Schwimmen: Deutsche Jahrgangsmeisterschaften

Winkel überrascht, Wellbrock trumpft auf

Berlin/Magdeburg (dh) l 2800 Kilometer entfernt kam ein wenig Wehmut auf ob dieser starken Zeit von Florian Wellbrock. In 15:22,63 Minuten über 1500 Meter hat der 17-Jährige am Mittwoch seine alte Bestmarke um mehr als zwölf Sekunden unterboten bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin, damit belegte er Platz eins bei den 1997ern und Rang zwei hinter Felix Auböck (Wasserfreunde Spandau/15:21,27) in der Junioren-Wertung. Und er meinte danach bescheiden: "Ich bin sehr zufrieden mit mir." Das war sein Trainer Bernd Berkhahn im zweiten Moment auch, aber im ersten fühlte sich das Resultat anders an.

Der Coach, der sich mit den Spitzenathleten des SCM im Höhentrainingslager in Sierra Nevada (Spanien) auf die nächsten Aufgaben vorbereitet, erklärte nämlich: "Florian ist seit langer Zeit der Schnellste seines Jahrgangs über diese Distanz, und doch schwimmt er nicht bei den Jugend-Europameisterschaften in Baku."

Als die Norm zur Teilnahme an jener EM innerhalb der Europaspiele in Aserbaidschan (12. bis 28. Juni) fällig wurde, schleppte sich Wellbrock mit einem Infekt ins Becken. Das war Anfang April bei den nationalen Titelkämpfen der Elite, und schon damals befand er sich eigentlich in bestechender Form. Berkhahn war danach als Psychologe gefragt: "Jetzt muss ich Florian behutsam aufbauen", sagte der Coach. Geschafft. Gesund schwimmt der Bremer, der im vergangenen Sommer zum SCM gewechselt war, in neue Sphären. Denn in Berlin schaffte er zudem Bestzeiten bei seinen Silberrennen über 400 Meter Freistil und über 200 Meter Schmetterling.

Wellbrock hat damit den Eindruck bestätigt, den der gesamte SCM-Nachwuchs schon seit dem ersten Wettkampf am Dienstag hinterlässt - stark in Form. Zum Auftakt der Veranstaltung, die noch bis Sonnabend im Europasportpark ausgetragen wird, jubelte eine junge Dame, mit der auch Trainer Thomas Ackenhausen nicht wirklich gerechnet hatte: Lilly Winkel entschied ihr Jahrgangsfinale (2000) über 200 Meter Rücken in 2:21,82 Minuten für sich. Im sozialen Netzwerk "Facebook" jubelte ihr stolzer Vater Holger kräftig mit, Ackenhausen meinte indes: "Wir hatten nach dem Jahresverlauf mit einer Medaille geliebäugelt. Aber das ist wirklich eine Überraschung." Die 14-Jährige schaffte zudem in neuer Bestzeit. Um 2,08 Sekunden unterbot sie ihre alte Marke. Bestzeiten standen übrigens überhaupt auf der Tagesordnung bei den Magdeburgern (siehe Ergebnisse). Und Medaillen.

Bronze sicherte sich zum Beispiel Marius Zobel (1999) über die 200 Meter Freistil: in 1:54,38 Minuten. Das ist mehr als nur eine Bestzeit, das ist ein bisschen Wahnsinn. "Marius konnte erst in den vergangenen drei Monaten durchtrainieren, zuvor war er oft krank gewesen. Jetzt ist ein Ruck durch den Jungen gegangen", sagte Ackenhausen. Der Ruck zahlte sich bereits bei den Norddeutschen Meisterschaften im Mai in der Elbehalle aus, als er erstmals überhaupt unter zwei Minuten geblieben war über diese Distanz (1:58,02), am Mittwoch schwamm er nochmals 3,64 Sekunden schneller. "Das ist absolut top", meinte Ackenhausen, "ganz hohes Niveau." Wie auch die Zeit von Paul Nitschke (1998), der in 2:01,28 Minuten über 200 Meter Schmetterling Silber gewann.

Glücklich war außerdem SCM-Trainerin Dagmar Hase mit ihren Schützlingen über 100 Meter Rücken: Sowohl Lukas Märtens als Dritter als auch Florian Kaufmann als Fünfter erzielten mit 1:02,96 und 1:03,14 Minuten neue persönliche Bestzeiten.

Nach den ersten beiden Tagen liest sich die Zwischenbilanz der Magdeburger so: In 19 Jahrgangs-A-Finals sammelten sie zwei Gold-, vier Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Ergebnisse (A-Finals)

Dienstag, weiblich, 200 m Rücken: 1. Lilly Winkel (Jg. 2000) 2:21,82 min. (Bestzeit/BZ) - 200 m Schmetterling: 5. Charlie Sue Rieffenberg (2000) 2:22,05 (BZ) - 50 m Brust: 2. Laura Kelsch 33,00 sec., 5. Valeriya Möhring (beide 1999) 33,99 - männlich, 400 m Freistil: 2. Florian Wellbrock (1997) 3:54,74 min. (BZ) - 100 m Schmetterling: 6. Paul Gärtner (2000) 58,44 sec. (BZ); 8. Florian Kaufmann (2001) 1:01,80 min. (BZ) - 200 m Brust: 4. Sebastian Bolenz (1998) 2:23,66 min. (BZ); 7. Henrik Dahrendorff (Junioren) 2:20,62 (BZ) - 50 m Schmetterling: 4. Paul Nitschke (1998) 25,57 (BZ)

Mittwoch, weiblich, 400 m Freistil: 9. Lotta Steinmann (1999) 4:30,87 min. (BZ) - 200 m Freistil: 9. Emily Charlotte Feldvoss (2001) 2:13,11 - 200 m Brust: 5. Valeriya Möhring (1999) 2:40,56 (BZ) - männlich, 1500 m Freistil: 1. Florian Wellbrock (1997) 15:22,63 min. - 200 m Schmetterling: 2. Paul Nitschke (1998) 2:01,28; 2. Florian Wellbrock (1997) 2:02,77 (BZ) - 200 m Freistil: 3. Marius Zobel (1999) 1:54,38 (BZ) - 200 m Lagen: 6. Chris Kerber (1997) 2:09,47 (BZ) - 100 m Rücken: 3. Lukas Märtens 1:02,96 (BZ), 5. Florian Kaufmann (beide 2001) 1:03,14 (BZ); 4. Paul Gärtner (2000) 59,70 sec.