Lausanne (dpa) - Die viermalige Olympiasiegerin Hayley Wickenheiser hat sich in der Debatte um die Spiele in Tokio erneut zu Wort gemeldet und das IOC zum Handeln aufgefordert.

"Ich fordere nicht, die Olympischen Spiele abzusagen. Aber wir müssen vor allem Menschlichkeit zeigen und können nicht einfach so weiter machen", sagte die 41 Jahre alte Kanadierin dem "Spiegel". Zuvor hatte die einst beste Eishockeyspielerin der Welt, seit 2014 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, bereits auf Twitter deutliche Kritik am strikten Festhalten des IOC an den Sommerspielen geäußert.

"Wir sollten keine Durchhalteparolen verbreiten. Was in Italien passiert, sollte uns allen eine Warnung sein", sagte Wickenheiser in dem am 18. März veröffentlichten Beitrag. Die Weltbevölkerung sei "dramatisch" von der Coronavirus-Pandemie betroffen.

"Nur das zählt momentan. Ich habe die Lage zu Beginn auch noch etwas anders gesehen und dachte, dieses Virus werde schnell wieder verschwinden. Doch als Medizinerin habe ich die vergangenen zweieinhalb Monate in der Notaufnahme verbracht. Ich weiß es jetzt besser und sehe die Gefahr", führte Wickenheiser aus.

Das IOC hatte zuvor erneut bekräftigt, dass die Spiele am 24. Juli in der japanischen Hauptstadt eröffnet werden sollen. "Ich attackiere niemanden. Ich will keine Instabilität in der olympischen Familie. Ich will keine Panik machen. Aber ich sage klar und deutlich: Jetzt helfen nur drastische Maßnahmen", sagte Wickenheiser.

Auch sie wünsche sich Olympische Spiele, "natürlich, doch in dieser schweren Lage sind wir zuerst einmal Menschen, die sich um ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer Familien sorgen. Wir sollten zunächst als verantwortungsvolle Weltbürger handeln, erst dann als Sportler oder IOC-Mitglieder."

Twitter-Account von Hayley Wickenheiser

Internationales Olympisches Komitee

Wickenheiser im "Spiegel"