Magdeburg l Robert Stieglitz guckt ein bisschen ratlos. Erst waren die Bandagen ein bisschen fest, dann ein bisschen zu locker. Tausende Male wurden ihm in seiner Karriere von seinem Trainer die Hände getapt. Jetzt muss der 36-Jährige seinem Schützling Roman Fress die Fäuste wickeln. „Ich habe es diese Woche tatsächlich zum allerersten Mal selber gemacht, das war schon ungewöhnlich. Mir fehlte ein bisschen das Gefühl“, sagt Stieglitz. Am Sonnabend muss alles klappen. Dann gibt Fress sein Profidebüt beim SES-Kampfabend in der Hallenser Erdgas-Sportarena (live im MDR ab 22.50 Uhr) gegen Ralf Sawetski – und für Stieglitz wird es das Debüt als Trainer.

Karriereende im Mai 2017

Nach einer langen Karriere mit den unvergessenen „Schlachten“ gegen Artur Abraham beendete Stieglitz im Mai 2017 seine lange Karriere als Profi. Zwar hat er inzwischen ein paar Kilo zugelegt, trotzdem könnte er sofort wieder in den Boxring steigen. Der Magdeburger ist immer noch top-fit. „Ja, ich bin in sehr guter Verfassung. Ich habe im Training viele Sachen mitgemacht: Kraft- und Laufeinheiten, aber auch technisch-taktische Übungen“, erläutert Stieglitz.

Die Umstellung vom Ring an die Ecke ist Stieglitz nach eigenen Angaben bisher gut gelungen. „Ich werde das oft gefragt: Aber mich ,juckt‘ es wirklich nicht mehr in den Fäusten. Ich möchte stattdessen meine Erfahrung weitergeben und meine neue Zeit als Trainer genießen“, erklärt Stieglitz mit großer Überzeugung in der Stimme.

Stieglitz setzt auf gute Mischung

Als Trainer versucht Stieglitz eine Mischung zu finden – aus seinen Trainern Werner Kirsch, Torsten Schmitz und Dirk Dzemski. „Sie waren alle sehr unterschiedlich, haben mich aber alle geprägt“, erzählt Stieglitz. „Kirsch war wie ein Vater für mich. Schmitz hat mich auf ein neues Niveau geführt und zum Weltmeister gemacht. Und mit Dirk habe ich mehrmals meine Titel verteidigt“, blickt Stieglitz zurück. „Alle drei waren Weltklasse – ich werde sicher von jedem etwas in mein Trainingsprogramm übernehmen.“

Bei SES betreut Stieglitz Schwergewichtler Roman Fress. Der 23-jährige Troisdorfer wurde im Dezember vom Magdeburger Boxstall verpflichtet und soll nach erfolgreichen Kämpfen als Amateur nun behutsam an eine Profi-Karriere herangeführt werden. Erster Gegner in Halle ist im Cruisergewicht-Limit Lokalmatador Ralf Sawetski. Seinem Schützling versucht Stieglitz vor allem Selbstvertrauen zu vermitteln. „Ich weiß, was mein Sportler kann“, sagt er. Und die eigene Anspannung vor der Trainer-Premiere hat Stieglitz auch im Griff – da haut ihn nichts um. „Momentan bin ich ganz ruhig und gelassen – ich habe ja auch selber alles erlebt.“