Handball

SC Magdeburg bestreitet letztes Spiel in Lemgo

Auch die gestandenen Handballer des Bundesligisten SCM konnten ihre Emotionen bei der Verabschiedung nicht zurückhalten. Bei ihrem letzten Spiel für Grün-Rot in Lemgo steht jedoch ein Fernduell im Fokus.

Von Lukas Reineke
SC Magdeburgs Torjäger Omar Ingi Magnusson hat  vor dem letzten Saisonspiel beim TBV Lemgo die Torjägerkanone weiterhin fest anvisiert.
SC Magdeburgs Torjäger Omar Ingi Magnusson hat vor dem letzten Saisonspiel beim TBV Lemgo die Torjägerkanone weiterhin fest anvisiert. Fotos (3): Eroll Popova

Magdeburg - Dass die Siegesserie des Handball-Bundesligisten SC Magdeburg beim 27:27 im letzten Heimspiel der Saison gegen die HSG Wetzlar gerissen ist, war am Donnerstagabend schnell vergessen. Zu emotional waren die Verabschiedungen nach der Schlusssirene. Justus Kluge stellte überrascht fest, dass es sich bei seiner Einlaufmusik um seinen Lieblingssong „Tondo“ von der Band Disclosure handelte. Natürlich hatten sich seine Gefährten im Vorfeld darüber Gedanken gemacht.

Ob sich Kluge und die anderen verabschiedeten Akteure Tobias Thulin, Christoph Steinert und Zeljko Musa auf diesen Moment vorbereitet haben oder spontan die emotionalen Worte gefunden haben, ließ sich nur erahnen. „Steini“, der zum HC Erlangen zurückgeht, hatte sich zumindest zwei Anekdoten zurechtgelegt. So erzählte er, wie er anderen von der Stimmung in der Getec-Arena nach seinem ersten Weggang 2010 berichtete. Er verglich es mit der englischen Premier League im Fußball. Nur die Magdeburger Fans sind „schöner als die Engländer und die Stimmung ist geiler“, sagte Steinert.

Stehende Ovationen

Auf ihren Ehrenrunden erhielten alle stehende Ovationen von den zum Großteil dagebliebenen 1500 Zuschauern. Da musste auch mal eine Träne verdrückt werden. Spätestens als sich Musa und Co. nacheinander von den aufgereihten Mitspielern sowie dem Trainer- und Betreuerteam mit innigen Umarmungen verabschiedeten, war spürbar, wie schwer dieser Moment für alle war.

Da kam auch Tobias Thulin, der sonst eine schwedische Ruhe ausstrahlt, aus sich heraus. Bei einem aufgeforderten Probeschrei nach künftigen Paraden ballte er die Fäuste, auch wenn es dem Torwart, der zum TBV Stuttgart wechselt, etwas unangenehm schien.

Besonders der Abschied von Zeljko Musa fiel keinem leicht. Nach sechs Jahren in Magdeburg kehrt der Kroate zurück in seine Heimat. Für sein letztes Heimspiel waren seine Frau und Kinder, die bereits wieder in Kroatien leben, in die Halle gekommen. „Ich bin zufrieden, dass ich nach Hause gehe. Aber ich bin auch unglücklich, dass ich den Verein und die Stadt verlasse, weil sie mir viel gegeben haben“, sagt Musa mit stockender Stimme.

Platz drei ist sicher

Auch wenn die offiziellen Verabschiedungen bereits erfolgt sind, werden Musa, Steinert, Thulin und Kluge noch einmal das SCM-Trikot tragen. Beim Saisonabschluss am Sonntag (13 Uhr/Sky) beim TBV Lemgo dürfte das Ergebnis aber wie gegen Wetzlar zweitrangig sein. Magdeburg hat Platz drei sicher, Lemgo ist als DHB-Pokalsieger für die European League in der neuen Serie qualifiziert.

Interessant bleibt hingegen das Duell um die Torjägerkanone der Liga. Magdeburgs Omar Ingi Magnusson (262 Tore) liegt aktuell knapp hinter Göppingens Marcel Schiller (263 Tore), der am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) in Ludwigshafen mit seiner Mannschaft aufläuft. Nach dem Triumph in der European League und einer fantastischen Bundesliga-Saison wäre der individuelle Titel das Sahnehäubchen auf die erste Spielzeit des Isländers beim SCM. Auch wenn der 24-Jährige dies anders beurteilt: „Die Mannschaft ist wichtiger. Ich möchte gute Entscheidungen treffen. Wenn ich eine gute Chance bekomme, möchte ich einfach ein Tor machen.“ Auch Trainer Bennet Wiegert sagt, er solle sich keinen Stress machen.

Dennoch dürften Magnussons Mitspieler dem Torjäger den einen oder anderen Ball mehr als sonst zupassen. Vielleicht gibt es dann einen Grund, um nach Abpfiff den Lieblingssong von Magnusson in der Kabine abzuspielen.