Hamburg (dpa) - Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat mit "großer Besorgnis" auf weitere Anschuldigungen gegen den ehemaligen Gewichtheber-Weltverbandspräsidenten Tamas Ajan reagiert.

Es habe beim Gewichtheben eine "Dopingkultur gegeben, die lange Zeit toleriert, erleichtert und versteckt wurde", schrieb die Wada und beruft sich dabei auf einen Bericht des dänischen Portals "Play the Game". Ajan soll unter anderem positive Dopingergebnisse vertuscht haben. Die Vorwürfe stützen jene Ermittlungsergebnisse, die die Wada bereits in ihren Berichten im Juni und Oktober zur IWF vorgestellt hatte.

Die Wada kündigte an, ihre Untersuchungen der IWF-Tätigkeiten fortzusetzen und mit Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. Diese haben bereits strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

Ajan ist zwar im April unter dem Druck der IWF-Führung zurückgetreten, seine Vertrauten sitzen jedoch weiterhin im Exekutivrat und behindern einen tatsächlichen Reformprozess. So wurde Interimspräsidentin Ursula Papandrea (USA) im Oktober durch den IWF-Exekutivrat abgesetzt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat bei seiner Sitzung am Mittwoch den Standpunkt bekräftigt, dass der Platz für das Gewichtheben im Olympia-Programm für 2024 auf dem Prüfstand steht.

Das IOC sehe zwar Fortschritte bei den Anti-Doping-Maßnahmen des Verbandes. Dies sei wichtig für die Olympia-Qualifikationen für Tokio im kommenden Jahr. Es seien aber noch viele Fragen zu den Prüfungen der Wada offen. Das IOC erwarte den Abschluss der Wada-Untersuchungen. "Dann sehen wir, ob das Folgen für die Zukunft haben wird", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Die IWF hat die Internationale Dopingkontrollagentur ITA beauftragt, Dopingtests im Gewichtheben auszuwerten und auch die umstrittenen Fälle der Vergangenheit zu überprüfen.

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Bericht Wada

Bericht "Play the Game"