Magdeburg/Hamburg l Peter Kadiru genießt in diesen Tagen jede Sekunde. Denn wenn er am Sonnabend (22.30 Uhr, MDR) in seiner Heimatstadt als Profi in den Ring steigen wird, geht für ihn schon ein kleiner Traum in Erfüllung. „In Hamburg zu boxen, hat für mich natürlich einen ganz besonderen Reiz. Viele Freunde werden kommen. Und auch meine Mama sitzt erstmals am Ring. Da bin ich schon etwas aufgeregt und will einen guten Kampf zeigen“, erzählt der Schwergewichtler.

Schließlich warten danach in der Küche von Mama Janet leckere afrikanische Gerichte wie Banku und Fufu. Und für die Mama verzichtet Kadiru übrigens auf Tattoos. „Das kommt für mich nicht infrage. Da wäre Mama böse auf mich“, hat er der Volksstimme verraten.

Kein netter Gegner

Zu seinen Gegnern war der in Hamburg-Altona aufgewachsene Sohn ghanaischer Eltern bisher nicht so nett. Alle seine ersten sechs Kämpfe als Profi hat er gewonnen. Zwei davon sogar vorzeitig durch K.o. Das Highlight dabei war natürlich der Auftritt in Las Vegas, als Kadiru im Vorprogramm des Duells von Tyson Fury gegen Tom Schwarz in den Ring durfte.

Nun wartet bereits der erste Titel auf den 22-Jährigen. Beim von SES und dem Hamburger EC-Stall in der mit 3000 Zuschauern ausverkauften edel-optics.de Arena im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg organisierten Veranstaltung geht es im Duell mit dem Tschechen Tomas Salek um die Junioren-WM des Weltverbandes WBC.

Eine große Chance

Junioren-Weltmeister durften sich im SES-Stall einst auch schon Robert Stieglitz und Dominic Bösel im Halbschwergewicht nennen. Tom Schwarz trug als Schwergewichtler ebenfalls einst den Gürtel im Junioren-Bereich. Nach einer so kurzen Zeit als Profi diese Chance zu bekommen, ist aber fast einmalig. Der Jugendolympiasieger von 2014 wechselte ja erst im vergangenen Februar in den Profi-Bereich. Kadiru: „Jetzt schon meinen ersten Titel gewinnen zu können, ist eine große Chance für mich.“ Und die will er auch nutzen. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Schwergewichtlern. Die halten sich gerne zurück, boxen lieber gegen schwächere Gegner, um mit einer makellosen Bilanz für ganz große Kämpfe zu werben. Sollte Kadiru nach acht Runden gegen seinen SES-Kollegen Salek verlieren, wäre das kein Problem.

Auch nicht für den gemeinsamen Promoter Ulf Steinforth. „Bei diesem Duell schlagen natürlich zwei Herzen in meiner Brust. Aber der Kampf macht für beide Sinn. Denn beide sind jung. Die K.o.-Quote spricht für Tomas, die technischen Fähigkeiten für Peter. Es wird spannend.“ Beide kennen sich auch noch aus ihrer Amateurzeit, haben dort allerdings nie in einem echten Duell gegeneinander geboxt. Tomas Salek: „Wir kennen uns aber aus einigen Sparringseinheiten. Doch Profiboxen und ein Titelkampf sind etwas ganz anderes.“

Obwohl der Tscheche erst 21 Jahre alt ist, bestritt er schon zwölf Kämpfe. Und von seinen elf Siegen konnte er neun vorzeitig feiern. Kadiru erklärt: „Er hat einen harten Schlag, aber darauf bin ich vorbereitet. Fürchten werde ich mich davor nicht.“ Schließlich hat ihm seine Mama gesagt, dass sie es nicht ertragen kann, wenn ihr Peter schwere Schläge einstecken muss.