Magdeburg l Zunächst ein Schwank aus der Lektüre über Sternzeichen. Im speziellen Fall geht es um den Steinbock. Laut einer Internetseite ist der „typische Steinbock ausdauernd, beharrlich, belastbar, bodenständig, diszipliniert, ehrgeizig, ernst, geduldig, gradlinig, gründlich, grundsatztreu, hartnäckig, ideenreich, klug, konservativ, konzentriert, ordentlich, pflichtbewusst, realistisch, sachlich, selbstkritisch, strategisch, traditionsbewusst, treu, verantwortungsbewusst, vernünftig und vorsichtig“.

Ein Tag wie jeder andere

Wer vor lauter Eigenschaften nun den Überblick verloren hat, dem sei der Hinweis gegeben. Das alles ist Dagmar Hase, ehemalige Schwimmerin und heutige Nachwuchstrainerin beim SCM. Ein echter Steinbock also. Und ab dem Sonntag frische 50 Jahre alt. Für Dagmar Hase ist das kein sonderlich wichtiger Tag, sondern ein Tag wie jeder andere. „Das ist nur eine Zahl. Heute bin ich 49, am Sonnabend bin ich 49 und am Sonntag eben 50 – und nichts hat sich für mich verändert“, sagt sie lächelnd.

Sie wird sich auch niemanden einladen, sie wird deshalb auch nicht über vergangene Erfolge reden. Ein über mehrere Tage umfassendes Thema übrigens. Hase ist Olympiasiegerin über 400 Meter Freistil – seit 1992 in Barcelona. Ihr größter sportlicher Erfolg, den sie vor sechs Jahren, nachdem sie in die Hall of Fame in Fort Lauderdale (USA) aufgenommen worden war, so beschrieb: „Das war nie vorhersehbar, der Sieg war nicht greifbar. Und dann hat alles gepasst. Es war das perfekte Rennen.“

Beachtliche Bilanz

Perfekt fällt auch ihre sportliche Erfolgsbilanz aus. Zum Gold sammelte sie bei Sommerspielen fünfmal Silber und einmal Bronze. Sie sicherte sich bei Weltmeisterschaften zwei Titel, drei zweite und einen dritten Platz. Und von 13 Edelplaketten, die sie bei Europameisterschaften gewann, sind sechs aus Gold.

Nichts davon ist nur eine Zahl. Alles ist Erinnerung an eine Sportlerin, die selbst in der Flora ihren prominenten Platz gefunden hat. Es gab nämlich einen Blumenliebhaber, der 1996 eine neue Fuchsie gezüchtet hat und sie als Fan von Dagmar Hase nach Dagmar Hase benannt hat. „Ich habe sie auch getauft, das war schon eine schöne Ehre für mich.“

Taufen musste sie ihren Bambi indes nicht. Den hat sie wie alle Olympiasieger 1992 erhalten, einen „Baby-Bambi“, wie Hase erklärt.

Das große Reh erhielt damals ebenfalls eine Schwimmerin, keine Olympiasiegerin, aber eine erst 14-Jährige, die in Barcelona mit je zweimal Silber und Bronze dekoriert wurde: Franziska van Almsick.

2002: Geburt des Sohnes

Diese Ehrung war auch ein Moment in der Karriere, aber nicht der schönste im Leben: Den durfte Dagmar Hase vier Jahre nach ihrem Abschied aus dem Becken genießen: „Die Geburt meines Sohnes war das schönste Ereignis“, sagt sie. Oscar erblickte 2002 das Licht der Welt, in der aus ihm kein Schwimmer, sondern ein Handballer geworden ist.

Junge Mädels und Jungen leitet sie trotzdem tagtäglich an, um irgendwann erfolgreich in der Weltspitze zu schwimmen. Zwölf Athleten zählt ihre Riege beim SCM. Und einige darunter haben eine herausragende Eigenschaft: „Ich freue mich immer, wenn ich einen Steinbock dabei habe“, sagt Hase. „Der Steinbock kann kämpfen, er ist ehrgeizig.“ Die Erfolgschancen stehen also gut. „Das sind zumindest meine Erfahrungswerte, die ich gesammelt habe. Es funktioniert nicht immer, aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel.“

Ein Steinbock hat, so offenbart es die Internet-Lektüre, auch Schwächen. Er ist „autoritär, engstirnig, kontrolliert, pedantisch, pessimistisch, starrköpfig, steif, trocken, überstrukturiert, unerbittlich, ungesellig und unnahbar“.

Zumindest im Punkt „ungesellig“ trifft das morgen auf Hase zu. Ihr Plan ist es nämlich, „auf Wanderschaft zu gehen“. Egal wohin. Aber allein. Das darf man ihr glauben. Denn es gibt auch eine Eigenschaft, die dem Sternzeichen Steinbock nicht zugeordnet ist, aber auf Dagmar Hase wiederum durchaus zutrifft: konsequent.