Obrigheim l Wie packend ein Wettkampf der Eisenstemmer sein kann, bewiesen am Sonnabend die 20 Herberinnen und Heber, die in der mit 1200 Zuschauern seit Wochen ausverkauften Obrigheimer Neckarhalle den Bundesliga-Endkampf bestritten. In einem „Wimpernschlag-Finale“ drehte der SSV Samswegen einen 26-Punkte-Rückstand aus dem Reißen noch zu seinem dritten Meisterschaftsgold. Der SV bezwang den Gastgeber mit 948,5:941,6. Dritter wurde AC Mutterstadt mit 843,6 Zählern.

Nur wenige hatten zur Wettkampfhalbzeit an einen glücklichen Ausgang geglaubt. Nicht so Samswegens Trainer Stefan Bruse: „Ich wusste, dass wir im Stoßen unsere eigentliche Stärke besitzen. Dass wir Obrigheim aber noch so deutlich hinter uns lassen, hat mich doch überrascht.“

Mit sechs Fehlversuchen im Reißen hatten die Bördeheber mindestens 20 Zähler „liegengelassen“, während die Gastgeber unter dem tosenden Applaus ihrer Fans mit großer Sicherheit beeindruckten. Samswegens zwischenzeitlicher Rückstand auf Obrigheim war während der zweiten Teildisziplin, dem Stoßen, sogar auf 35 Punkte angewachsen. Die Wende zu Gunsten der Sachsen-Anhalter brachten Samswegens Superschwere erst im letzten Abschnitt des Duells auf Augenhöhe. Als die Obrigheimer schon ihren Wettkampf beendet hatten, trumpften der Pole Arkadius Michalski und der Tscheche Jiri Orsag erst richtig auf. Nachdem Michalski 209 Kilo und Orsag 215 Kilo in ihren ersten Anläufen bewältigt hatten, übernahm Samswegen (929,5:925,6) erstmals die Führung, die nicht mehr abgeben werden sollte.

Bester Mann: Arkadius Michalski

Bester Samsweger Akteur des Final-Abends war Michalski mit 180 Punkten. Ein beeindruckendes Comeback lieferte nach mehrwöchiger Trainingspause im Winter der für Samswegen startende Robert Joachim, der als Einziger alle sechs Versuche und 170 Zähler in die Wertung brachte. „Ich kann es noch nicht so richtig glauben“, strahlte Joachim, der mit seinem Ex-Verein Berliner TSC nie deutscher Meister geworden war, „aber endlich hat es mit Samswegen geklappt. Ich hatte zwar gesagt, dass ich aufhören wollte, wenn ich Mannschaftsmeister bin, aber das ist Quatsch. Ich hebe weiter für Samswegen.“ Auch der Siebente der EM, Jiri Orsag, freute sich über seinen ersten Mannschaftstitel: „Ich bin glücklich, dass ich Samswegen helfen konnte. Und wenn man mich braucht, hebe ich gern weiter für mein Team.“

Anerkennung gab es auch von den Gastgebern. Deren langjähriger Chef, Herbert Ehrbahr, sagte: „Der Ausgang des Finales ist okay. Samswegen hat verdient gewonnen.“ Alexander Heib, Vizepräsident des Bundes Deutscher Gewichtheber (BVDG) und Chef der Gewichtheber-Bundesliga, gestand: „Dieses Ergebnis hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Das Finale und das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Samswegen und Obrigheim war eine beeindruckende Werbung für unsere Sportart.“

Ergebnisse Samswegen: Michalski 110,0 kg Körpergewicht/170 kg Reißen/218 kg Stoßen/388 kg Zweikampf/180,0 Punkte; Joachim 69,0/134/166/300/170,0; Müller 84,3/150/186/336/167,4; Orsag 130,0/165/225/390/165,0; Gutu 70,5/133/155/288/152,0; Eckhardt 98,7/-/173/173/76; Hertrampf 89,9/128/-/128/38,1