Fußball

Härtel flüchtet in Sarkasmus

Ohne den zwölften Mann im Rücken muss der 1. FC Magdeburg das Drittliga-Landesderby gegen den Halleschen FC bestreiten.

Magdeburg l Trainer Jens Härtel und Kapitän Marius Sowislo saßen im Presseraum in der MDCC-Arena wie immer auf dem Podium und machten gute Miene zum bösen Spiel. Knapp 20 Minuten zuvor hatte Mario Kallnik als Geschäftsführer der 1. FC Magdeburg Stadion- und Sportmarketing GmbH an gleicher Stelle mitgeteilt, dass das Landesderby gegen den Halleschen FC (MDCC-Arena, Sonnabend, 14 Uhr) ohne Zuschauer stattfinden wird, weil der Club sich nicht in der Lage sieht, das von der Stadt geforderte Hüpfverbot umzusetzen.  „Ohne Fans zu spielen, ist eine klare Schwächung“, sagte Trainer Jens Härtel.

„Wir haben die Probleme um die Statik im Stadion natürlich mitbekommen. Die Entscheidung ist sehr heftig“, sagte Marius Sowislo mit ernster Miene. „Fußball hat mit Emotionen zu tun. Wir leben in unseren Heimspielen von den Fans, die uns immer helfen, ein paar Prozente mehr Leistung herauszukitzeln“, erklärte der 34-Jährige vor dem Duell mit dem Nachbarn. Ohne Emotionen gehe das Duell aber trotzdem nicht über die Bühne, versicherte Sowislo. „Das Spiel ist längst als Derby im Unterbewusstsein abgespeichert.“

„Das ist Wahnsinn, diese Saison bleibt uns aber auch nichts erspart“, sagte Härtel. Der Trainer flüchtete sich ein bisschen in Sarkasmus und erinnerte an die beiden Testspiele in der Saisonvorbereitung gegen die beiden Regionalligisten SV Babelsberg (2015/16) und Wacker Nordhausen (2016/17), die beide unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. „Wir kennen also die Atmosphäre im leeren Stadion. Und wir haben beide Spiele gewonnen“, sagte Härtel.

Ob das als gutes Omen zu werten ist und ausreicht, um gegen den seit zehn Spielen ungeschlagenen Tabellendritten aus Halle zu bestehen, ist indes offen. „Halle hat alles, was eine gute Drittliga-Mannschaft haben muss. Und wenn noch Kleinigkeiten dazukommen, können solche Serien entstehen“, warnte Härtel eindringlich seine Mannschaft vor dem Nachbarn und schickte gleich eine Kampfansage hinterher: „Jede Serie endet mal. Wir sind gefordert, die drei Punkte in Magdeburg zu behalten.“

Mit dem 3:1-Auswärtssieg am vergangenen Wochenende bei der SGS Großaspach tankte die Mannschaft wieder Selbstbewusstsein, und auch die personelle Lage hat sich entspannt. Mit Christopher Handke und Niklas Brandt kehren zwei zuletzt gesperrte Spieler in den Mannschaftskreis zurück. Ins Training eingestiegen sind zuletzt die verletzten Manuel Farrona-Pulido, Maurice Exslager und Michel Niemeyer. Der Außenverteidiger dürfte trotz seiner extra angefertigten Gesichtsmaske indes noch keine Option sein. Meinung