Klimawandel Steigende Temperaturen gefährden Olympia im Winter zunehmend
Immer weniger Frosttage, höhere Temperaturen: Der Klimawandel gefährdet Olympische Winterspiele an vielen klassischen Orten.

Princeton - Der Klimawandel bedroht nach Expertenangaben die Wintersport-Wettbewerbe in vielen Regionen. Allein in einem Hauptveranstaltungsort der kommenden Olympischen Winterspiele, Cortina d'Ampezzo, sei die Februar-Temperatur seit den ersten Winterspielen an diesem Ort im Jahr 1956 um 3,6 Grad gestiegen, berichtete die gemeinnützige US-Organisation Climate Central in Princeton (New Jersey) in einem Überblick anlässlich der Spiele. Die Zahl der Frosttage habe dort zugleich um 19 Prozent abgenommen.
Die Olympischen Winterspiele starten am 6. Februar und sind auf mehrere norditalienische Orte verteilt. Der zweite Hauptstandort Mailand, das Wettbewerbe wie Eiskunstlauf und Eishockey ausrichten wird, habe sich in dem Zeitraum um 3,2 Grad erwärmt.
Die Alpen erwärmen sich besonders schnell
Einer der Gründe für die rasche Erwärmung in den Alpen und anderen Bergregionen ist der schmelzende Schnee. Dieser reflektiert die Sonnenstrahlen. Ohne Schneebedeckung kann sich der meist dunklere Boden stärker erwärmen. Zudem steigen die Temperaturen der Kontinente ohnehin stärker als die der Meere.
„Mit jedem Zehntel Grad mittleren Temperaturanstieg werden Wintersportbedingungen auch in alpinen Höhenlagen wetterabhängiger und unterliegen somit stärker unerwünschten Schwankungen“, sagte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade im Bereich der Frostgrenze kann das sichtbare Auswirkungen auf das Vorhandensein von natürlichen Winterlandschaften haben.“
Eine Auswertung von über 800 Messtationen in den Alpen für den Zeitraum von November bis Mai zeigt bereits eine deutliche Verschlechterung der Schneeverhältnisse: Im Durchschnitt sank die mittlere Schneehöhe von 1971 bis 2019 um 8,4 Prozent pro Jahrzehnt. Die Dauer der saisonalen Schneebedeckung verringerte sich in der Zeit um 5,6 Prozent pro Jahrzehnt, wie das Team um Michael Matiu von der italienischen Università di Trento im Journal „The Cryosphere“ berichtet.
Insbesondere Westeuropa verliert verlässliche Standorte
Die Schneemenge wirkt sich auf die Anzahl der möglichen Austragungsorte für die Winterspiele aus: Von den 93 potenziellen Gastgeberstädten gelten laut Climate Central derzeit 87 als Orte mit verlässlichen klimatischen Bedingungen für die Olympischen Winterspiele. Bis in die 2050er Jahre werden es nur noch 52 sein, schreibt die Organisation mit Verweis auf die Studie eines Teams um Robert Steiger von der Universität Innsbruck.
Noch schlechter sei die Lage für die Winter-Paralympics, die in der Regel im März stattfinden. Hier gebe es in den 2050er Jahren nur noch 22 Orte mit verlässlichen Bedingungen. Besonders rasch sinkt die Zahl verlässlicher Olympia-Standorte laut der Studie von Steiger in Westeuropa. Zu den Faktoren für Verlässlichkeit zählten entsprechend tiefe Temperaturen und die Wahrscheinlichkeit ausreichender Schneehöhen von mindestens 30 Zentimetern.
„Wir sehen, dass die Klimakrise nicht nur einzelne schlechte Winter bringt, sondern das Fundament des Wintersports verändert“, sagte Steiger, der auch Mitautor einer neuen Studie zu Anpassungsmaßnahmen ist. „Die Risiken für Fairness und Sicherheit im Wettkampf nehmen zu, da Phasen mit ungewöhnlich warmem Wetter während der Spiele wahrscheinlicher werden und die Schneequalität stark beeinträchtigen können.“
Spiele vorverlegen?
Es sei daher auch aus diesen Gründen wichtig, die Erderwärmung zu begrenzen, sagte Steiger. In der neuen Studie haben er und weitere Forscher zudem viele Stellschrauben für bessere Schneebedingungen während der Wettkämpfe zusammengestellt. Eine Auswahl: Um die Wintersportbedingungen für Olympia insgesamt zu verbessern, könnten die Spiele um zwei bis drei Wochen vorverlegt werden. Die Olympischen Spiele starten dann Ende Januar und die Paralympics Ende Februar.
Möglich sei auch ein Rotationssystem zwischen den klimatisch zuverlässigsten Austragungsorten, mit dem sich das Internationale Olympische Komitee bereits als möglichem Reformansatz beschäftigt. In Erwägung zieht das IOC auch eine Veränderung des Wettkampfprogramms.
Wenn die Dauer der Spiele von 16 auf 18 bis 20 Tage verlängert werde, gebe es laut Steiger mehr Flexibilität bei der Verschiebung von Wettbewerben bei widrigen Wetterbedingungen. Eine Verlegung von Wettkampfzeiten auf frühere Tageszeiten sorge für niedrigere Temperaturen. Als weitere, oftmals unausweichliche Option sieht Steiger künstliche Beschneiung, die jedoch effizient und möglichst klimafreundlich organisiert werden müsse.