New York/Berlin/Lissabon/Helsinki (dpa) - Der Pharmakonzern Pfizer rechnet mit einer Einschränkung der Corona-Impfstofflieferungen in Europa in den kommenden Wochen.

Maßnahmen zur Erhöhung der Produktion im Werk in Puurs in Belgien würden sich "vorübergehend auf die Lieferungen von Ende Januar bis Anfang Februar auswirken", teilte Pfizer der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin geht davon aus, dass Pfizer die in den kommenden drei bis vier Wochen bereits zugesagte Menge an Corona-Impfstoff nicht liefern kann. Zunächst war unklar, wie viele Impfdosen nun vorerst nicht zur Verfügung stehen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, das Unternehmen werde trotz der Produktionsverzögerungen die Lieferzusagen für die EU im ersten Quartal 2021 einhalten. Sie habe nach ersten Informationen dazu sofort den Pfizer-Chef angerufen, sagte sie am Freitag bei einem Besuch in Lissabon. Dieser habe bestätigt, dass es in den kommenden Wochen eine Produktionsverzögerung gebe. Zugleich habe er jedoch versichert, dass alle garantierten Dosen im ersten Quartal auch geliefert würden. Er werde sich persönlich darum kümmern, die Verzögerung zu reduzieren und so schnell wie möglich aufzuholen.

Fragen danach, wie viele Impfstoffdosen aufgrund der Probleme zunächst weniger geliefert würden, beantworte von der Leyen nicht. Dies müsse das Unternehmen beantworten. Sie verwies jedoch darauf, wie wichtig es sei, dass die zugesagten Dosen bis Ende März geliefert würden. Weil es innerhalb eines bestimmten Zeitraums zwei Impfungen des Vakzins von Pfizer und seinem deutschen Partner Biontech brauche, gebe es auch die medizinische Notwendigkeit, dass der Impfstoff rechtzeitig geliefert werde.

Nach Pfizer-Angaben kann es "in naher Zukunft zu Schwankungen bei Bestellungen und Versandplänen" kommen. Der Konzern betonte jedoch, dass die Änderungen in der Fabrik in Belgien zu einer signifikant höheren Anzahl an Impfdosen Ende Februar und im März führen würden. "Unsere Pläne sehen eine gerechte Verteilung im Rahmen der Vereinbarungen mit den Regierungen vor und dass jedes Land seine zugewiesenen Dosen über die Laufzeit des Vertrags erhält, obwohl die geschätzten Mengen in einem bestimmten Quartal möglicherweise angepasst werden müssen."

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin hatte das Unternehmen die Verzögerungen der EU-Kommission und über diese den EU-Mitgliedstaaten kurzfristig mitgeteilt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seine Länderkollegen berieten nach Angaben des Sprechers am Nachmittag in einer Schaltkonferenz über die Lage. "Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern nehmen diese sehr kurzfristige wie unerwartete Mitteilung der Kommission und von Pfizer mit Bedauern zur Kenntnis", hieß es.

Bund und Länder erwarteten, dass die EU-Kommission in den Verhandlungen mit Pfizer schnellstmöglich Klarheit und Sicherheit für die weiteren Lieferungen und Lieferdaten schaffe. Der Sprecher ergänzte, die für Deutschland am Montag vorgesehene wöchentliche Lieferung erfolge wie geplant.

In einem Schreiben an EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zeigten sich sechs Staaten der Europäischen Union besorgt und appellierten, die EU-Kommission solle sicherstellen, dass die Impfstoffproduktion von Pfizer/Biontech effektiv sei und Chargen schnell geliefert würden. Nach Angaben der finnischen Regierung schrieben Dänemark, Finnland, Schweden und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen den Brief gemeinsam. Die Kommission müsse alles daran setzen, dass die Impfstoffproduktion von Biontech/Pfizer gesteigert und die Verteilung der Chargen gemäß dem EU-Kaufvertrag und den Bestellungen der Mitgliedstaaten gewährleistet sei.

Zuvor hatte das norwegische Gesundheitsinstitut FHI mitgeteilt, die vorübergehende Reduzierung betreffe "alle europäischen Länder". Nach FHI-Angaben erhält Norwegen in der nächsten Kalenderwoche nur rund 36.000 statt wie ursprünglich geplant knapp 44.000 Pfizer-Impfdosen. Grund dafür sei, dass Pfizer seine Produktionskapazitäten aufstockt und dafür die Produktion umstrukturieren muss. Nach Abschluss dieser Aufstockung könne die Produktion von derzeit 1,3 Milliarden auf dann 2 Milliarden Impfdosen pro Jahr gesteigert werden, so die Norweger.

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