Magdeburg l Ulf Steinforths Fazit zum ablaufenden Jahr ist kurz und treffend zugleich. „Erfolgreich und anstrengend“, sagt der Chef des SES-Boxstalls und weiß bei den Höhepunkten gar nicht so richtig, wo er am besten anfangen soll. Die Volksstimme blickt zurück auf ein Jahr, das für die Magdeburger herausragend war.

Wichtigster SES-Titel

Die WBA-Interimsweltmeisterschaft im Halbschwergewicht von Dominic Bösel überragt alles. Der 30-Jährige hat sich und SES durch den K.o.-Sieg gegen den Schweden Sven Fornling im November in Halle einen Traum erfüllt.

„Mir liegen natürlich alle meine Jungs am Herzen“, sagt Ulf Steinforth. „Aber Dominic ist durch diesen Titel unser Aushängeschild. Sein Triumph war sportlich das absolute Top-Ereignis für uns im ablaufenden Jahr.“ Großen Anteil daran hat auch Trainer Dirk Dzemski, der seit März wieder in der Ecke von Bösel steht.

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Weitere SES-Gürtel

Vor dem WM-Triumph hatte Bösel im April gegen den Kosovaren Timy Shala seinen EM-Titel verteidigt. Für die WM-Chance musste er diesen aber niederlegen.

Genauso wie Agit Kabayel im Schwergewicht. Der hatte den kontinentalen Titel Anfang März im Magdeburger Maritim-Hotel gegen den Ukrainer Andrej Rudenko verteidigt.

Mit Nina Meinke hat SES noch eine weitere aktuelle Europameisterin im Federgewicht. Stefan Härtel ist WBO-Inter-Conti-Champion im Super-Mittelgewicht. Fabiana Bytiqi verteidigte zum zweiten Mal ihren WBC-Weltmeistertitel im Atomgewicht. Jurgen Uldedaj eroberte im Mai in der Magdeburger Stadthalle mit gebrochener Hand den Junioren-WM-Titel der WBC und hält außerdem noch diesen Gürtel bei der WBO.

Roman Fress, der vom einstigen SES-Aushängeschild Robert Stieglitz trainiert wird, ist aktueller Deutscher Meister im Cruisergewicht.

SES-Kampf des Jahres

Was sich Robin Krasniqi und Stefan Härtel im Mai in der Stadthalle von Magdeburg im Ring lieferten, riss die Fans von den Sitzen. In einer wahren Ringschlacht über die vollen zwölf Runden nahm Härtel seinem Stall-Kollegen nach Punkten den Gürtel des Europameisters im Supermittelgewicht ab. „Von diesem Kampf bin ich heute noch begeistert“, schwärmt auch Steinforth.

Weil vertraglich ein Rückkampf vereinbart war, konnte Härtel den Gürtel aber nicht pflichtverteidigen und musste ihn niederlegen. Der für November geplante Rückkampf fiel wegen einer Ellbogenverletzung von Krasniqi aber aus.

SES-Spektakel des Jahres

Im legendären MGM-Hotel war für Schwarz zwar schon in der zweiten Runde der Traum vorbei. Aber rund um diesen Kampf hatte Schwarz viel Werbung für sich und SES gemacht. „Vom Erlebnis und der Erfahrung her, war das ein ganz spezielles Highlight in diesem Jahr“, urteilt Ulf Steinforth.

Mit einem Sieg über Ilja Mezencev im Kampf um den IBF-International-Titel meldete sich Schwarz im September in der Magdeburger Stadthalle zurück.

SES-Auszeichnungen

Die erfolgreiche Arbeit der SES-Crew wurde auch durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt. Der europäische Boxverband (EBU) ehrte Steinforth als „Promoter des Jahres Europa". Und der Bund Deutscher  Berufsboxer (BDB) zeichnete ihn als „Erfolgreichsten BDB-Promoter des Jahrzehnts" aus. „Darauf bin ich mächtig stolz", sagt Steinforth.

Beim BDB wurden auch Dominic Bösel zum „Boxer des Jahres" und Nina Meinke zur „Boxerin des Jahres" gewählt. Und das Duell zwischen Krasniqi und Härtel war für die EBU der „Kampf des Jahres Europa".

SES-Aufsteiger des Jahres

Peter Kadiru kam im Februar zu SES und hat inzwischen sechs Kämpfe im Schwergewicht bestritten. Die gewann das Mega-Talent aus Hamburg klar. Er will sich nun im Januar gegen SES-Kollege Tomas Salek mit der WBC-Junioren-WM den ersten Profi-Titel erkämpfen.

SES-Enttäuschung des Jahres

Adam Deines war im Juni ausgezogen, um die Boxwelt zu erobern. Mit einem Sieg in Macau gegen den Chinesen Fanlong Meng wäre der Halbschwergewichtler Pflichtherausforderer bei der IBF geworden. Doch Deines wirkte im Ring verkrampft und verlor klar nach Punkten. „Darüber ärgere ich micht heute noch", sagt Deines.

SES-Aussichten für 2020

Nachdem Agit Kabayel einen Vertrag beim US-Sportsendergiganten ESPN unterschrieben hat, wird er am 18. Januar seinen ersten Kampf in den USA bestreiten. Steinforth ist sicher: „Eine ganz spannende Geschichte."

Auch auf Bösel wartet möglicherweise im Duell um den regulären WBA-Titel ein spektakulärer Kampf gegen den Kanadier Jean Pascal, der in der Nacht zu gestern Badou Jack bezwungen hat.