Magdeburg l Weil eine Agentur derzeit Yul Oeltze zu einem Markennamen aufbaut, muss er auch mal Dinge bewerben und probieren, die er noch nie probiert hat. Neulich also verzehrte der Kanute vom SC Magdeburg das vegane Brot eines Sponsors. „Frisch aus dem Ofen, richtig lecker“, urteilt Oeltze zur Nahrungsaufnahme ohne tierische Ergänzungsmittel am Frühstückstisch.

Dem Sponsor wird die Geschmacksexplosion in Oeltzes Gaumen gefreut haben, er selbst freut sich derweil auf die nächste sportliche Bombe, die bei den European Games in Minsk (Weißrussland) einschlagen soll. Dort geht es für ihn und Canadier-Partner Peter Kretschmer im C2 über 1000 Meter um den EM-Titel, es wäre ihr dritter in Folge. Am 26. Juni steigt das Finale.

Dass es sich um ein Titelrennen handelt, hat Oeltze bis Donnerstag noch gar nicht gewusst. Tatsächlich sind die Kanuten und die Judoka die einzigen, die bei den Games ihre Europameister suchen. „Wir wollen jedes Rennen gewinnen, das ist unser Anspruch“, erklärt der Schützling von Trainer Detlef Hummelt. „Aber wenn es einhergeht mit einer Titelchance, umso besser.“

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Der 25-Jährige und Kretschmer fahren seit zwei Jahren das beste Boot der Welt, mit jeweils zwei EM- und Weltmeisterschaftstiteln. Bis zum jüngsten Weltcup in Duisburg waren sie zudem ungeschlagen, ehe sie von den Chinesen auf Platz zwei verwiesen wurden. „Da haben wir beide den Substanzverlust der Wochen zuvor gemerkt“, erinnert sich Oeltze, der sich mit Kretschmer über insgesamt vier Rennen – zwei nationale, zwei internationale – im Kampf ums WM-Ticket für Szeged (Ungarn/21. bis 25. August) verbandsintern gegen Sebastian Brendel und Jan Vandrey durchsetzen musste. „Das war schon zermürbend, auch für den Kopf“, sagt Oeltze.

Fritz kämpft ums WM-Ticket

Vier Tage Pause hatte er sich nach Duisburg gegönnt. Sein Körper meldete Qual, als er sich dann wieder ins Boot begab. „Es ist eine schwierige Aufgabe, sich nach der ersten harten Wettkampfphase wieder in diesen Modus reinzuzwängen.“ Deshalb würde er eigentlich lieber weitertrainieren für den WM-Aufbau. Andererseits betont Oeltze: „Für uns sind Rennen auch immer die beste Trainingseinheit.“

Für Jasmin Fritz geht es in Minsk um weitaus mehr als ein besseres Training. Im Zweier-Kajak über die olympischen 500 Meter muss sie erneut ihr Leistungspotenzial nachweisen. Denn: „Ich bin zwar für die WM qualifiziert, weiß aber noch nicht, ob ich in einer olympischen Bootsklasse starte“, berichtet die 23-Jährige. Gemeinsam mit Steffi Kriegerstein will der Schützling von Coach Eckhard Leue den Deutschen Kanuverband im Finale von Minsk überzeugen, dass sie bei der WM um einen der sechs Quotenplätze für die Sommerspiele 2020 in Tokio kämpfen kann.

Beide Damen gewannen 2018 EM- und WM-Bronze in jenem Boot, haben in dieser Saison allerdings nur wenige Trainingseinheiten gemeinsam absolviert. Trotzdem sagt Fritz über die letzten Fahrten in der EM-Vorbereitung in Duisburg: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so schnell wieder finden.“ Was sie optimistisch stimmt für Minsk. Und die Tatsache, dass dort „eine riesige Stimmung“ sein soll. „Ich bin gespannt“, blickt Fritz voraus – in jeglicher Hinsicht.