Poznan/Magdeburg l Mit dem bloßen Auge war dieser Abstand nicht zu erkennen. Auch die Zielhupe ertönte fast gleichzeitig für beide Boote. Erst der Blick auf das Ergebnistableau sorgte für Sicherheit über den Ausgang des Doppelvierer-Finals beim Ruder-Weltcup in Poznan (Polen) am Sonntag.

Noch sehr deutlich siegten die Lokalmatadoren über die 2000 Meter in 6:01,01 Minuten. Es folgte mit 2,2 Sekunden Rückstand Australien, es folgte mit weiteren 0,27 Sekunden Neuseeland. Und es folgte mit weiteren 0,02 Sekunden das Boot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) mit Max Appel vom SCM. 0,02 Sekunden!

Mit hängendem Kopf im Boot

Für den 23-Jährigen wäre es das erste Weltcup-Podest seiner Karriere gewesen. Entsprechend enttäuscht hatte Appel schon im Boot reagiert, als er mit hängendem Kopf der verpassten Chance nachtrauerte. Appel meldete sich danach auch nicht bei der Volksstimme zurück, was für ihn tatsächlich ungewöhnlich ist. Irgendwann hatte er sein Handtelefon komplett ausgeschaltet. Dafür übermittelte er seinem Heimtrainer Roland Oesemann diesen Satz: „Das war bitter.“

An der Kraft kann es in Anbetracht des schmalen Rückstands kaum gelegen haben, wenngleich Lars Hartig, Timo Piontek, Appel und Karl Schulze bis zur 1500-Meter-Marke konsequent auf Platz zwei und auf Tuchfühlung mit den Polen fuhren. Zwei Hundertstelsekunden in diesem engen Feld waren letztlich nur eine Frage von Pech und Glück.

Im Vorlauf gepatzt

Das war es im Vierer ohne Steuermann an diesem Wochenende indes nicht. Nicht für Maximilian Planer und seine Crew. Der Bernburger gewann zwar mit Felix Brummel, Nico Merget und Felix Wimberger im Vierer ohne Steuermann. Allerdings nicht im A-, sondern im B-Finale. „Wir haben uns schon im Vorlauf in die missliche Lage gebracht“, sagte Planer. „Den haben wir verschlafen, dort sind wir nicht als Einheit gerudert und auch nicht entschlossen genug gefahren.“ Das Quartett steigerte sich zwar, aber es reichte letztlich weder im Hoffnungslauf noch im folgenden Halbfinale für eine Innenbahn – und außen blieben die Deutschen chancenlos. So verpassten sie den Endlauf um fast fünf Sekunden.

Das wäre nun eine Geschichte der großen Enttäuschung, wenn sie sich nicht relativieren ließe. Das tat Planer: „Wenn ich nur die europäischen Boote sehe, waren wir auch nur einen Platz schlechter als bei der EM.“ Also Vierter. Zudem: „Der Vierer ist eben nicht das Topboot der deutschen Mannschaft, das ist bei anderen Nationen anders.“

Nächste Chance in Rotterdam

Dieses deutsche Topboot ist und bleibt der Achter. Und in Poznan zeigte das Team von Trainer Uwe Bender eine Demonstration seines Können: Mit fast zwei Sekunden Vorsprung sicherte es sich den Final-Sieg. Den zweiten deutschen Erfolg in einer olympischen Disziplin feierte der Leichtgewichts-Doppelzweier.

Im Vierer ohne dominierten indes die Australier das Feld. Und wie: Sie siegten in 6:16,46 Minuten. „Das ist schon richtig gut bei diesem Gegenwind“, meinte Planer. „Da sieht man eben, dass man nichts geschenkt bekommt.“ Erst recht nicht bei der Weltmeisterschaft in Linz (Österreich/26. August bis 1. September).

Schon zuvor wollen sich der 28-Jährige und sein Team noch einmal beweisen – beim Weltcup in Rotterdam (12. bis 14. Juli). Planer: „Für uns ist es wichtig, dass wir nach all den Dingen, die wir gelernt haben, den nächsten Schritt gehen und uns Selbstvertrauen holen.“