Magdeburg l Am fehlenden Schlaf wird es Dominic Bösel nicht mangeln, wenn er heute Abend in der Getec-Arena in den Ring steigt. Vor seinem Kampf im Halbschwergewicht (ab 23.15 Uhr in der ARD) gegen Robin Krasniqi hat der Interims-Champion der WBA und WBO-Titelträger nämlich auf das Hotel verzichtet und zu Hause in Freyburg im eigenen Bett geschlafen. „Da kann ich bis zum Mittag richtig ausschlafen. Im Hotel ist das manchmal schwierig. Da passt das Bett nicht oder man wird durch irgendetwas geweckt. So habe ich definitiv meine Ruhe“, verrät Bösel.

Im Sparring früher oft gegeneinander gekämpft

Wenn er irgendwann am Sonntag wieder nach Hause kommt, dann will er natürlich auch seine zwei Gürtel weiterhin im Gepäck haben. Bösel: „Ich bin top vorbereitet und kenne Robin auch sehr gut. Ich wüsste deshalb nicht, wie er mich schlagen will. Ich bin auf alles vorbereitet. Wenn er Tempo macht, dann gehe ich mit.“ Beide haben vor zehn Jahren zusammen bei SES begonnen, am Anfang sogar gemeinsames Sparring gemacht. Bösel: „Da er schon Profi-Erfahrung hatte, war er anfangs überlegen. Aber das hat sich schnell geändert. Ich hatte ihn dabei auch schon am Boden. Ich weiß also, was auf mich zukommt.“

Die Halle ist für Bösel, der als Profi bisher 30 Kämpfe gewonnen und einen verloren hat, auch nicht neu. Im April 2011 hat er bei einem WM-Kampf von Robert Stieglitz in einem der Vorkämpfe schon mal in der Getec-Arena geboxt. Robin Krasniqi übrigens in derselben Veranstaltung auch.

Weil Krasniqi lange in Magdeburg gelebt hat, dürften auch viele Zuschauer auf seiner Seite sein. „Die Halle ist ja eh leider nur zu einem Drittel gefüllt. Und ich denke, dass seine Fans nach einigen Runden auch schnell leise sind“, so Bösel.

Elf Monate Pause für Bösel kein Problem

Dass Krasniqi davon spricht, schon gegen Boxer mit größeren Namen gekämpft zu haben, bestätigt Bösel auch. Aber mit einem deutlichen Fingerzeig. „Natürlich hat er unter anderem schon gegen Arthur Abraham im Ring gestanden. Aber er hat ja bisher alle seine großen Kämpfe verloren. Dafür kann man sich eigentlich nicht rühmen“, kontert Bösel. Dass Krasniqi im August gegen Stanislav Eschner noch mal Kampferfahrung sammeln konnte, nimmt der Champion auch gelassen. Bösel: „Ich habe gegen Eschner schon im Sparring geboxt und wundere mich deshalb, warum sich Robin gegen ihn so schwer getan hat.“

Bösels letzter Kampf ist inzwischen elf Monate her. Da ist ein bisschen Ringrost nicht ausgeschlossen. „Klar ist das eine lange Pause, und ich hätte auch viel lieber wie geplant im März geboxt. Aber vor dem Kampf gegen Fornling hatte ich auch sieben Monate Pause. Mein Wettkampfrhythmus war also schon vor Corona nicht viel anders. Ich bin das gewohnt“, so Bösel, der gestern 79,2 Kilo auf die Waage brachte. Bei Krasniqi blieb der Zeiger bei 79,1 Kilo stehen.

Trainer Dirk Dzemski optimistisch

Von Trainer Dirk Dzemski waren auch keinerlei Probleme in der Vorbereitung zu hören. Dzemski: „Ich bin sehr zufrieden. Da lief wirklich alles nach Plan. Und wir konnten auch rechtzeitig genug, den 10. Oktober direkt ins Visier nehmen.“ Dass der Gegner gut bekannt ist, sieht auch Bösels Coach gelassen. Dzemski: „Dicke Kumpels waren Dominic und Robin ja nicht. Durch die gemeinsame Zeit haben wir natürlich alle Respekt voreinander. Aber irgendwelche Rücksicht wird nicht genommen. Wir haben große Ziele – und für die steht uns Robin im Weg.“

Für Henry Maske ist Bösel ein Hoffnungsträger

Wie schon beim Kampf gegen Fornling wird auch heute Abend Henry Maske als TV-Experte am Ring sitzen. Und der frühere Halbschwergewichts-Weltmeister ist von Bösel sehr angetan. Maske: „Ich freue mich, dass es jemanden gibt, der wieder Hoffnung schürt.Und ich habe ihn ja auch ein bisschen kennengelernt und weiß, wie er über die ganzen Dinge nachdenkt.“ Das dürfte Bösels Brust noch breiter machen. „Schön, dass er bei meinem Kampf wieder dabei ist und mich so einschätzt“, freut sich der 30-Jährige.