Handball / SCM

SCM sagt: Hvala, Zeljko Musa!

Hvala heißt auf Kroatisch Danke! Und ein großes Danke gebührt Zeljko Musa für seine Zeit beim SCM. Zur neuen Saison wechselt er nach Zagreb und wird heute Abend beim Spiel gegen Wetzlar (19 Uhr, Sky) in der Getec-Arena verabschiedet.

Von René Miller
Zeljko Musa ballt heute Abend zum letzten Mal im SCM-Trikot vor den eigenen Fans die Faust.
Zeljko Musa ballt heute Abend zum letzten Mal im SCM-Trikot vor den eigenen Fans die Faust. Foto: Popova

Magdeburg - Wenn in der Getec-Arena vor dem SCM-Training neben der Kabine eine Faszienrolle neben blauen Sportschuhen mit Größe 48 liegt, dann kann Zeljko Musa nicht weit weg sein. Auf die Rolle aus Hartschaum schwört der Kroate für sein körperliches Wohlbefinden und macht sich damit meist schon vor dem offiziellen Training warm. Und in seinen Schuhen hat er riesengroße Fußstapfen hinterlassen. Als Spieler, als Typ, als Mensch, als Symphatieträger.

Heute Abend gegen Wetzlar (19 Uhr, Sky) wird der Kroate letztmals seine Schuhe für ein Heimspiel schnüren. In bisher 185 Bundesliga-Spielen ging er seit 2015 für die Grün-Roten auf Torejagd (bisher 335 Bundesliga-Tore), schaffte Lücken für die Teamkollegen und hat am eigenen Kreis die Räume eng gemacht. „Ich wusste ja, dass dieser Tag irgendwann kommt. Und dass da zumindest 1500 Zuschauer in der Halle sein dürfen, ist wunderschön. Denn es waren sechs tolle Jahre. Der SCM und seine Fans werden immer in meinem Herzen sein. Und ich hoffe, dass ich schon bald in einem Champions-League-Spiel zurückkehren kann“, sagt Musa, der zum kroatischen Serienmeister RK Zagreb wechselt.

Abschied aus familiären Gründen

Den SCM zu verlassen, hat für den 35-Jährigen ausschließlich familiäre Gründe. Musa: „Meine Töchter Sara und Lucija sind jetzt zwölf und elf Jahre alt. Für einen Schulwechsel von Deutschland zurück in unsere Heimat war jetzt der richtige Zeitpunkt. Sonst wäre es schwieriger für die zwei geworden. Wir sind auch sehr dankbar dafür, wie uns die Lehrer damals geholfen haben, als unsere Mädels in die Schule kamen.“

Zwei Titel mit dem SCM

Weil die Mädels schon seit einem Jahr wieder in Zagreb zur Schule gehen, war Musa in seiner Abschiedssaison oft allein in Magdeburg. „Ich bin ein absoluter Familienmensch. Das ist dann schon mächtig komisch, wenn man nach den Spielen und dem Training nach Hause kommt und keiner da ist“, verrät Musa, der trotzdem seine Leistungen brachte und großen Anteil am Gewinn der European Handball League hatte. Musa: „Dass wir nach einigen nicht so erfolgreichen Final-Four-Turnieren jetzt endlich jubeln konnten, macht den Abschied aus Magdeburg leichter. Dass ich meine Zeit hier nach dem Pokalsieg auch noch mit dem Europacup-Titel krönen konnte, ist wunderschön. Man geht jetzt als Sieger. Der Titel ist auch wichtig für den Verein. Denn beim SCM wird unglaublich viel für den Erfolg getan. Als Spieler kannst du dich hier voll auf Handball konzentrieren.“

Grün-Rot und Magdeburg bleiben für immer im Herzen

Bei einer so langen Zeit gehört zum sportlichen Highlight natürlich auch ein Tiefpunkt. Und das war keine Niederlage im Kampf um einen Titel, sondern die Bundesliga-Niederlage gegen Hannover im November 2016. Damals bezog der SCM mit 22:37 die höchste Heimpleite seiner Bundesliga-Geschichte. Musa: „Bei minus 15 Toren kannst du nichts mehr erklären. Das war richtig peinlich. Die enttäuschten Gesichter unserer Fans habe ich auch heute noch vor Augen. Das ärgert mich deshalb immer noch mächtig.“

Dafür nimmt er mit seiner Familie auch die Erinnerungen an viele schöne private Stunden an der Elbe mit in die Heimat. Musa: „Magdeburg ist eine absolute Familienstadt. Auf den Spielplätzen im Stadtpark haben wir viele schöne Stunden verbracht. Und dass ich mit dem Fahrrad von der Wohnung zur Halle fahren konnte, habe ich auch sehr genossen.“

Trikot für den Papa

Dass den Zwei-Meter-Koloss auch die Gefühle übermannen können, hat er schon vergangenen Samstag beim Sieg gegen die Löwen gezeigt. Da kullerten einige Freudentränen, weil es für ihn und den SCM überhaupt der erste Auswärtssieg bei den Mannheimern war. Musa: „Dass wir auch diese Serie geknackt haben, passt wunderbar zu meinem Abschied.“

Unter den 1500 Fans wird heute auch Musas Frau Sanja sein. „Sie ist jetzt endlich wieder bei mir und will auch beim letzten Spiel an meiner Seite sein“, verrät Musa, der sein Trikot mit der Nummer 2 seinem Papa versprochen hat. Musa: „Das bekommt bei ihm einen Ehrenplatz, wird aber vorher noch von allen Spielern unterschrieben.“

Absolutes Vorbild im Team

Auch Trainer Bennet Wiegert wird nicht nur wie fast nach jeder Saison einen seiner Spieler verabschieden. Wiegert: „Zeljko hat mich seit Beginn meiner Cheftrainer-Tätigkeit begleitet. Dass er jetzt geht, ist deshalb schon speziell für mich. Zeljko ist ein absoluter Führungsspieler, der auch im absoluten Stress die Ruhe und Übersicht behält. Und er wusste immer, wann es wichtig ist, etwas zu sagen und ich da auch nicht immer in der Kabine dabei sein muss.“