Magdeburg l Am Freitag wird David Wrobel wieder mit der Scheibe in der rechten Hand einige Meter vor den Ring treten, wird einen Blick ins Feld werfen, womöglich eine Meteranzeige ins Visier nehmen und dem zwei Kilo schweren Gerät zuflüstern: „O du meine Scheibe, dahinten ist dein Ziel.“

12.500 Zuschauer werden sein typisches Ritual vor jedem Wurf verfolgen, so viele Menschen fiebern dem Indoor-Istaf in der Berliner Mercedes-Benz Arena entgegen. Diskus-Hüne Wrobel vom SCM ist wie Martin Wierig einer der letzten Athleten, die das Publikum bejubeln wird. Ihr Wettkampf beginnt erst um 21.15 Uhr.

Nicht nur Spaß haben

Und beide Magdeburger werden denken: endlich wieder ein Wettkampf. „Das ist eine gute Möglichkeit, einfach mal aus dem Trainingstrott rauszukommen“, sagt Wierig, der bei der siebten Auflage zum siebten Mal am Start ist. „Ich denke, ich bin der einzige Diskuswerfer, der in jedem Jahr dabei war.“ Und der es in jedem Jahr aufs Neue genossen hat.

Aber nicht annähernd so sehr, wie der deutsche Meister den 4. Januar genossen hat. An jenem Tag hat er nämlich seiner Anna, nunmehr geborene Rüh, das Ja-Wort gegeben. Der Höhepunkt seines Jahres. „Zumindest, was das Persönliche angeht, kann ich das nicht mehr steigern“, sagt der 32-Jährige lächelnd. „Das war ein sehr guter Start ins Jahr.“ Welches am 1. August übrigens den nächsten Höhepunkt finden soll. Auch für Wrobel. Dann treffen sich die besten Werfer der Welt ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit zum Vorkampf bei den Olympischen Spielen in Tokio (Japan).

Neue Impulse gesetzt

Für die Vorbereitung auf die Qualifikation haben Wierig, Wrobel und ihr Trainer Armin Lemme die vergangene Saison analysiert und sind zur Erkenntnis gekommen: „Technisch sind wir nicht schlechter als die Kunkurrenten, aber die werfen mit einer unheimlichen Kraft und Wucht“, berichtet Wierig. Deshalb haben sich die grün-roten Männer gesagt: „Wir müssen neue Impulse setzen“, sagt Wrobel. Und dies mit neuen Kraftübungen. Die heißen „Butterfly mit Gewichten“ oder „drei Kilo schwere Kugeln liegend in die Luft werfen“, so Wrobel. Alles für eine bessere Spannung in der Brust. Alles, „um auch mal technisch schlechtere Würfe kompensieren zu können“, ergänzt Wierig.

Mit kraftvollen Würfen wollen sie beide nämlich alsbald die so genannte „Supernorm“ des Leichtathetik-Weltverbandes IAAF für die Sommerspiele, die mit der Vorgabe des deutschen Verbandes identisch ist, knacken: 66,00 Meter nämlich.

Olympianorm: 66 Meter

Dann haben die Herren die internationalen Kriterien für ihren Olympia-Start erfüllt. Für Wrobel bedeutet diese zugleich: Er muss seine bisherige Bestleistung (65,98) um zwei Zentimeter steigern. „Ich bin mir sicher, dass die 66 in diesem Jahr fällig ist“, betont er. Wierig hat diese Weite als bester Deutscher der vergangenen Saison um vier Zentimeter übertroffen, so wie er in fast allen Wettbewerben der beste Deutsche war. „Die Stellung will ich auch in diesem Jahr verteidigen.“

Die Herren Kraft und Wucht, wahlweise austauschbar, würden sich dann freuen, „wenn wir diese Norm beim Winterwurf-Europacup abhaken können“. Um in Leiria (Portugal/21./22. März) anzutreten, müssen sich beide am 25. Februar bei einem Ausscheid in Kienbaum durchsetzen. So wie tags zuvor Anna Wierig bei den Frauen, die als „Supernorm“ 63,50 Meter vorlegen muss.

Eine Rechnung offen

Aber erst kommt der Einstieg in Berlin, bei dem Wrobel und Wierig „viel Spaß haben“ wollen, bei denen es beiden aber auch um Erkenntnisse aus der bisherigen Winter-Vorbereitung geht. „Ich habe in den vergangenen Jahren immer Weiten zwischen 61 und 64 Meter erzielt“, erinnert sich Wierig. „In diesem Bereich soll der Diskus auch diesmal landen.“

Wrobel hat sogar „noch eine Rechnung offen“ mit dem Indoor-Istaf, zu dem er nun zum zweiten Mal antritt. Bei seiner Premiere vor drei Jahren ist er über 57,49 Meter nicht hinaus gekommen. „Diesmal soll vorne eine Sechs stehen“, blickt er voraus er. Das wäre nicht nur ein guter Start für ihn, sondern auch ein schönes Geschenk. Wrobel feiert heute seinen 29. Geburtstag.