Duisburg/Magdeburg l Yul Oeltze hat nach seinem Finale sogleich ein Foto von der Siegerehrung über „Facebook“ verschickt. Darauf zu sehen sind alle sechs Canadier-Fahrer, die beim Kanu-Weltcup am gestrigen Sonntag in Duisburg im C2 über 1000 Meter aufs Podest gefahren sind. Alle lachten in die Kamera. Aber am meisten lachten die Herren Liu Hao und Zheng Pengfei aus China – und zeigten zudem mit Zeige- und Mittelfinger das „Victory“-Zeichen. Das Zeichen des Sieges.

Es ist also passiert, die Serie ist gerissen: Oeltze vom SC Magdeburg und sein Leipziger Partner Kretschmer mussten ihre erste Niederlage nach zwei Jahren hinnehmen. Nach einem harten und langen Kampf in jenem Endlauf, in dem sie zur Hälfte mit einer halben Bootslänge führten, fuhren die Chinesen nach 3:25,394 Minuten als Erste ins Ziel. 1,510 Sekunden später folgte das Duo des Deutschen Kanuverbandes (DKV). „Yul war enttäuscht über die Niederlage“, berichtete sein Heimtrainer Detlef Hummelt, während er an der Startlinie zum Abschlussrennen im C1 über 5000 Meter seinen Schützling beobachtete. Nach Platz fünf über 200 Meter belegte der 25-jährige Oeltze über die Marathon-Distanz den dritten Rang. „Sie sind zwar beherzt aus dem Start gekommen. Aber man hat auch gesehen, dass ihnen zum Ende hin die Spritzigkeit gefehlt hat“, resümierte Hummelt.

Hummelt begründete dies mit den Belastungen der vergangenen Wochen, in denen Oeltze erst bei zwei nationalen Regatten und dann beim Weltcup in Polen auch international ums Ticket für die Weltmeisterschaften in Szeged (Ungarn/21. bis 25. August) kämpfen musste. Und zwar gegen Sebastian Brendel/Jan Vandrey.

Oeltzes Ansage für die WM

Weil die Bedingungen auf dem Maltasee in Poznan äußerst mies waren, wurde das entscheidende Rennen nach Duisburg verlegt. Aber auch diesmal hatten Oeltze/Kretschmer die Nase vorn. Die Olympiasieger aus Potsdam wurden nur Vierte mit 3,36 Sekunden Rückstand auf die zweimaligen Weltmeister. „Wir waren zunächst ein bisschen angesäuert“, meinte Oeltze am Abend zum zweiten Platz. „Aber traurig waren wir nicht. Wir haben trotzdem unser Ziel erreicht. Und das in einem megageilen Rennen, das uns riesigen Spaß gemacht hat.“ Zudem ließ der Magdeburger eine Ansage folgen: „Die Rache kommt bei der WM.“

Auch für Michael Müller könnten sich die Träume von der WM erfüllen. „Die Chancen stehen für ihn sehr gut“, erklärte Hummelt. Zwar kam der 26-Jährige über das B-Finale im C1 über die nichtolympischen 500 Meter nicht hinaus. Doch dieses gewann er umso deutlicher: Mit 1:47,301 Minuten – seiner Bestzeit auf dieser Distanz – wäre Müller im A-Finale Fünfter geworden. „Mit meiner Bestzeit bin ich zufrieden“, sagte Müller. „Ich habe noch mal gezeigt, dass ich schneller als im Halbfinale sein kann.“

Ihr Szeged-Ticket dürften auch Jasmin Fritz vom SCM und Steffi Kriegerstein gelöst haben. Die WM-Dritten des vergangenen Jahres wurden in Duisburg im Kajak-Zweier über 500 Meter Fünfte in 1:42,617 Minuten. Damit waren sie bestes DKV-Boot, ihr Rückstand auf eine Medaille betrug nur 0,423 Sekunden. Es gewannen Manon Hostens/Sarah Guyot (Frankreich) in 1:41,279 Minuten. Julia Hergert (SCM) erreichte mit Jule Hake den fünften Rang im B-Finale.

Magdeburgs Bundesstützpunktleiter Björn Bach war Augenzeuge des Endlaufs am Sonnabend und stellte fest: „Jasmin und Steffi haben bis zur Hälfte um die Medaillen gekämpft. Aber ihren gewohnt starken Endspurt konnte sie nach nur drei gemeinsamen Trainingstagen noch nicht zeigen.“ Dennoch hofft nicht nur die 23-jährige Fritz, sondern auch Bach, „dass der Verband diesem Boot das Vertrauen für die WM ausspricht“. Die Entscheidung treffen die Verantwortlichen um Sportdirektor Jens Kahl in den nächsten Tagen.