Yeosu/Magdeburg l Passionierte Vielstarterin oder warum sich Finnia Wunram nach den zehn und fünf Kilometern noch einen Marathon antut: Die 23-Jährige vom SC Magdeburg springt bei der Freiwasser-WM in Südkorea als Erste an diesem Sonntag (1 Uhr/MESZ) ins Wasser des Ocean Park von Yeosu und entsteigt diesem als Letzte am 19. Juli nach den 25 Kilometern. Dafür muss man ziemlich viel Leidenschaft für seinen Sport empfinden. Aber nicht nur: „Ich bin da ganz ehrlich: Es geht mir auch um das Preisgeld“, sagt Wunram zur Chance, mit einem Platz unter den ersten acht Damen einen finanziellen Gewinn zu erzielen. Aber das ist nicht der einzige Grund: „Es ist auch eine mentale Herausforderung.“

Die mentale Herausforderung geht der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn seit geraumer Zeit mit der Sportpsychologin Christine Stucke an. In den Sitzungen sprechen sie über die Taktik oder über die Einstellung im harten Zweikampf mit der Konkurrenz. Freiwasser-Rennen gehören ja nicht zu den Disziplinen für zartbesaitete Athletinnen. „Das arbeiten wir aus, auch meine Gedanken in diesen Situationen“, berichtet Wunram.

Zierlich und zäh

Der Positionskampf war ja immer so etwas wie ihre Achillesferse, aber das hat sich inzwischen geändert. Und musste sich ändern zu dieser WM, in der es über die zehn Kilometer für alle um einen Top-Ten-Platz und damit um das Olympia-Ticket für Tokio geht. In ihrem 1,64 Meter großen, zierlichen Körper verbirgt sich ein zäher Wille, den sie ebenfalls benötigt. „Manche teilen gut aus, vor allem unter Wasser, wo es die Schiedsrichter nicht sehen“, erklärt Wunram. „Und gerade wenn es um Olympia geht, geht es auch noch heftiger zur Sache.“ Vor allem die Damen aus Australien, China oder Japan sind dabei aggressiver als andere, weiß sie aus Erfahrung.

Ihre Erfahrung besagt außerdem, dass Süßkartoffeln oder Reis, wie sie sonst bei den Weltcups in Chun‘an in China bereits am Morgen angeboten werden, ihr nicht sonderlich guttun. Deshalb hat Finnia Wunram auch nach Yeosu wieder ihre eigenen Haferflocken mitgebracht. „Das gibt mir einfach Sicherheit“, sagt sie. Und immerhin werden die Rennen bereits um 8 Uhr Ortszeit gestartet. Da ist Vorsicht geboten bei der Nahrungsaufnahme. Was sie aufnehmen muss, ist Energie – auch im Wettkampf. Denn mehr als bei jedem anderen Rennen wird es diesmal auf den klaren Kopf für die Taktik ankommen. „Ich bin gespannt, wie es ablaufen wird“, sagt Wunram.

Früher ist sie gerne an der Spitze geschwommen. „Ich denke aber, bei der Schwüle ist es schwierig, das Rennen von vorne anzugehen. Das zerrt zu sehr an den Kräften.“ Die will sie nun nicht vorzeitig verschwenden im Rennen. Nicht für den Posi- tionskampf, nicht für den Endspurt ums Olympia-Ticket. Und alles, was nach den zehn Kilometern kommt, sagt sie, „ist Bonus“. Auch der Marathon.