Gänsefurth/Groß Börnecke l Nicht nur Corona zeigt, wie wichtig das schnelle Internet ist. Eine lahme Leitung können sich Gewerbetreibende nicht selten auch sonst nicht leisten. Wie schätzen Mittelständler im Gewerbegebiet „Bodewiesen“ in Gänsefurth die Lage ein? Was für ein Netz steht ihnen zur Verfügung und wo hakt es? Die Volksstimme hat dazu bei ansässigen Unternehmen nachgefragt.

Gewerbegebiete Gänsefurth und Groß Börnecke

Anlass gibt eine Information der Telekom. Das Unternehmen teilt mit, dass der Glasfaser-Ausbau in den Gewerbegebieten Gänsefurth und Groß Börnecke der Stadt Hecklingen jetzt abgeschlossen ist. „Allen Kunden dieser Gewerbegebiete stehen nun die Highspeed-Anschlüsse zur Verfügung. Die ersten Kunden surfen bereits mit 1 Gigabit pro Sekunde (GBit/s)“, heißt es.

Damit hätten sie den schnellsten Anschluss und seien nicht nur in den Corona-Zeiten bestens versorgt, so die Telekom.

Zu langsam für Möller

Die Firma Möller Industrietechnik GmbH ist seit mittlerweile 21 Jahren im Gewerbegebiet „Bodewiesen“ in Gänsefurth ansässig und wächst seitdem, investiert in Infrastruktur und Technik. Mit mittlerweile 145 Mitarbeitern fertigt und vertreibt der Mittelständler Dichtungen europaweit. Verbindungen zu Zulieferern und Kunden brauchen einen verlässlichen Weg der Kommunikation. Ohne Internet geht es nicht. Da es mit der Übertragung von Daten früher immer wieder Probleme gab, weil das Internet zu lahm war, bemühte sich die Firma selbst um eine schnelle Leitung. „Im Sommer 2019 hat die Telekom begonnen, das Glasfaserkabel zu verlegen“, weiß Samuel Eggebrecht. Damals sei von der Telekom die jetzt überall mögliche 1 GBit/s-Leitung angeboten worden. „Aber wir haben uns auch erst einmal mit einem Zehntel dieser Geschwindigkeit mit symmetrischer Leitung zufriedenstellen können“, so Eggebrecht. Ein ganz normaler V-DSL-Anschluss mit asymmetrischer Leitung, wie er in den normalen Haushalten Standard sein sollte, reiche für die Firma nicht aus. Möller hat sich daher an das Glasfasernetz anbinden lassen.

Wie wichtig das sei, zeige sich vor allem jetzt in der Pandemiezeit, meint Eggebrecht. „Wenn Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten müssen, brauchen sie eine VPN-Verbindung zu unserem Firmennetzwerk und demnach brauchen wir eine schnelle Upload-Leistung, wenn wir Informationen hinschicken.“ Auch für Videokonferenzen und den externen IT-Dienstleister, der die Server des Unternehmens warte, sei die Anbindung an das schnelle Glasfasernetz wichtig, weil er schneller auf die Daten zugreifen könne.

WTE bemühte sich selbst

Die WTE Betriebsgesellschaft im Gewerbegebiet „Bodewiesen“ benötigt Highspeed in vollem Umfang und ist schon seit zehn Jahren daran angeschlossen. Das Unternehmen musste sich selbst um die Standleitung bemühen und reichte einen Bauantrag ein, der selbst finanziert wurde.

„Wir benötigen den Upload, unter anderem weil wir einen Server betreiben, an den Kunden angeschlossen sind, die unsere Software nutzen“, erklärt der Leiter der IT-Abteilung des Unternehmens, Alexander Staedtke. WTE ist ebenfalls international tätig und betreibt Industrieanlagen zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie zur Monoverbrennung.

Den Kunden werden deutschland- und europaweit Softwareprodukte zur Verfügung gestellt. Ohne Highspeed-Anschluss wäre das alles nicht möglich. Die Leitung muss sicher sein. Das ist auch der Fall. Staedtke spricht von einer Verfügbarkeit von 99,9 Prozent.

Bei kleineren Firmen

Es gibt im Gewerbegebiet aber auch kleinere Firmen, die noch nicht an das Glasfasernetz angebunden sind, dazu jetzt aber die Möglichkeit hätten. Wie schätzen sie diese Option ein? Der Geschäftsführer vom Hecklinger Stadtbaubetrieb, Lothar Peters, meint, dass er bisher keine Probleme mit dem Internet hatte. Er nutze es aber auch nicht in dem Maße wie vielleicht andere Unternehmen. Er weiß aber, dass das Kabel der Telekom für den Highspeed-Anschluss auch vor seiner Tür verlegt wurde. „Es liegt auch bei uns auf dem Grundstück. Es wurde im vergangenen Jahr verlegt“, erinnert sich der Firmenchef.

Eine weitere Firma, die einen mittelständischen Handwerksbetrieb von Gänsefurth aus betreibt und Kunden in mehreren Bundesländern betreut, teilt im Gespräch mit der Volksstimme mit, dass das Unternehmen noch nicht an das Glasfasernetz angeschlossen ist. „Unser Internet ist nicht das schnellste“, wird berichtet. Hin und wieder gebe es Aussetzer, vor allem an den Wochenenden. Ob die Anbindung an das schnelle Netz eine Option sei, müsse abgeklärt werden und sei am Ende auch eine Frage des individuellen Angebotes.

Die Telekom teilt weiter mit, was für Voraussetzungen zur Anbindung an den Glasfaseranschluss nötig sind. Unter anderem müsse die Verkabelung im Haus auf dem neuesten Stand sein. Auch dabei sei der Dienstleister beratend tätig, wenn gewünscht, heißt es sinngemäß.