Halberstadt l Mitten im Zentrum belastet seit über zwei Jahrzehnten ein verwaister ehemaliger ­Möbelmarkt das Stadtbild Halberstadts – genau an der vielbefahrenen B 81 Kreuzung Kühlinger Straße/Friedrich-Ebert-Straße. Neben dem ehemaligen Klubhaus, das sich Luftlinie nur etwa einen Kilometer weit vom Markt-Gebäude entfernt befindet, ist das die zweite Problem-Immobilie, die das Image der Kreisstadt schwer belastet.

Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) führt derzeit nicht nur Gespräche zur Zukunft des Klubhauses, sondern auch zum ehemaligen Einrichtungshaus. Dass die Chancen gut stehen, dass an beiden Immobilien bald etwas passiert, berichtete er bereits in seiner Rede zum Neujahrsempfang der Stadt – und erntetet dafür viele erstaunte Blicke.

„Ich habe am 28. Januar in lockerer Runde mit Planern und Projektentwicklern über den ehemaligen Möbelmarkt und die Möglichkeiten einer neuen Nutzung des Bereiches diskutiert“, bestätigt ­Andreas Henke auf Volksstimme-Nachfrage. Auf die Identität seiner Gesprächspartner geht Henke noch nicht näher ein.

Wohnraum oder soziale Nutzung?

Es seien unterschiedliche Ideen zur Nutzung des Areals ange­sprochen worden. Unter anderem könne man sich gut vorstellen, dort Wohnraum zu schaffen oder Gewerbe anzusiedeln. Diskutiert wurde auch über ein Gebäude mit sozialer Nutzung, so der Oberbürgermeister.

Ob und wann die Gespräche in konkrete Projekte münden, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Wichtig sei, dass man jetzt wieder darüber spricht und der Prozess zur Lösung des Problems beginnt.

Möbelmarkt schloss nach der Wende

Der Möbelmarkt ist in den 1970er Jahren errichtet worden. Nach der politischen Wende und der deutschen Wiedervereinigung übernahm das Einrichtungshaus Porta die Immobilie. Anfang der 1990er Jahre wurde das Haus geschlossen. Bemühungen von Porta, das Areal in bester Innenstadtlage zu verkaufen, sind bis heute im Sande verlaufen.

Bereits vor neun Jahren befragte die Volksstimme die Halberstädter, was mit dem verwaisten Gebäude geschehen soll. Die Halberstädter plädierten dafür, egal was, aber es muss etwas mit der alten und hässlichen Betonkiste geschehen. Die Meinung der 1426 Teilnehmer war damals eindeutig. 48 Prozent meinten, dass das unansehnliche Haus abgerissen werden müsse, 47,4 Prozent sprachen sich für Sanieren und Nutzen aus. An diesem Stimmungsbild dürfte sich nicht viel verändert haben.