Berlin l Bernd Berkhahn hat sich nicht nur als Trainer, sondern auch in der Disziplin „Rhythmische Sportgymnastik“ die Note eins verdient. Mit anderen Übungsleitern an seiner Seite lieferte er am Sonnabend bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in der Halle im Berliner Europa-Sportpark eine Vorstellung ab, die in Sachen Synchronizität ihresgleichen suchte. Die Teilnehmer dieser Gruppe beugten am Beckenrand mit ausgestreckten Armen ihre Oberkörper nach links oder rechts – immer in Richtung der schwimmenden Sarah Köhler. Und im Resultat einer wachsenden Aufregung, die während der 15-minütigen Präsentation in prustenden Gesichtern zu lesen war, stand letztlich allen ein Lächeln im Gesicht. Aber ganz besonders im Gesicht von Bernd Berkhahn und Sarah Köhler.

Dass der Trainer des SC Magdeburg nun so eine Vorahnung hatte, Köhler könnte tatsächlich einen Weltrekord in 15:18,01 Minuten erzielen, hatte der 48-Jährige seinem Schützling bereits beim Einschwimmen mitgeteilt: „Ich habe ihr gesagt, dass sie heute Weltrekord schwimmt“, erzählte Berkhahn. Auch die 25-Jährige „hatte damit geliebäugelt“, bestätigte Köhler am Samstagabend der Volksstimme.

Sie hatten ja nur einen Anhaltspunkt: die Durchgangszeiten von Mireia Belmonte (Spanien), die am 12. Dezember 2014 zuletzt die Bestmarke (15:19,74) über die längste Beckendistanz erzielt hatte. Und Berkhahn hatte zudem Vertrauen – nicht zuletzt, weil Köhler bereits zum Auftakt über 800 Meter eine nationale Bestmarke gesetzt hatte: „Es ist die Konstanz, die Sarah auszeichnet. Und wir haben hart und konstant gearbeitet.“

21,73 Sekunden unter alter Bestmarke

Köhler war sich selbst nicht sicher, ob der Plan aufgehen würde. Zumal sie erst drei Tage zuvor aus dem Trainingslager in der spanischen Sierra Nevada zurückgekehrt war. „Am Vorabend über 200 Meter kam ich nicht aus dem Knick, aber diesmal lief es“, stellte sie umso glücklicher fest.

Es lief sogar so gut, dass sie ihre bisherige Bestleistung um sagenhafte 21,73 Sekunden unterbot. Und während sie konkurrenzlos der Erfüllung ihres Traums entgegenrauschte, sah sie jene Choreografiegruppe mit Berkhahn am Beckenrand. „Ich habe ihn schon winken gesehen, er hat gerade wahrscheinlich mehr Laktat als ich“, sagte Köhler lachend zur vermutlichen Übersäuerung bei ihrem Coach. „Ich hätte nie gedacht, dass ich die zwei Buchstaben ,WR‘ hinter meinem Namen mal sehen werde.“ Auf der Anzeigetafel nämlich.

Und diese Freude überwog auch gestern noch, obwohl Köhler über 400 Meter Freistil ihren deutschen Rekord verlor. Denn: „Die Rekorde sollen ja auch gebrochen werden“, betonte sie. Die 17-jährige Isabel Gose aus Osterburg verbesserte diesen bei ihrem Sieg nämlich um 0,21 Sekunden auf 3:58,91 Minuten. Und resümierte: „Bei 200 Metern habe ich gemerkt, dass es richtig super läuft, und dann habe ich einfach alles gegeben. Aber dass es dann zum deutschen Rekord reicht, hätte ich niemals gedacht.“

"Das war der Hammer"

Florian Wellbrock freute sich indes über die Leistung seiner Freundin Sarah: „Das war der Hammer“, erklärte ihr Freund mit einem respektvollen Seufzer am Volksstimme-Telefon. Dabei war der 22-Jährige seiner Lebensgefährtin an jenem Abend mit einem eigenen Rekord vorausgeschwommen. Wellbrock knackte bei seinem Sieg über 800 Meter Freistil die nationale Bestmarke von Florian Vogel aus dem November 2015 um 1,40 Sekunden und schlug nach 7:32,04 Minuten an. Gestern unterbot er zudem bei seinem dritten Titelgewinn in Berlin seinen persönlichen Rekord über 400 Meter Freistil mit 3:40,83 Minuten. Marius Zobel, der über 400 Meter Lagen Gold gewonnen hatte, wurde Sechster (3:46,16).

„Der deutsche Rekord hat mich sehr gefreut. Ich hatte es beim Einschwimmen schon gespürt, dass es in diese Richtung gehen kann“, berichtete Wellbrock. „Ich freue mich einfach, dass ich auch auf der kurzen Bahn immer besser werde, damit nehme ich viel positiven Schwung mit in die Langbahn-Saison. Und ich hoffe, ich kann diesen bis zu den Olympischen Spielen im Sommer mitnehmen“, resümierte er nach seinem letzten Rennen im 25-Meter-Becken.

Den letzten möglichen SCM-Titel bei den Meisterschaften verpasste Aliena Schmidtke um nur drei Hundertstelsekunden. Die 26-Jährige wurde hinter Angelina Köhler (56,95) Zweite in 56,98 Sekunden. Franziska Hentke, die in Berlin mit Gold über 400 Meter Lagen ihren insgesamt 20. deutschen Meistertitel gewonnen hat, wurde Fünfte (58,90).