Handball

Musa vom SCM bleibt fokussiert

Nach der Enttäuschung in der Olympia-Qualifikation richtet der Kroate Zeljko Musa seinen Fokus auf die nächste Aufgabe mit dem SC Magdeburg.

Magdeburg l Zeljko Musa hat einen leisen Pfiff durch die Lippen zischen lassen. Er hatte damit den letzten Pfiff bei einem letzten Großereignis angedeutet, was für ihn persönlich die jüngste Weltmeisterschaft im Katar gewesen ist. Als Musa mit seinen Kroaten bereits in der Zwischenrunde das Aus erfuhr. Der Abwehrchef des SC Magdeburg hat ob dieser Enttäuschung gesagt: "Was in der Nationalmannschaft passiert ist, muss nach dem letzten Pfiff sofort wieder vergessen sein, man darf nicht traurig oder unzufrieden sein, sondern muss den Fokus sofort auf die Aufgaben im Verein legen. Das ist unser Job."

Nun richtet sich also sein Fokus auf die heutige Partie bei Hannover-Burgdorf (19 Uhr, Sky). Und das nur wenige Tage nach einer weiteren Enttäuschung für Musa und seine Kroaten. Sogar ein Drama haben sie erlebt in Montpellier in Frankreich, wo sie am vergangenen Wochenende nach einer Niederlage gegen die Gastgeber und zwei Siegen gegen Portugal und Tunesien trotzdem das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio (Japan) verpassten. Musa hat den kroatischen Medien danach erklärt: "Wir haben unser Bestes gegeben, haben gezeigt, dass wir vieles können, aber auch, dass wir noch viel an uns arbeiten müssen." Und ergänzte, es werde eine neue Generation geben, die es besser machen kann. Sein Coach Bennet Wiegert hat jedenfalls nicht den Eindruck gewonnen, dass "Zeljko in ein mentales Loch gefallen ist".

Man könnte es Pragmatismus nennen, vielleicht ist es auch nur der realistische Blick auf eine Mannschaft, in der zwölf Akteure 30 Jahre und älter sind. Wie Musa, er ist inzwischen 35. Er ist nicht nur der stille Kroate, der seine sechste Saison bei den Grün-Roten sogleich als Abschiedstournee bestreitet, er ist auch der weise Hüne im Mittelblock, den nichts mehr umhauen kann. Jedenfalls nicht offensichtlich. Er sagt: "Über die Nationalmannschaft kann ich mir im Urlaub Gedanken machen." Jetzt ist Hannover.

Musa hatte schon nach dem vergangenen Bundesliga-Spiel gegen Coburg (43:22) gesagt: "Es ist schade, dass direkt nach der Olympia-Qualifikation die schweren Aufgaben gegen Hannover und die Füchse Berlin (Sonntag, 13.30 Uhr, Getec-Arena/A. d. Red.) auf uns warten. Aber wir sind nun mal Profis." Profis mit einem überaus großen Angebot an Pflichtspielen, weshalb Coach Wiegert entschieden hatte, seine sieben Nationalspieler nach ihrer Rückkehr aus dem Trainingsbetrieb fernzuhalten. "Ich habe sie einfach regenerieren lassen und schicke sie erst in Hannover wieder auf die Platte", berichtete der 39-Jährige. Denn die Kraft brauchen seine Schützlinge. Noch sehr lange. Zumindest sagt Musa: "Ich hoffe, dass die Corona-Lage nicht eskaliert und wir die Saison zu Ende spielen können. Das wäre für den Handball wichtig."

In Hannover soll zudem die Serie halten: 16-mal in Folge haben die Grün-Roten nicht mehr verloren. Trotzdem mahnt Bennet Wiegert an: "Hannover ist eine unangenehme Mannschaft, die sicher nicht zu den Spitzenteams der Liga zählt, aber die an guten Tagen jeden Gegner schlagen kann." Wie es die MT Melsungen und die Rhein-Neckar Löwen in dieser Saison bereits erfahren mussten. Und Wiegert gefällt, dass der spanische TSV-Coach Carlos Ortega seine eigene Handschrift ins Spiel der Niedersachsen gebracht hat: "Auch wenn ich statt Gesichter und Trikots nur blaue Spieler sehen würde, würde ich Hannover-Burgdorf erkennen, da bin ich mir sicher." Das prägnante Kreisspiel ist dabei nur ein Erkennungsmerkmal.

Auch Zeljko Musa hat davor allenfalls Respekt, ganz sicher aber keine Furcht. "Wir haben das nach der WM sehr gut gemacht", lässt der Zwei-Meter-Mann die vergangenen Wochen Revue passieren. "Aber wir dürfen nicht zufrieden sein. Mit einer Niederlage kann man alles einreißen, was man sich aufgebaut hat." Vor allem in der European League, wo der SCM am kommenden Dienstag bereits zum Achtelfinal-Hinspiel bei Eurofarm Pelister in Nord-Mazedonien antreten muss (20.45 Uhr).

Einreißen wollen Musa und die Magdeburger aber nichts: "Wie in jeder Saison wollen wir einen Titel holen", betont Musa, der in allen Bundesliga-Partien dieser Saison dabei war und 21 Treffer markierte. Und er weiß, wie sich Titel anfühlen: Gleich in seiner ersten Serie in Magdeburg feierte er mit seiner Mannschaft den DHB-Pokal-Triumph.

Die Mannschaft ist zugleich Musas Antwort auf die Frage, was hinter der Erfolgsserie seit Ende November steckt. "Die Mannschaft ist homogen", sagt er zum Beispiel. "Und es ist egal, wer auf dem Feld steht, trotzdem läuft es für uns sehr gut, die Mannschaft ist unsere Stärke." Und sie habe die Qualität für weitere Erfolge. Was gebe es also Schöneres für den Kroaten, die Saison mit einem Titel zu beenden - so wie seine Reise in Magdeburg einst begonnen hat? "Das wäre natürlich schön, aber wir müssen mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben", betont Musa. Und im Fokus bleiben. Bis zum letzten Pfiff.