Magdeburg l Sie verharrte unterhalb des Startblockes. Den leeren Blick richtete sie auf die Beckenfliesen. Und als sie die Schwimmbrille abgenommen hatte, schaute man Franziska Hentke direkt in ihre unglaublich traurigen Augen. Die 30-Jährige hat sich allerdings in den vielen Jahren, in denen sie nun auf den nationalen und internationalen Bühnen unterwegs ist, eine Routine im Umgang mit der Öffentlichkeit angeeignet – auch nach Enttäuschungen. Und eben auch am vergangenen Sonntag, nach ihrem Rennen über 200 Meter Schmetterling beim MWG-Cup in der heimischen Elbehalle, stand Hentke sogleich Rede und Antwort. Egal, ob sie es in diesem Moment wollte oder nicht.

„Die muskuläre Erholung hat gefehlt.“ Das war die erste und auch einzige Erklärung zu den 2:08,74 Minuten, in denen Hentke gewonnen hatte. Die Norm des Weltverbandes Fina für die Olympischen Spiele in Tokio (Japan/24. Juli bis 9. August) hatte sie damit um 31 Hundertstelsekunden verpasst. Wie übrigens auch im Vorlauf, in dem sie sogar nach 2:08,60 Minuten angeschlagen hatte. Hentke fand in ihrer Enttäuschung aber auch das Positive. „Zweimal 2:08 Minuten bin ich außerhalb von Großereignissen auch noch nicht so oft geschwommen“, erklärte sie.

Eine halbwegs gute Nacht

Trotzdem hätte sie die Norm gern abgehakt, um sich ganz der Vorbereitung auf ihre zweiten Sommerspiele hinzugeben. So musste sie ihre Enttäuschung zunächst in einer halbwegs guten Nacht überschlafen, „weil ich mich geärgert habe“, berichtete sie einige Tage nach dem Wettkampf. Letztlich hatte ihr die Nacht keine neuen Erkenntnisse gebracht: „Bis zur 150-Meter-Marke war alles in Ordnung. Aber die letzte Bahn war zu langsam. Da bin ich muskulär festgegangen.“

Bernd Berkhahn, ihr Trainer, hätte sich ebenfalls gewünscht, dass Hentke eine der Zusatzchancen erspart geblieben wäre: „Ich mache mir keine Sorgen, hätte die Norm aber gerne vom Tisch gehabt. Dann schläft man auch ruhiger.“ Die nächste Möglichkeit hat sie bereits am ersten Aprilmontag beim Swim-Cup in Stockholm (Schweden), wo sie im vergangenen Jahr in 2:08,14 Minuten den zweiten Platz belegt hatte. „Der Wettbewerb stand sowieso auf unserem Zettel. Und mit einer Zeit von 2:08 Minuten sollte sie sich dort nicht präsentieren, es sollte noch schneller gehen“, erklärte der 48-jährige Coach.

Noch wenige Tage vor dem MWG-Cup saß Berkhahn in der Elbehalle beim Training auf der Tribüne und schwärmte über die Einheit seines Schützlings, der gerade kraftvoll und temporeich durch das Wasser „schmetterte“. Auch Hentke bestätigte: „Das Training lief super. Und daran müssen wir auch nichts ändern.“

Die Technik passt

Das machte sie zum Beispiel an ihrem Stil fest. „Die Technik war gut und stabil“, erklärte Hentke. „Sie war sogar besser als zum Beispiel bei der Weltmeisterschaft.“ Im vergangenen Juli hatte Hentke im südkoreanischen Gwangju (Südkorea) den vierten Platz belegt, weshalb sie auch „nur“ die von der Fina vorgegebene schwächere Norm abliefern muss für die direkte Olympia-Qualifikation.

Für Stockholm nimmt sie nun im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien) Tempo auf. Vier Wochen lang. Sie werden noch einmal verstärkt an den Grundlagen arbeiten, bestätigte Berkhahn. Damit nach Stockholm alle gut schlafen können. Damit Hentkes Augen wieder leuchten.