinem Vorkampf am 31. Juli.

Einheitliche Reaktion

„Das ist schade“: Das ist die erste Reaktion beinahe aller Athleten zur Zuschauer-Entscheidung, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Gastgeber am Donnerstag verkündet hat. Einerseits. Andererseits sind Wettkämpfe ohne Fans seit vielen Monaten kein ungewohntes Bild mehr in den olympischen Sportarten – außer, sie finden zum Beispiel in Russland statt, wo noch im Mai beim Kanu-Weltcup in Barnaul die Tribünen rappelvoll waren. „Aber die Japaner wissen selbst, wie es um sie steht, dass die Inzidenzzahl steigt“, erklärt Wrobel. Insofern hat der 1,96-Meter-Hüne durchaus Verständnis für die Entscheidung, weder von außen noch von innen Fans zuzulassen. Sportlich, da ist sich Wrobel sicher, wird deshalb kein Leichtathlet schwächer werfen, laufen oder springen:. „Das wird keinen daran hindern, seine Top-Leistung abzurufen.“

Denn es sind immer noch Olympische Spiele – der größte Höhepunkt vor allem für Individualsportler in ihrer Karriere. Für Wrobel aus dem zwölfköpfigen Team Sachsen-Anhalt sind es wie für die meisten die ersten Spiele. Für Franziska Hentke sind es die zweiten. Ganz laut hat sie Rio 2016 erlebt, jetzt werden sie leiser. Und „natürlich ist das schade“, sagt die 32-Jährige. Aber bevor überhaupt der Gedanke an die Zulassung von auch nur einem Fan geäußert wurde, „waren wir schon einmal auf Geisterspiele vorbereitet worden“, erklärt Hentke, die am 27. Juli im Tokyo Aquatics Centre in ihren Vorlauf über 200 Meter Schmetterling startet. Und sich darauf freut. „Ich denke, alle Sportler sind froh, dass die Spiele stattfinden können – auch wenn es eben besondere Spiele werden.“

Hentke ist sich sicher: „Keine Totenstille“

15 000 Fans des Schwimmsports hätten der Halle womöglich kreischend die Grenze aller akustischen Möglichkeiten aufgezeigt. Jetzt sind es die Teammitglieder der teilnehmenden Länder, die gerade nicht auf dem Startblock stehen. „Ich denke, wir als Schwimmer kommen noch gut weg, weil unsere Mannschaft groß ist.“ Das deutsche Team bringt neben 30 Athleten außerdem Trainer, Ärzte und Physiotherapeuten mit. „Allein die Amerikaner sind mit 50 Sportlern dabei“, berichtet Hentke. Und alle machen Stimmung, weshalb sich der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn sicher ist: „Es wird mit Sicherheit keine Totenstille herrschen.“

Das nicht. „Aber es geht natürlich etwas Atmosphäre verloren“, sagt ihr Teamgefährte Florian Wellbrock, wie Hentke das zweite Mal bei Olympia am Start. Der 23-Jährige, einer der Medaillen-Kandidaten, sowohl im Becken als auch im Freiwasser, kann den Ausschluss der Fans verstehen. „Angesichts der steigenden Zahlen ist diese Entscheidung verständlich und nachvollziehbar“, so Wellbrock, der wie Hentke auf ein wenig Stimmung durch die Athleten auf den Tribünen hofft.

Wir sind einfach froh, dass wir hier Rennen fahren dürfen.

Max Appel

Diese dürfen dort sitzen, denn wie Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), mitteilte, sind zumindest im deutschen Team bereits 90 Prozent aller Athleten geimpft. Auch Max Appel, der bereits im Trainingslager in Kinosaki, 600 Kilometer von Tokio entfernt, seine Einheiten im Doppelvierer absolviert – und der sich allerhand Tests unterziehen musste. Seit der Landung seiner Maschine am 1. Juli in Tokio. Der 25-Jährige vom SCM hat also weit vor dem Beschluss am Donnerstag einen Eindruck davon bekommen, wie streng es die Japaner mit ihren Hygienevorschriften meinen.

Und deshalb überrascht ihn der Zuschauerausschluss auch nicht. „Wir waren lange darauf eingestellt, dass die Spiele ohne Zuschauer stattfinden“, erklärt er. „Wir sind einfach froh, dass wir hier unsere Rennen fahren dürfen.“ Er steigt mit seiner Crew bereits am 23. Juli, am Tag der Eröffnung der Spiele, in den Doppelvierer zum ersten Vorlauf im Sea Forest Waterway. 16000 Zuschauer würden dort entlang des Zielkorridors einen Platz finden. Jetzt jubeln dort erst die Ruderer und dann die Kanuten für sich allein. Dagmar Freitag, Vorsitzende im Sportausschuss des Bundestages, nennt es im „Münchner Merkur“ so: „Es ähnelt einem Konzert ohne Gäste, das nur online übertragen wird.“